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Autoindustrie Tavares bezeichnet fusionierten Stellantis-Konzern als „Schutzschild für Jobs“

Der bisherige Peugeot-Chef verlangt eine höhere Effizienz von Fiat und kritisiert die Elektromobilität ungewohnt heftig. Bei Opel sieht Tavares keinen speziellen Handlungsbedarf.
19.01.2021 - 19:22 Uhr Kommentieren
Werksschließungen als Folge der Fusion werde es nicht geben, versprach der CEO. Quelle: Reuters
Carlos Tavares

Werksschließungen als Folge der Fusion werde es nicht geben, versprach der CEO.

(Foto: Reuters)

Paris Carlos Tavares ist am Dienstagnachmittag das erste Mal in seiner Funktion als CEO von Stellantis vor die Presse getreten, dem aus der Fusion von Peugeot SA (PSA) und Fiat-Chrysler (FCA) hervorgegangenen Autokonzern. Jedem, der seinerzeit die Übernahme des deutschen Autobauers Opel durch PSA mit Tavares an der Spitze verfolgt hatte, mussten manche seiner heutigen Ankündigungen wie ein Déjà-vu vorkommen: Tavares versprach, dass es keine Werksschließungen geben werde und man „sehr viel tun kann, um die Kosten zu senken, bevor man an die Zahl der Mitarbeiter denkt“.

Analysten sind jedoch übereinstimmend der Ansicht, dass die Modellpalette von Fiat zu alt, die Werke zu unrentabel und die Emissionen diverser Modelle zu hoch sind. Doch der Franko-Portugiese ließ sich von Hinweisen darauf nicht aus der Reserve locken – genauso wenig wie von Fragen zu der Zukunft der zahlreichen Stellantis-Entwicklungszentren innerhalb des fusionierten Konzerns.

„Die Fusion schafft ein Schutzschild für Jobs“, behauptete Tavares. Werke könnten nun besser ausgelastet und Modelle, die bislang nicht rentabel waren, durch die Produktion in höheren Stückzahlen in ein sinnvolles Geschäftsmodell eingebettet werden.

Allerdings sandte er eine Warnung in Richtung Fiat: „Wir müssen ein vernünftiges Niveau der Profitabilität und Effizienz in den Werken erreichen.“ Das Management könne durch ein internes Bewertungssystem einen Beitrag dazu leisten. Dabei gehe es aber nicht um die Zahl der Mitarbeiter, sondern um die Art und Weise, wie gearbeitet werde.

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    Werksschließungen als Folge der Fusion werde es nicht geben, versprach der CEO. Eine Jobgarantie für die Mitarbeiter gab er allerdings nicht ab. Er deutete an, dass ähnlich wie bei Opel existierende oder neue Modelle bei der Produktion auf PSA-Plattformen umgestellt werden könnten: „Wenn wir jüngere Fiat-Modelle brauchen, haben wir die richtigen Werkzeuge dafür.“

    Bei Opel sieht Tavares keinen speziellen Handlungsbedarf. Wie bei allen anderen Marken bestehe aber auch hier der permanente Zwang, sich an einen wettbewerbsintensiven Markt anzupassen. „Eine Auszeit gibt es nicht“, warnte der Stellantis-Chef. Der neue Corsa verkaufe sich hervorragend. Ob aber die Vauxhall-Produktion in Großbritannien fortgeführt werde, das müsse in den nächsten Wochen entschieden werden. Da die britische Regierung ab 2030 keine Verbrenner mehr zulasse, stehe die Sinnhaftigkeit der Vauxhall-Werke infrage.

    Fünf Milliarden Euro an Synergien sollen die fusionierten Unternehmen schaffen – einen großen Teil durch „Einkauf und Produktion“, kündigte Tavares an. Seine Chinastrategie, wo weder PSA noch FCA relevante Stückzahlen absetzen, überdenke Stellantis gerade. „Wir schließen keine Möglichkeit aus“, sagte Tavares.

    Der Frage nach dem echten Entscheidungszentrum des neuen Konzerns wich er aus: Die Zentrale sei in Amsterdam. Dort befindet sich allerdings nur der formale Firmensitz. Auch die PSA- und FCA-Sitze in Paris und London bestehen fort.

    Tavares äußert sich kritisch zur Elektromobilität

    Nach dem Auslaufen der von Tesla erworbenen Emissionszertifikate Ende 2022 werde Fiat kein Problem mit der Einhaltung der europäischen CO2-Normen haben, versprach der 62-Jährige. Derzeit können hohe Strafzahlungen nur vermieden werden, weil FCA für einen Milliardenbetrag Verschmutzungsrechte vom Elektroautopionier erworben hat.

    Tavares gab aber zu erkennen, dass Stellantis anders als Renault ein erhebliches Kostenproblem bei Elektroautos hat, und rief indirekt nach dauerhaften Subventionen für die E-Mobilität. „Elektroautos führen zu höheren Kosten und sind für die Mittelklasse noch nicht erschwinglich. Entweder senken die Hersteller ihre Marge – dann gibt es wirtschaftliche Probleme –, oder wir finden einen anderen Weg“, argumentierte der Manager. In der Vergangenheit hatte er die EU-Emissionsnormen scharf kritisiert und der EU vorgeworfen, die Autoindustrie in Gefahr zu bringen.

    Tavares warf zudem die Frage auf, ob Elektromobilität wirklich der Weisheit letzter Schluss sei: „Auch die NGOs sehen jetzt, dass man nicht nur den Verbrauch, sondern den ganzen Lebenszyklus betrachten muss, inklusive der Umweltbelastung, die mit der Herstellung und dem Recycling von Batterien verbunden ist.“

    Man müsse sich fragen, „ob Elektroautos der beste Weg zu Nullemissionen sind“. Wenn die Regierungen das wollten, müssten sie das resultierende wirtschaftliche Problem lösen. „Die Staaten entscheiden, wir stellen nur die Technologie und die Produktion bereit.“

    Alle 14 nun bestehenden Marken will Tavares fortführen. Ob allerdings Peugeot künftig auch in den USA verkauft wird wie einst geplant, das sei noch nicht entschieden. Der CEO deutete eine negative Antwort an, indem er darauf verwies, dass Peugeot eine starke Position in Europa und Afrika habe.   

    Finanzchef von Stellantis wird Richard Palmer, der bislang diese Funktion bei FCA ausübte. Im Topmanagement des neuen Unternehmens überwiegen Franzosen, die vorher bei PSA tätig waren oder von FCA kommen. Doch auch ein Deutscher ist dabei: Harald Wester wird Chief Engineering Officer. Er kommt von Maserati.

    Die Sportwagenschmiede führt Stellantis als einzige Marke im Luxussegment. DS wird mit Alfa und Lancia in der Premiumkategorie eingeordnet, Opel mit Peugeot in der „gehobenen Mittelklasse“. Fiat und Citroën gelten lediglich als sogenanntes Kernsegment.

    Mehr: Carlos Tavares übernimmt Leitung des transatlantischen Autokonzerns Stellantis

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