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Autoindustrie Toyota erwartet deutlichen Gewinneinbruch

Viele Autohersteller haben in der Coronakrise ihren Ausblick kassiert. Toyota wagt einen Blick in die Zukunft – und erwartet einen massiven Einbruch.
12.05.2020 - 11:26 Uhr Kommentieren
Der japanische Autoriese Toyota schreibt selbst in der Coronakrise Gewinne. Quelle: AFP
Akio Toyoda

Der japanische Autoriese Toyota schreibt selbst in der Coronakrise Gewinne.

(Foto: AFP)

Tokio Toyota-Chef Akio Toyoda will in der Coronakrise ein Versprechen erfüllen. Als er 2009 nach der Weltfinanzkrise Japans größten Autobauer mit vier Milliarden Euro Verlust übernahm, schwor er eines: Er wollte sein Unternehmen so flexibel trimmen, dass es auch eine ähnliche Krise ohne Verluste überstehen kann. Am Dienstag zog er nun auf Toyotas Bilanzpressekonferenz für das Ende März abgelaufene Bilanzjahr 2019 eine positive Bilanz nach elf Jahren Reform.

Es sei an der Zeit, seinen Angestellten zu danken, sagte der Enkel des Konzerngründers. Niemand sei in Panik. „Obwohl wir einen stärkeren Fall als während der Finanzkrise erleben, können wir Gewinne erzielen und Investitionen in die Zukunft tätigen“, so Toyoda. Die Krise wird damit für ihn „zum Startpunkt für einen neuen Toyota-Konzern“. Darunter versteht Toyoda den Wandel von einem Autobauer zu einem vernetzten Mobilitätskonzern, der auch künstliche Intelligenz und Robotik umfasst.

Tatsächlich sticht Toyota schon mit seiner Gewinnprognose in Japans Industrie hervor. Viele Konzerne, auch Konkurrent Honda, schrecken wegen der unsicheren Aussichten der Pandemie vor Prognosen zurück. Toyota sagt nun voraus, dass der Absatz um 15 Prozent auf 8,9 Millionen Autos und der Betriebsgewinn um 80 Prozent auf 500 Milliarden Yen (4,3 Milliarden Euro) fallen werden. Die im Branchenvergleich stets hohe Gewinnmarge von Toyota werde auf 2,1 Prozent einbrechen – nach 8,2 Prozent im Vorjahr.

An der Börse wurde Toyodas Mut zu einer Prognose zwar nicht sofort belohnt. Der Aktienkurs des Konzerns sank nach der Veröffentlichung der Zahlen um zwei Prozent auf 6527 Yen. Aber Takaki Nakanishi, der Gründer von Nakanishi Automotive Industry Research, hebt hervor: „Es ist lobenswert, dass das Unternehmen seinen Plan für das laufende Geschäftsjahr bekannt gegeben hat, obwohl sich die Automobilindustrie in einer sehr schwierigen Situation ohne Zukunftsperspektiven befindet.“

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    Das Unternehmen will damit vor allem seiner Belegschaft, seinen Zulieferern und Händlern weltweit eine Richtschnur bieten, erklärte Toyota. Aber Nakanishi erkennt auch eine Botschaft an die Anleger: „Trotz der konservativen Prämisse wird Toyota keinen Betriebsverlust verzeichnen und die Dividende wird stabil sein.“

    Toyota startet mit hohen Gewinnen in die Krise

    Derzeit will Toyota lediglich seine üblichen Aktienrückkäufe streichen, um Geld für Investitionen in seine Zukunft zu sichern. Denn die will der Konzern in diesem Jahr nur um drei Prozent auf 11,6 Milliarden Euro senken. Das ist aber immer noch mehr als 2017.

    Eines der Projekte, bei denen Konzernchef Toyoda sogar noch aufs Gaspedal treten will, ist die smarte Modellstadt „Woven City“, die der Autobauer mit Partnern auf einem alten Fabrikgelände am Nationalberg Fuji bauen will. Für Toyoda ist die Stadt nicht nur ein Freiluftlabor für neue Toyota-Konzepte wie Mobilität, vernetztes Leben, Robotik und künstliche Intelligenz. Das Projekt steht auch für Toyodas Idee, das Unternehmen durch Allianzen zu einem Teil einer größeren Bewegung zu machen.

    Möglich wird Toyodas Zuversicht zum einen durch den bisherigen Erfolg. Anders als die Lokalrivalen Honda und Nissan startet Toyota mit einer gesunden Bilanz in die Krise. Absatz, Umsatz und Gewinne sanken zwar leicht um etwa ein Prozent. Denn in Toyotas letztem Quartal (Januar bis März 2020) drückte die Coronakrise bereits den Reingewinn um über drei Milliarden Euro und den Betriebsgewinn um 1,4 Milliarden Euro. Aber bei einem Umsatz von 29.930 Milliarden Yen (257,4 Milliarden Euro) und einem Betriebsgewinn 2443 Milliarden Yen und (21,1 Milliarden Euro) blieb die Gewinnmarge immer noch stabil bei 8,2 Prozent.

    Zum Vergleich: Hondas Umsatz sackte wegen Wechselkursverlusten und den Anfängen der Coronakrise um sechs Prozent auf 14.931 Milliarden Yen (128,4 Milliarden Euro) und der Betriebsgewinn 12,8 Prozent auf 633 Milliarden Yen (5,4 Milliarden Euro) ab.

    Zwischen Januar und März erlitt Honda sogar einen Betriebsverlust von 5,6 Milliarden Yen (48 Millionen Euro), während Toyotas Gewinnmarge lediglich auf 5,4 Prozent nachgab. Nissan hat seine Bilanzpressekonferenz auf den 28. Mai verschoben. Aber es droht ein Verlust. Das Unternehmen hat bereits angekündigt, dass der Betriebsgewinn die vorhergesagten 65 Milliarden Yen um 120 bis 130 Milliarden Yen untertreffen könnte. Und sollte das eigene Geld knapp werden, hat der Autobauer seine Banken bereits um eine Kreditlinie von mehr als acht Milliarden Euro gebeten.

    Toyota setzt auf eine langsame Erholung der Produktion

    Außerdem erwartet Toyota eine Erholung der Märkte. Im laufenden Quartal hoffen die Japaner, wieder 60 Prozent der Vorjahresproduktion auszustoßen. Für das dritte Quartal des Kalenderjahres kalkuliert Toyota mit 80 und für das vierte Jahresviertel mit 90 Prozent. Und drittens stellt Toyota in der Krise nicht nur Projekte, sondern auch gewohnte Arbeitsweisen auf den Prüfstand, um Kosten zu senken.

    Die massenhafte Einführung von Telearbeit und das Reiseverbot bringen Konzernchef Toyoda auf ganz neue Ideen. So habe er festgestellt, dass sich zum einen die Zahl der produzierten Dokumente durch die Videokonferenzen halbiert habe. Gleichzeitig trifft er nun virtuell weltweit weitaus mehr Gesprächspartner als früher durch seine Geschäftsreisen.

    Doch er fordert seine Belegschaft und Partner nicht nur auf, die Krise als Gelegenheit zum Reformieren zu sehen, sondern auch zum Nachdenken über die Beziehungen zwischen Menschen und mit der Natur. „Unternehmen und Menschen sollten ernsthaft darüber nachdenken, wie sie leben – und dann ihr Verhalten ändern“, sagte Toyoda. „Es könnte sein, dass uns eine große Chance gegeben wurde. Und sie könnte unsere letzte sein.“

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