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Autoindustrie Warum BMW seine Elektroantriebe mit der Konkurrenz teilt

Trotz erheblicher Bedenken arbeitet BMW bei der E-Mobilität mit Jaguar und Land Rover zusammen. Aus Sicht von Experten war der Schritt überfällig.
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Die Münchener brauchen hohe Stückzahlen. Quelle: Reuters
BMW i3

Die Münchener brauchen hohe Stückzahlen.

(Foto: Reuters)

London, MünchenDer BMW-Konzern stellt eine wichtige Weiche für seine künftige Elektrostrategie. Am Mittwoch verkündeten die Münchener eine Kooperation mit dem britischen Autohersteller Jaguar Land Rover (JLR) zur Entwicklung von zukünftigen Elektroantrieben. Beide Unternehmen wollen bei Antrieben der sogenannten fünften Generation zusammenarbeiten.

Dieser Technologiesprung soll sowohl die Herstellungskosten senken als auch die Reichweite der Stromautos erhöhen. Beide Konzerne erhoffen sich von der neuen Antriebsgeneration den Durchbruch im Massengeschäft – ohne die hohen Entwicklungskosten alleine stemmen zu müssen.

„Die Automobilindustrie durchläuft eine tief greifende Transformation“, erklärte BMW-Entwicklungsvorstand Klaus Fröhlich. „Wir betrachten Kooperationen als einen Schlüssel für Erfolg – auch im Bereich der Elektrifizierung.“ In Großbritannien sieht man das genauso: Man müsse branchenweit zusammenarbeiten, um neue Technologien weiterzuentwickeln“, sagte JLR-Technikvorstand Nick Rogers.

Die Kooperation soll die finanziellen und technischen Risiken unter Kontrolle halten. Denn neben den Elektroantrieben müssen die Autohersteller auch die konventionellen Benzin- und Dieselmotoren weiterentwickeln, um die verschärften Abgasanforderungen zu erfüllen.

Da gleichzeitig der Absatz in Europa, den USA und China schleppender läuft als in den Vorjahren, brechen die Erlöse ein. Die Folge ist eine branchenweite Konsolidierung: Ende Mai hatte Fiat Chrysler verkündet, mit Renault fusionieren und damit zum weltweit drittgrößten Autohersteller aufsteigen zu wollen.

So weit geht man bei BMW und Jaguar Land Rover nicht. BMW ist trotz zweier Gewinnwarnungen weiter hochprofitabel und verfügt mit der Familie Quandt über einen stabilen Großaktionär. Akquisitionen sind nach der katastrophalen Übernahme von Rover in den 90er-Jahren tabu. Jaguar Land Rover ist hochdefizitär, hat mit dem indischen Tata-Konzern aber ebenfalls einen langfristig orientierten Eigentümer.

Die Gegner heißen Porsche und Audi

Diese Kooperation ist jedoch keine auf Augenhöhe: Da die Deutschen ungefähr viermal so groß sind wie JLR und über deutlich mehr Entwicklungsressourcen verfügen, wird die neue Allianz von München aus gesteuert. Ein gemeinsames Team von Experten soll im Forschungs- und Entwicklungszentrum die von BMW entwickelte fünfte Generation der Elektro-Flachspeicher, Elektromotoren und der Leistungselektronik weiterentwickeln. Doch die Vorgaben macht BMW.

Gefertigt werden die Antriebe nach Marken getrennt in Dingolfing und in der Nähe von Birmingham. Durch die Zusammenarbeit wollen die beiden Autohersteller bei Entwicklung, Produktion und im Einkauf sparen. Trotzdem beteuerten beide Seiten, „ihren jeweiligen markenspezifischen Kern zu erhalten“.

Für die nächsten Stufen der Elektrifizierung fehlen Geld und Ressourcen. Quelle: Reuters
Jaguar I-Pace

Für die nächsten Stufen der Elektrifizierung fehlen Geld und Ressourcen.

(Foto: Reuters)

Der BMW-Vorstand hat sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. Denn für Jaguar Land Rover ist die Partnerschaft viel wichtiger als für die Münchener. Zwar haben die Briten mit dem iPace bereits ein Elektro-SUV auf dem Markt, doch für die nächsten Stufen der Elektrifizierung fehlen JLR das Geld und die Ressourcen.

Im BMW-Vorstand wurde deshalb intensiv über die Frage diskutiert, ob man dem Konkurrenten aus der Klemme helfen soll. Doch BMW muss mächtigere Konstellationen fürchten. So entwickelt der Rivale Audi gemeinsam mit Porsche eine Elektroplattform (PPE) für die Oberklasse, die mit Blick auf Stückzahlen und Kosten BMW gewaltig unter Druck setzen dürfte. Mit Jaguar und Land Rover könnten die Münchener diese strategische Lücke schließen.

Aus Sicht des Autoexperten David Bailey von der Universität Birmingham war eine solche Vereinbarung zwischen den Autokonzernen deshalb „lange überfällig“. Beide Unternehmen seien im Verhältnis zu anderen Unternehmen der Branche relativ klein und stünden vor den gleichen Herausforderungen, erklärt er und verweist auf „hohe Kosten, die durch Investitionen in Forschung und Entwicklung für die Elektrifizierung, das automatisierte Fahren und die Vernetzung notwendig“ würden.

BMW und JLR seien in vergleichbaren Marktsegmenten tätig, sodass sie die gemeinsam entwickelten Technologien auch beide einsetzen könnten. „Aus meiner Sicht ist das sehr sinnvoll“, zieht Bailey ein Fazit. Es sei damit zu rechnen, dass weitere Automobilhersteller diesem Beispiel folgen würden.

Jaguar Land Rover schreibt rote Zahlen

Tatsächlich steckt JLR in einer tiefen Krise: Für das im März zu Ende gegangene Geschäftsjahr musste der größte britische Autohersteller einen Verlust in Höhe von 3,6 Milliarden Pfund (umgerechnet rund 4,1 Milliarden Euro) vor Steuern verbuchen. Grund dafür waren zwar nicht zuletzt milliardenhohe Abschreibungen, aber auch Absatz und Umsatz waren deutlich zurückgegangen.

Das in Großbritannien ansässige Unternehmen mit indischen Eigentümern von Sport- und Geländewagen befindet sich gerade im Zentrum „eines perfekten Sturms“, wie Autoexperten sagen: Der bevorstehende Brexit, der Dieselskandal und schwache Absatzzahlen in China belasten das Unternehmen.

Angesichts dessen hatte JLR sich ein Sparprogramm verordnet: Bis 2020 sollen weltweit 4500 Stellen abgebaut werden – zusätzlich zu den Entlassungen, die bereits in den letzten Jahren durchgeführt wurden. Das Sparprogramm soll helfen, Geld für notwendige Investitionen bereitzustellen, etwa in den Aufbau eines Motorenwerkes in Wolverhampton, das elektrische Antriebe produzieren soll. In Zukunft will JLR verstärkt auf Elektroantriebe setzen.

Aus Sicht von Experten ist der Schritt dringend geboten. Noch ist JLR stark abhängig von der Nachfrage nach Autos mit herkömmlichen Antrieben, besonders nach Dieselfahrzeugen, die sich derzeit weltweit schlecht verkaufen.

Das sowie seine wiederholten Warnungen vor den Folgen des Brexits führten dazu, dass JLR-Chef Ralf Speth sogar schon von Boris Johnson angefeindet wurde, der nach dem Rücktritt von Premierministerin Theresa May nächster Regierungschef von Großbritannien werden könnte. Er sei sich nicht sicher, ob Speth mehr von der Autobranche verstehe als er, sagte der konservative Politiker in einer britischen Radioshow.

Mehr: Mercedes und BMW planen, Mobilitätsdienste und autonomes Fahren gemeinsam zu entwickeln. Der Pakt der Autokonzerne könnte bahnbrechend sein.

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