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Autoindustrie Wo die deutschen Autobauer Defizite haben

Die Hälfte der Innovationen in der Branche stammt laut einer Studie aus Deutschland. Auf wichtigen Zukunftsfeldern hinken die Autobauer aber Tesla und Co. hinterher.
13.07.2020 - 17:40 Uhr Kommentieren
Die Autoindustrie entwickelt immer mehr Hochvolt-komponenten. Quelle: Continental
Antriebstechnik von Continental

Die Autoindustrie entwickelt immer mehr Hochvolt-komponenten.

(Foto: Continental)

Stuttgart Wenn es den Fahrer eines Porsche Taycan beim Katapultstart von null auf 100 Stundenkilometer in drei Sekunden so richtig in den Sitz drückt, dann spürt das der Magen, und der Kopf denkt: „Die deutsche Autoindustrie kann doch Elektromobilität. Was ist das Problem?“

Dazu liefert das Center of Automotive Management (CAM) weitere beeindruckende Zahlen. Insgesamt 55 Prozent aller weltneuen Innovationen in der Autoindustrie des zurückliegenden Jahres kommen aus dem Volkswagen Konzern, von Daimler und BMW, heißt es in der Untersuchung, die Autoprofessor Stefan Bratzel seit 15 Jahren erhebt und dem Handelsblatt nun vorgestellt hat. Im Jahr 2019 sorgten die globalen Automobilhersteller für insgesamt 1465 Innovationen, zehn Prozent mehr als im Vorjahr.

„Die deutschen Autohersteller besitzen insgesamt eine enorme Innovationsbreite in allen Technologiefeldern und Fahrzeugsegmenten“, sagt Bratzel. 36 Prozent der Innovationsstärke der gesamten Branche kommt von deutschen Automobilherstellern gefolgt von China (SAIC, BAIC, BYD) mit 23 Prozent. Die Autokonzerne aus den USA (GM, Ford, Tesla) folgen mit 13 Prozent. Es findet vor allem zwischen Deutschland und China ein intensiver Innovationswettlauf statt.

Auf ihren Lorbeeren können sich die deutschen Autobauer aber alles andere als ausruhen. „Es gibt in einigen zentralen Innovationsfeldern wie der reinen Elektromobilität sowie in den Software-intensiven Bereichen „Vernetzung“ und „autonomes Fahren“ relevante Defizite, die die Innovationsführerschaft mittel- und langfristig gefährden könnten“, befürchtet Studienleiter Bratzel. Die Kompetenzrückstände seien inzwischen identifiziert, aber der Aufholprozess werde noch dauern.

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    So schafft es bei den Topinnovationen im Elektroantrieb der Porsche Taycan nicht wegen seiner Beschleunigung in die Spitzengruppe, sondern der erste Elektrosportwagen aus Zuffenhausen überholt an der Tankstelle. Das neue mit 800 Volt betriebene Ladesystem kann laut Hersteller in 23 Minuten die Akkus zu 80 Prozent und damit für 400 Kilometer Reichweite laden.

    Grafik

    Weniger Gewicht durch dünnere Kabel, dadurch geringerer Bauraum, schnelles Laden und hohe Dauerperformance sind die Vorteile, die der Elektroflitzer aber nur auf die Straße bringt, wenn er eine Schnellladesäule findet. Das Schnellladenetz für 800 Volt befindet sich allerdings erst im Aufbau, während der große Elektrovorreiter Tesla bereits über ein flächendeckendes Netz verfügt.

    Bratzel schätzt den Vorsprung von Tesla bei der Elektromobilität auf rund drei Jahre. Tesla Gründer Elon Musk gibt das Tempo an, nicht zuletzt mit dem Bau der Giga-Factory in Brandenburg. Die Kalifornier sind in einigen relevanten Zukunftsbereichen weit vorn. Im vergangenen Jahr generierte Tesla trotz aktuell nur vier Serienmodellen sogar insgesamt am meisten Weltneuheiten – zwar nach den deutschen Herstellern, aber dafür in den künftig relevanten Technologien, wie Bratzel feststellt.

    Insgesamt stiegen die Neuerungen in der Elektromobilität im zurückliegenden Jahr auf einen Rekordwert von 184. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich deren Zahl um 82 Prozent erhöht. Damit werden erstmals 12,6 Prozent aller Innovationen des Jahres in der Elektromobilität generiert, was einen deutlichen Sprung im Vergleich zu den Steigerungsraten der Vorjahre markiert.

    Mahnung zur Kooperation

    Noch kritischer als die Wettbewerbssituation beim Elektroauto sieht Bratzel für die deutschen Hersteller das Thema Vernetzung und dabei insbesondere die zentrale Softwareplattform und damit das Betriebssystem des Autos. „Jeder macht da sein eigenes Ding. Das wird enorm schwer“, betont Bratzel.

    Tesla habe da mit einem zentralen Rechner, über den alles im Auto gesteuert wird, den überlegenen Standard für die Zukunft gesetzt. Internetgiganten wie Google oder auch Amazon drängen mit Software-Power, Macht und Kapital in dieses „Gehirn“ des zukünftigen Autos.

    „Die deutschen Autohersteller müssen da eng kooperieren auch mit den großen Zulieferern wie Bosch und Continental, um überhaupt ein konkurrenzfähiges System rechtzeitig zu erschaffen“, mahnt Bratzel. Die Verlockung gerade kleinerer Hersteller könnte groß sein, etwa gleich auf Android Automotive zu setzen. Sollte das besser funktionieren als die selbst geknüpften deutschen Systeme, könnte das für die deutsche Autoindustrie ein riesiges Problem werden. Bratzel verwies auf die Softwareprobleme beim neuen Elektroauto von Volkswagen.

    „Die Industrie stehe vor einem Paradigmenwechsel. „Es ist ein Big Bang, aus dem sich in den nächsten zehn bis 15 Jahren ein neues Mobilitätsuniversum mit völlig neuen Kräfteverhältnissen entwickeln kann.“

    Mehr: Stromstöße aus Niederbayern: BMW startet die Tesla-Jagd

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