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Autoindustrie Unruhe bei VW: Kann sich Diess bei der Vergabe von Vorstandsposten durchsetzen?

Bei Volkswagen bahnt sich eine neue Führungskrise an. Konzernchef Diess kommt bei wichtigen Personalentscheidungen bislang nicht voran.
25.11.2020 Update: 25.11.2020 - 17:25 Uhr Kommentieren
Der Automanager braucht Rückhalt für die Besetzung wichtiger Vorstandsposten. Quelle: dpa
Volkswagen-Konzernchef Herbert Diess

Der Automanager braucht Rückhalt für die Besetzung wichtiger Vorstandsposten.

(Foto: dpa)

Wolfsburg Eigentlich sollte in Wolfsburg nach der großen Aufregung vom Sommer alles in Ordnung sein. VW-Vorstandschef Herbert Diess musste sich damals entschuldigen, weil er sich allzu missfällig über einige Aufsichtsräte geäußert hatte und deshalb fast seinen Job verloren hätte. In den Wochen danach blieb es ruhig, die Wogen schienen sich geglättet zu haben.

Doch es war scheinbar nur ein Burgfrieden: Am Konzernsitz in Wolfsburg bahnt sich eine neue Auseinandersetzung an. Wieder einmal geht es um einen offen ausgetragenen Konflikt zwischen Konzernchef Diess und seinem einflussreichen Gegenüber auf der Arbeitnehmerseite, dem Betriebsratsvorsitzenden Bernd Osterloh.

Der Streit dreht sich um die Wiederbesetzung frei gewordener Posten im Konzernvorstand. Anfang Juni hatte sich der damalige Einkaufschef Stefan Sommer vorzeitig aus Wolfsburg verabschiedet und den laufenden Drei-Jahres-Vertrag nicht mehr erfüllt. Finanzvorstand Frank Witter sprang ein und sollte den Posten für eine Übergangszeit mit übernehmen.

Der zweite zentrale Konfliktpunkt ist die künftige Besetzung des Finanzressorts. Witter hatte bereits im Februar angekündigt, dass er sich Mitte 2021 nach fast sechs Jahren auf dem Posten in den Ruhestand zurückziehen wolle. Der Manager gilt als der strenge Kassenwart in Wolfsburg. Konzernchef Diess würde die Nachfolge in diesem wichtigen und zentralen Ressort gern möglichst schnell klären, heißt es dazu in Unternehmenskreisen.

Mehrere Kandidaten werden in Wolfsburg bereits gehandelt. Immer wieder fällt dabei der Name Arno Antlitz, im Moment Audi-Finanzvorstand in Ingolstadt und davor viele Jahre Finanzchef der Marke Volkswagen Pkw. Als weiterer Kandidat gilt Christian Dahlheim, aktuell Chef des Konzernvertriebs.

Antlitz ist der Favorit von Konzernchef Diess. Gemeinsam sehen sie sich als Vorreiter für mehr Kostenbewusstsein und höhere Produktivität. Das wiederum löst Widerstand auf der Arbeitnehmerseite aus, die Antlitz ablehnt. Als Finanzchef der Marke VW hatte Antlitz häufiger Auseinandersetzungen mit Osterloh.

Unterschiedlich sind die Darstellungen beider Seiten, wer dafür verantwortlich ist, dass die beiden freien Vorstandsposten noch nicht besetzt sind. In Unternehmenskreisen wird die Arbeitnehmerseite dafür verantwortlich gemacht. Offiziell will sich der Konzern dazu nicht äußern.

Betriebsratschef Bernd Osterloh widersprach den Vorwürfen. „Diesen Streit kenne ich nicht“, schrieb er am Mittwoch im Karrierenetzwerk LinkedIn. Bislang habe sich mit den Personalien kein einziges Aufsichtsratsgremium befasst. Er sei zuversichtlich, dass die Kontrolleure die richtige Wahl treffen werden, „wenn es dann so weit ist“.

Angeblich gibt es Probleme mit den Familien Porsche und Piëch, dem wichtigsten Eignerkreis im VW-Aufsichtsrat. Diess sei mit mehreren potenziellen Vorstandskandidaten bei den Familien vorstellig geworden – erfolglos, heißt es dazu in Konzernkreisen. „Diess hat ein massives Thema in Salzburg“, sagte ein VW-Manager. Die Familienvertreter leben zum überwiegenden Teil in der österreichischen Stadt.

Offiziell kommt aus Salzburg jedoch Unterstützung für den Konzernchef. „Die Familie steht geschlossen hinter Diess“, sagte ein Sprecher. Allerdings müsse in der Frage der freien Vorstandsposten nicht übereilt gehandelt werden. Es reiche aus, wenn der Aufsichtsrat im nächsten Frühjahr eine Entscheidung treffe.

Rückendeckung erhält Diess am Kapitalmarkt. In Finanzmarktkreisen und unter Investoren gilt er als derjenige, der den VW-Konzern auf ein strengeres Kostenbewusstsein und zu mehr Sparsamkeit dränge.

Arndt Ellinghorst vom US-Investmenthaus Bernstein, einer der einflussreichsten Autoanalysten in der Finanzszene, forderte in einem offenen Brief an die Eigentümerfamilien ein Machtwort. Im Sommer sei Diess’ Position bedeutend geschwächt worden, weil er im Streit mit dem Aufsichtsrat auch den Chefposten bei der Marke Volkswagen Pkw verloren hatte. Falls Diess noch die volle Unterstützung der Porsche-Piëch-Seite habe, müssten sich die Familien offen zum VW-Chef bekennen.

Ein Familiensprecher lehnte eine Stellungnahme dazu ab. Auch eine vorzeitige Vertragsverlängerung für Herbert Diess sei im Moment kein Thema. Die Volkswagen-Aktie war am Mittwoch mit einem Minus von fast drei Prozent der große Verlierer im Dax.

Mehr: Porsche SE schreibt wieder Gewinne – Eignerfamilien profitieren von der VW-Erholung

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