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Autoindustrie Toyota hat die CO2-Ziele so gut wie erfüllt

Toyota bietet noch kein reines Elektroauto an, doch hält das Unternehmen die CO2-Vorgaben der EU ein. Die Produktion des Yaris in Nordfrankreich zeigt, was die Japaner besser machen.
07.08.2020 - 16:49 Uhr Kommentieren
Die Japaner erfüllen die CO-Vorgaben der EU schon heute. Quelle: Stefan Menzel
Toyota

Die Japaner erfüllen die CO-Vorgaben der EU schon heute.

(Foto: Stefan Menzel )

Valenciennes Der Zugang zum Werk ist klar reglementiert: Nur mit der Maske ist das Betreten gestattet. Außerdem wird die Körpertemperatur bei jedem einzelnen Mitarbeiter und jedem Besucher gemessen. Auch in der Produktion gehört die Maske in Corona-Zeiten heute zum Standard.

Ob in der Montage oder in der Fahrzeugabnahme – jeder der gut 4000 Beschäftigten des Toyota-Werks im nordfranzösischen Valenciennes muss eine Maske tragen. Weil die körperliche Arbeit damit anstrengender geworden ist, hat der Autokonzern in der Produktion nach jeder Stunde eine neue zehnminütige Pause eingeführt.

Das Werk nahe der Grenze zu Belgien ist einer von acht Standorten, an denen der Toyota-Konzern in Europa produziert. Valenciennes stellt seit bald 20 Jahren den Kleinwagen Yaris her. Ein Auto, das sich gegen Konkurrenten wie den VW Polo, den Renault Clio oder den Opel Corsa behaupten muss. Toyota hat die Produktion Anfang Juli auf die vierte Modellgeneration umgestellt – mitten in der Coronakrise.

„Alles bei uns war schon auf die Umstellung auf den Yaris 4 vorbereitet“, erzählt der stellvertretende Werkschef Jean-Christophe Deville, „dann kam Corona“. Valenciennes sei Mitte März als erstes europäisches Autowerk wegen der Pandemie geschlossen worden. Sechs Wochen später habe es dann nach einigen Umbauten und zusätzlichen Sicherheitsvorkehrungen langsam wieder losgehen können.

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    Toyota glaubt, dass die Corona-bedingte Zwangspause dem Kleinwagen keinen dauerhaften Schaden zugefügt hat. Der japanische Autokonzern hält an seiner Planung fest, dass im Norden Frankreichs in diesem Jahr rund 300.000 Exemplare vom Yaris von den Bändern laufen können.

    Hybrid ist Kern der Toyota-Philosophie

    Dazu trägt auch bei, dass im Werk Valenciennes so etwas wie relative Normalität herrscht: Dort wird wieder rund um die Uhr in drei Schichten gearbeitet. Toyota-Manager Deville ist deshalb davon überzeugt, dass sich der Rückstand aus dem Frühjahr recht problemlos aufholen lässt. Auch das Kundeninteresse am Yaris entwickle sich in die richtige Richtung. „Die Nachfrage ist stark“, sagt er. In Deutschland wird der neue Yaris von Herbst an verkauft.

    Das soll sich nach den Toyota-Plänen auch positiv auf die Beschäftigungsentwicklung auswirken. Ende 2019 hatte das Werk in Valenciennes knapp 3300 Stammarbeitskräfte. Ende dieses Jahres sollen es – trotz Corona – rund 3600 Beschäftigte sein. Rund 1000 Zeitarbeiter kommen außerdem noch dazu. Für den Wechsel auf die neue, vierte Modellgeneration des Yaris hat Toyota in Valenciennes rund 300 Millionen Euro investiert. Seit dem Bau der Fabrik vor 20 Jahren hat der japanische Konzern dort etwa 1,5 Milliarden Euro ausgegeben.

    Am Fließband in Valenciennes herrscht Maskenpflicht. Quelle: Stefan Menzel
    Toyota Produktion

    Am Fließband in Valenciennes herrscht Maskenpflicht.

    (Foto: Stefan Menzel )

    Mit seiner Antriebsphilosophie unterscheidet sich Toyota in einem wichtigen Punkt von vielen Wettbewerbern: Der japanische Konzern hat schon vor 20 Jahren die ersten Hybrid-Modelle ausgeliefert und den Doppelantrieb mit Verbrenner- und Elektromotor zum Standard gemacht. In Europa verkauft der japanische Konzern etwa jedes zweite Auto in der Hybrid-Version.

    „Der Hybrid ist auch für den Yaris ein wichtiges Rückgrat“, ergänzt Jean-Christophe Deville. Toyota beweise damit, dass sich der Doppelantrieb auch bei einem Kleinwagen lohne. Das habe sich schon beim Vorgängermodell Yaris 3 gezeigt und werde sich jetzt auch bei der vierten Modellgeneration wiederholen. Seit dem Jahr 2012 verkauft Toyota seinen Kleinwagen auch in einer Hybrid-Version.

    Die Hybride verschaffen Toyota einen entscheidenden Vorteil, um die neuen und verschärften europäischen Emissionsvorgaben zu erfüllen. Nach Angaben des Londoner Analysehauses Jato Dynamics lag der durchschnittliche Kohlendioxid-Ausstoß je gefahrenen Kilometer bei Toyota schon im vergangenen Jahr bei 97,5 Gramm. „Wir sind auf einem guten Weg, das von der EU-Kommission gesetzte Ziel von 95 Gramm zu erreichen“, unterstreicht Matt Harrison, Vize-Chef von Toyota Motor Europe.

    Kein anderer Autohersteller liegt so nahe an der neuen EU-weiten Vorgabe von 95 Gramm, die von diesem Jahr an gilt. Die meisten anderen europäischen Autohersteller lagen Ende 2019 noch bei einem Durchschnittswert von 120 Gramm und höher. Um auf die neuen EU-Vorgaben zu kommen, brauchen viele europäische Autohersteller in diesem Jahr nicht mehr nur neue Hybride, sondern verstärkt rein elektrische Modelle. Denn mit reinen E-Autos lassen sich die Flottenverbräuche noch stärker senken als mit Hybrid-Antrieben.

    25 Gramm weniger CO2-Emission als ein Benziner

    „Toyota ist der einzige große Hersteller, der seine Emissionswerte von Jahr zu Jahr verbessert hat“, sagt Felipe Munoz, Automobilanalyst bei Jato Dynamics. So habe der Durchschnittswert bei Toyota 2015 bei 107,6 Gramm gelegen und 2018 seien es 99,9 Gramm gewesen. Diese Entwicklung sei durch eine kontinuierliche Steigerung des Hybrid-Anteils möglich geworden. 2011 habe der Anteil der Teilzeitstromer in Europa bei Toyota gerade einmal elf Prozent erreicht. Der Kohlendioxid-Ausstoß eines Hybrid-Modells sei um etwa 25 Gramm niedriger als bei einem reinen Benziner.

    Bis zum Jahr 2030 will die EU-Kommission die Emissionsvorgaben noch weiter verschärfen. Dann sollen die Autos um etwa 30 Prozent sauberer werden. Jato-Dynamics-Analyst Munoz deutet an, dass sich dann auch Toyota etwas Neues einfallen lassen müsse. Mit Hybrid-Modellen allein seien die dann um ein weiteres Mal verschärften Vorgaben nicht mehr zu erfüllen. Deshalb hat Toyota auch mit der Entwicklung rein batteriegetriebener Elektromodelle begonnen.

    Das Hybrid-Modell soll auch in der Neuauflage ein Erfolg werden. Quelle: Stefan Menzel
    Produktion des Toyota Yaris in Valenciennes

    Das Hybrid-Modell soll auch in der Neuauflage ein Erfolg werden.

    (Foto: Stefan Menzel )

    Der neue Yaris aus Valenciennes wird allerdings nicht mehr als die Hybrid-Variante bekommen. „Es gibt keine Pläne für reine E-Autos“, sagt Toyota-Manager Deville. Die Kosten spielen für den japanischen Autokonzern dabei wahrscheinlich die wichtigste Rolle. Reine Elektroautos sind teuer. Bei einem Kleinwagen lohnen sich der Aufwand und die Entwicklungskosten nur selten.

    Außerdem muss Toyota besonders in Europa auf die Kosten achten. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2019/20 (zum 31. März) betrug die operative Rendite des Autogeschäfts im gesamten Konzern rund 7,6 Prozent. In Europa liegt Toyota mit etwa 4,4 Prozent deutlich darunter. Insgesamt spielt Europa für den japanischen Autokonzern mit einem Jahresabsatz von etwa einer Million Fahrzeugen nur eine untergeordnete Rolle. Weltweit verkauft Toyota fast elf Millionen Autos. Viel bedeutender sind der japanische Heimatmarkt und Nordamerika.

    Mehr: Toyota erwartet deutlichen Gewinneinbruch.

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