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Autoindustrie Zierteile für Luxusautos: Zulieferer Novem sondiert Börsengang

Die Firma aus Bayern veredelt die Innenräume von Mercedes-, BMW- und Audi-Fahrzeugen. Nun wollen die Eigentümer, der C&A-Clan Brenninkmeijer, Kasse machen.
05.05.2021 - 15:15 Uhr Kommentieren
Für die Ausstattung der Premiumfahrzeuge ist viel Handarbeit nötig. Quelle: Novem
Mittelkonsole einer C-Klasse von Mercedes

Für die Ausstattung der Premiumfahrzeuge ist viel Handarbeit nötig.

(Foto: Novem)

München Der langsame Tod des Verbrennungsmotors bedeutet für viele traditionsreiche Autozulieferer herbe Einschnitte. Nicht so für Novem. Dem Spezialisten für Kfz-Zierteile kommen der Boom von Elektrofahrzeugen und das Auslaufen von Diesel und Benzinern sogar gelegen.

„Autos unterscheiden sich künftig nicht mehr an der PS-Zahl und der Größe des Auspuffs, sondern an anderen Faktoren wie dem Interieurdesign“, sagte Novem-Chef Günter Brenner dem Handelsblatt. Die Firma mit Sitz in Vorbach südlich von Bayreuth hübscht seit 1947 den Innenraum von Luxusautos wie der Mercedes S-Klasse auf. Novems Marktanteil im Premiumsegment liegt nach Schätzung von Analysten bei etwa 45 Prozent.

Die polierten Hölzer, Lederbezüge und geschliffenen Aluminiumteile der Bayern kommen in Türleisten, Mittelkonsolen oder Armaturenbrettern zum Einsatz. Und der Bedarf wird größer, glaubt Brenner: „Die Leute wollen Wohnraum im Auto.“

Tatsächlich konnte Novem seit Brenners Amtsantritt 2013 den Umsatz auf rund 650 Millionen Euro nahezu verdoppeln. Finanziert wurde dieses Wachstum bisher von Bregal. Die Beteiligungsgesellschaft der C&A-Gründerfamilie Brenninkmeijer hatte den Zulieferer vor rund zehn Jahren übernommen.

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    Nun wollen diese aber offenbar die Erträge der Aufbauarbeit einfahren. „Unser Eigentümer Bregal hat JP Morgan, Berenberg und die Commerzbank beauftragt, die Option eines Börsengangs zu untersuchen“, bestätigt Novem-Geschäftsführer Brenner.

    „Wir sind einer der profitabelsten Zulieferer überhaupt.“ Quelle: Novem
    Novem-Chef Günter Brenner

    „Wir sind einer der profitabelsten Zulieferer überhaupt.“

    (Foto: Novem)

    Ein finales Ergebnis gibt es zwar noch nicht, die Analyse der Banken laufe erst seit ein paar Wochen. Aber bei einem Verkauf könnte Novem mit bis zu 1,5 Milliarden Euro bewertet werden, heißt es in Finanzkreisen. Und Firmenchef Brenner hebt bereits eifrig die Stärken des Mittelständlers hervor: „Wir sind einer der profitabelsten Zulieferer überhaupt.“

    Tatsächlich erzielte Novem etwa im Geschäftsjahr 2018/19 eine Rendite im operativen Geschäft (Ebitda) von fast 19 Prozent. Zum Vergleich: Die durchschnittliche Ebitda-Marge von 600 Autozulieferern lag im gleichen Zeitraum laut einer Analyse von Roland Berger und der Investmentbank Lazard lediglich bei rund elf Prozent.

    Allerdings sackte zuletzt auch bei Novem die operative Gewinnspanne merklich ab, auf 12,5 Prozent. Unter dem Strich stand im Geschäftsjahr 2019/20 sogar ein Verlust von 42 Millionen Euro.

    Zwei Drittel des Umsatzes mit nur zwei Kunden

    „Das ist kein Grund zur Sorge“, versichert Brenner. Das Minus auf Konzernsicht ergebe sich schließlich durch bilanzielle Einmaleffekte. Hintergrund ist eine veränderte Kapitalstruktur infolge der Platzierung einer 400 Millionen Euro schweren Anleihe Mitte 2019. Novem musste daraufhin seine Vermögenswerte neu bewerten und fast 61 Millionen Euro abschreiben.

    Bei der Cash-Generierung im Tagesgeschäft zähle das Unternehmen aber nach wie vor „zu den Besten in unserer Branche“, sagt Brenner. Den Corona-Schock im Vorjahr habe man zudem schnell weggesteckt.

    Gleichwohl ist Novem enorm abhängig vom Wohl und Wehe von Mercedes, BMW und der beiden Volkswagen-Töchter Audi und Porsche. Die Ratingagentur Fitch stuft die Kundenkonzentration der Bayern als „hoch“ ein. Demnach generiert Novem mit lediglich zwei Abnehmern 65 Prozent seines Umsatzes.

    Früher war der Interieur-Veredler sogar noch stärker auf die deutschen Premiumhersteller fokussiert. Seit 2013 habe Novem aber viele neue Kunden wie Hyundai, Jaguar Land Rover oder Lotus hinzugewinnen können, sagt Brenner: „Heute sind wir viel breiter und internationaler aufgestellt.“ Bestehende Klumpenrisiken will der Manager aber weiter minimieren.

    Konkret plant der 57-Jährige künftig mit einem stärkeren Engagement in Asien. In Japan versucht Novem etwa, enger an Konzerne wie Toyota, Nissan oder Honda ranzukommen; in China an Geely, BYD oder Great Wall. „Die Chinesen drängen immer stärker in den Premiumbereich – und da wollen wir dabei sein“, bekundet Brenner.

    Früher war Novem noch stärker auf die deutschen Premiumhersteller fokussiert. Quelle: Novem
    Tür-Innenseite in einem BMW-Auto

    Früher war Novem noch stärker auf die deutschen Premiumhersteller fokussiert.

    (Foto: Novem)

    Auffällig bei Novem sind die hohen Kosten für die rund 5800 Mitarbeiter, die stolze 24 Prozent vom Umsatz betragen. Das sei zwar „vergleichsweise üppig“, räumt Brenner ein, letztlich aber das Resultat einer hohen Fertigungstiefe. „Dadurch ist die Eintrittsbarriere für neue Spieler groß.“ Schon viele Anbieter seien bei dem Versuch gescheitert, in den Markt einzusteigen.

    „Als ich hier anfing, habe ich auch gedacht, es kann ja wohl nicht sein, dass ein Zierteil in der Größe einer Türleiste so aufwendig ist“, sagt Brenner. In der Praxis seien dafür aber viele manuelle Arbeitsgänge vonnöten. „Zu Beginn werden die Teile gebleicht, gebeizt und kaschiert, dann zugeschnitten, gestanzt, umgeformt und hinterspritzt“, erklärt der Firmenchef. Später müssten die Dekorelemente noch gefräst und teils geschliffen wie poliert werden.

    Filme streamen auf Holzzierteilen

    Holz und Aluminium sind die beiden wichtigsten Materialien, die Novem nutzt. Der Trend hin zu mehr und mehr Bildschirmen in Neuwagen könnte die Bayern allerdings künftig Geschäft kosten, warnen Experten. „Interieur-Anbieter, die hier keine Lösungen parat haben, werden womöglich entwurzelt“, konstatiert Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des Center Automotive Research (CAR).

    Im EQS, dem neuen Elektroflaggschiff von Mercedes, können Kunden gegen Aufpreis bereits die klassische Instrumententafel durch ein Bildschirmband ersetzen. „Es kommt wirklich auf die Geschmäcker an“, gibt sich Novem-Chef Brenner betont gelassen. Seine Firma liefere ein hochwertiges Kunststoffteil für den EQS als Alternative zum sogenannten Hyperscreen.

    Zudem arbeiten seine 200 Ingenieure bereits daran, die ersten versteckten Displays auf Echtmaterialien binnen der nächsten zwölf Monate in Serie zu bringen. „Das Ziel ist, dass Sie sich beispielsweise einen Film auf einem Holzzierteil im Auto anschauen können“, sagt Brenner. Dies werde von Kunden massiv nachgefragt. „Nicht jeder will alles mit schwarzen Bildschirmen zukleistern.“

    Der Trend hin zu mehr und mehr Bildschirmen in Neuwagen könnte die Bayern allerdings künftig Geschäft kosten Quelle: dpa
    Hyperscreen im Mercedes EQS

    Der Trend hin zu mehr und mehr Bildschirmen in Neuwagen könnte die Bayern allerdings künftig Geschäft kosten

    (Foto: dpa)

    Novem versucht auch anderweitig, Sensoren, Elektronik und Funktionen in seinen Zierteilen zu integrieren. Die sichtbaren Schalter im Armaturenbrett oder in den Türen sollen bald gänzlich verschwinden. „Erst wenn man sich mit der Hand annähert, poppen die Symbole für Radio, Klima oder Sportmodus auf“, beschreibt Brenner eine mögliche künftige Anwendung.

    Trotz derlei Innovationen könnte die Zeit der Traumrenditen bei Novem allerdings fürs Erste vorbei sein. Im Vergleich zu den hohen zweistelligen Margen der Vergangenheit kalkuliert beispielsweise Fitch mittelfristig mit einer „geringen Profitabilität“ bei den Oberpfälzern. Für die Familie Brenninkmeijer könnte ein Börsengang bis Jahresende damit genau zur richtigen Zeit kommen.

    Mehr: Zehn chinesische Autobauer, die VW, Daimler und BMW Konkurrenz machen.

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