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Autoindustrie Was sich Fiat und Peugeot von der Fusion versprechen

Gemeinsam wollen die Hersteller eine „Ära nachhaltiger Mobilität“ prägen. Doch der chinesische Markt dürfte ihnen auch weiterhin Probleme bereiten.
18.12.2019 - 18:39 Uhr Kommentieren
PSA und Fiat fusionieren. Quelle: Bloomberg
Peugeot 308

PSA und Fiat fusionieren.

(Foto: Bloomberg)

München, Paris, Mailand, New York Wochenlang haben Dutzende Manager verhandelt, jetzt ist es fix: Der französische Autobauer Peugeot (PSA) und der italienisch-amerikanische Fiat-Chrysler-Konzern (FCA) fusionieren. Die Unternehmen unterzeichneten am Mittwoch ein sogenanntes „Binding Combination Agreement“ und besiegelten damit ihre 44 Milliarden Euro schwere Verschmelzung zum viertgrößten Fahrzeughersteller der Welt.

Der Chef des neuen Autogiganten ist geradezu verzückt ob der künftigen Perspektiven: „Unser Zusammenschluss ist eine enorme Chance, eine stärkere Position in der Autoindustrie einzunehmen, um den Übergang in eine Welt sauberer, sicherer und nachhaltiger Mobilität zu meistern“, erklärte PSA-Frontmann Carlos Tavares. Der gebürtige Portugiese mit französischem Pass ist überzeugt, „maximalen Erfolg zu erzielen“.

FCA-Chef Mike Manley assistiert: „Dies ist der Zusammenschluss von zwei Unternehmen mit unglaublichen Marken und einer erfahrenen und engagierten Belegschaft.“ Beide Konzerne hätten „härteste Zeiten hinter sich“ und wüssten Herausforderungen als Chancen zu nutzen.

Bei Opel in Deutschland wird der Zusammenschluss mit Skepsis gesehen. „Wir sind das kleinste Rad am Wagen“ – mit der Fusion von PSA und FCA würden „die Karten völlig neu gemischt“, konstatiert eine Opel-Führungskraft – und zwar eher zum Nachteil von Opel.

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    Auf einen Namen für die neue Gesellschaft haben sich PSA und FCA noch nicht geeinigt, aber der Sitz des Mutterkonzerns wird in den Niederlanden sein. Börsenplätze bleiben Paris, Mailand und New York. Vor Abschluss der Transaktion in zwölf bis 15 Monaten muss der Deal aber noch von Wettbewerbsbehörden freigegeben werden.

    Wird diese Hürde gemeistert, verantwortet CEO Tavares künftig ein Heer von 400.000 Mitarbeitern rund um den Globus, die in 120 Werken 8,7 Millionen Fahrzeuge von 16 unterschiedlichen Marken pro Jahr herstellen. Bei gemeinsamen Umsätzen von 170 Milliarden Euro summieren sich die Betriebsgewinne auf elf Milliarden Euro.

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    „Unserer Markenportfolio ist sehr wichtig“ sagte Tavares. Die Marken brächten ihre Geschichte und ihre Leidenschaft mit sich und diese sei eng mit dem Land verbunden, in dem sie produziert werden. „Die Marken werden in ihren Ländern bleiben“, stellte Tavares klar. „Die italienischen Marken werden in Italien bleiben, die französischen in Frankreich und die deutschen in Deutschland“.

    Die französische Politik lobt den Zusammenschluss. Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire twitterte: „Die Einigung von PSA/FCA ist eine gute Neuigkeit für Frankreich, für Europa und unsere Automobilindustrie.“ Auch die italienische Regierung begrüßte die Allianz. „Wir schätzen die neue Governance, mit der Arbeiter im Verwaltungsrat vertreten sein werden“, sagte Wirtschafts- und Finanzminister Roberto Gualtieri.

    In China ist keiner von beiden erfolgreich

    Positiv äußerten sich zudem einige Arbeiterführer. „Die Übereinkunft enthält Garantien für alle Werke und das Weiterlaufen der bereits beschlossenen Industriepläne“, hob etwa Marco Bentivogli hervor, Generalsekretär der großen italienischen Metallarbeitergewerkschaft Fim Cisl.

    Gemeinsam wollen PSA und FCA eine „neue Ära der nachhaltigen Mobilität“ gestalten. Im Hier und Jetzt hinken die Konzerne aber bei nahezu allen Zukunftstechnologien dem Wettbewerb hinterher. Ihr Zusammenschluss ist aus der Not geboren.

    Fiat-Chrysler ist ein stramm auf spritschluckende Pick-ups und SUVs ausgerichteter Verbrennerkonzern, der die immer strenger werdenden Vorgaben zum Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) nie und nimmer im Alleingang erreichen könnte. Um Milliardenstrafzahlungen etwa vonseiten der EU zu verhindern, flüchtet man sich in eine Schicksalsgemeinschaft mit PSA. Die Franzosen haben nicht nur emissionsärmere Diesel- und Benzinaggregate im Angebot, sondern vor allem einen Plan, wie sich die Flotten elektrifizieren lassen.

    PSA ist zwar prinzipiell für die Zukunft besser gerüstet als FCA, aber könnte solo ebenfalls schnell unter die Räder kommen. Zu abhängig ist der Konzern aus Rueil-Malmaison nahe Paris von einer einzigen Region. Mehr als 80 Prozent seiner Fahrzeuge verkauft PSA aktuell in Europa.

    Im Gespann mit FCA lässt sich dieses geografische Klumpenrisiko deutlich reduzieren, sind die Italoamerikaner doch in den USA eine Macht. Basierend auf den Geschäftszahlen für das Jahr 2018 würden die fusionierten Unternehmen 46 Prozent ihres Umsatzes in Europa erzielen und 43 Prozent in Nordamerika.

    Ein erhebliches Defizit ist China. Im weltgrößten Fahrzeugmarkt ist keiner der Konzerne erfolgreich. Und auch sonst sind die Probleme immens.

    Nach Berechnungen des Marktforschers LMC Automotive sind die Fabriken von PSA und FCA auf eine Produktion von jährlich 14 Millionen Fahrzeugen ausgelegt, also rund 40 Prozent mehr Einheiten, als die Konzerne derzeit verkaufen. Insbesondere in Europa sind die Überkapazitäten immens.

    Tavares lehnt Werksschließungen derzeit ab. Er will Synergieeffekte von 3,7 Milliarden Euro pro Jahr heben, etwa indem er Plattformen, Motorenfamilien und die Modellpalette zusammenstreicht. Branchenexperten sind dennoch überzeugt, dass der Manager harte Einschnitte vornehmen wird: „Der fusionierte Konzern muss massive Einsparungen erzielen und wahrscheinlich auch Werke schließen, auch wenn die Wortwahl des Konzernchefs anders lautet“, konstatiert Frank Schwope, Analyst bei der NordLB.

    Insbesondere bei Fiat in Italien ist die Angst vor dem Abbau von Jobs groß. Aber auch bei der deutschen PSA-Tochter Opel fürchtet man einen Kahlschlag. Am Opel-Stammsitz in Rüsselsheim steht das größte Entwicklungszentrum der Gruppe mit mehr als 4000 Ingenieuren. Sie arbeiten etwa daran, für alle PSA-Marken Plattformen für leichte Nutzfahrzeuge zu konzipieren. Doch im Geschäft mit Transportern hat Fiat eigentlich mehr Kompetenz.

    Mehr: Fiat Chrysler und die Opel-Mutter PSA leiden unter Absatzschwund, technischen Versäumnissen und schlecht ausgelasteten Werken. Ihr Zusammenschluss kann die Schwachstellen nicht beseitigen, meint Handelsblatt-Reporter Franz Hubik.

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