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Autoindustrie Wie der neue Chef Luca de Meo Renault wachrüttelt

Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt übt der Italiener Kritik am bisherigen Kurs des Autobauers. Er bereitet den Konzern auf große Veränderungen vor.
30.07.2020 - 13:15 Uhr Kommentieren
Der Manager begann seine Karriere bei Renault. Quelle: AFP
Luca de Meo

Der Manager begann seine Karriere bei Renault.

(Foto: AFP)

Seinen ersten Auftritt als neuer Renault-Chef hatte sich Luca de Meo wirklich anders vorgestellt. Die Konferenz mit Analysten und Journalisten am Donnerstag zur Vorstellung der miesen Halbjahresergebnisse wollte er seiner Stellevertreterin Clotilde Delbos überlassen. Eigentlich.

Doch angesichts des finanziellen Desasters, über das Frankreichs früher so erfolgreicher Autohersteller berichten muss, hat der Italiener sich in letzter Minute anders entschlossen. Und selbst das Wort ergriffen.

An Deutlichkeit lassen seine Aussagen nichts zu wünschen übrig. „Die Resultate, die wir heute bekanntgeben, sind ein erschreckender Weckruf“ sagte de Meo, der Anfang Juli von der VW-Tochter Seat kam und dann den Chefposten bei Renault übernommen hatte. Renault hat einen Verlust von 7,4 Milliarden Euro erlitten, fünf Mal so hoch wie der bisherige Negativrekord.

Die nahe liegende Ausrede, das liege vor allem am hohen Verlust von Nissan und natürlich an der Coronakrise, ließ der Chef nicht gelten: „Renault hatte bereits Fieber, als uns die Corona-Hitze getroffen hat“, gestand der 53-Jährige ein.

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    Bereits seit mehreren Jahren sei Renault auf dem Abstieg gewesen. „Mir gefällt die Art überhaupt nicht, in der wir auf dem Markt mitspielen“, kritisierte der Mann, der seit seiner Leistung bei Seat als einer der besten Automanager gilt. Und dann eine Ankündigung, halb Hoffnungsschimmer, halb Drohung: „In diesem Haus wird sich in den nächsten sechs Monate vieles ändern!“  

    Seine Vorgängerin und aktuelle Stellvertreterin Clotilde Delbos kann wohl nicht anders, als de Meos Kritik auch auf sich zu beziehen. Denn sie ist seit langen Jahren Finanzchefin des Unternehmens, hat den Kurs stets mitgetragen, der unter dem früheren Alleinherrscher Carlos Ghosn gefahren wurde. Damals ging es vor allem um Masse, nicht um Marge. Das kehrt de Meo jetzt um: „Wir werden das ganze System von Volumen auf Wert umstellen.“  

    Anerkennung für PSA

    Delbos Plan, die Kosten um zwei Milliarden Euro innerhalb von drei Jahren zu senken, lässt de Meo stehen, doch er will ihn ergänzt sehen um ein viel besseres Management der Preise und Margen. De Meo schreckt nicht einmal vor offener Häresie zurück, nämlich die Anerkennung für den Erzrivalen Peugeot-Citroën (PSA): „PSA macht eine großartige Arbeit.“ Dort hat der Portugiese Carlos Tavares – auch er fing bei Renault an – nicht nur die Kosten gesenkt, sondern dafür gesorgt, dass die Autos teurer verkauft werden.

    De Meo hat seine Karriere bei Renault begonnen, dann führte in sein Weg zu Fiat und seit 2015 arbeitete er bei Volkswagen, zunächst in der Zentrale, dann bei der spanischen Tochter Seat. Der vielsprachige Italiener – neben seiner Muttersprache und Englisch beherrscht er auch Deutsch, Französisch und Spanisch – pflegt einen offenen Umgangston, ist schnell beim Du, biedert sich aber nicht an.

    Seinen großen Plan für die Zukunft von Renault will er erst Anfang des nächsten Jahres vorstellen. 40 Personen arbeiten zurzeit in der Zentrale im französischen Boulogne-Billancourt daran. Sie kommen nicht nur aus dem Top-Management, sondern „aus allen Funktionen, allen Regionen, allen Ebenen der Gruppe“, so de Meo.

    Auf erfrischend zupackende Art schilderte er, was ihm nach vier Wochen im Unternehmen klar geworden sei: „Wir haben eine starke Position bei kleinen Autos, das soll auch so bleiben, aber unser Schwerpunkt muss höher liegen, wir müssen eine Schicht draufsetzen.“  Renault könne nicht überleben, wenn 70 Prozent des Umsatzes auf margenschwache Kleinwagen entfielen. Die Marke müsse zurück „ins Herz des Marktes“, in die Mittel- und gehobene Mittelklasse.

    Bei seinem ersten Auftritt hat de Meo klar gemacht, dass er der Chef ist und niemand sonst. In den vergangenen Wochen hatten Renault-Insider durchgestochen, dass Marken wie der Sportwagen Alpine oder der SUV Koleos vor dem Abschuss stünden. De Meo sagt am Donnerstag das Gegenteil: „Alpine ist ein Beispiel dafür, wie weit dieses Unternehmen gehen kann wenn es darum geht, Emotionen auszulösen.“ Für ihn gehören die flachen Sportflitzer zu den „Perlen“ der Gruppe.  

    De Meo kann Klartext reden, Probleme offen ansprechen, aber auch Stolz auf die eigene Leistung wecken. „Mich beeindruckt, welche Kreativität noch immer in diesem Unternehmen steckt“, sagte er anerkennend. Seine Kollegen stimmt er dennoch auf schwierige Monate ein: „Es wird hart, und wir müssen ein paar sehr hohe Stufen erklimmen.“  

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