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Autokonzern VW-Chef Herbert Diess – der entzauberte Macher

Der Vorstandschef von Volkswagen stößt beim Umbau des Konzerns auf Widerstände, die er selbst provoziert hat. Und er macht Fehler, zum Teil mit verheerenden Folgen.
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Ein Getriebener, der um jeden Preis erfolgreich sein will. Quelle: Bloomberg
Herbert Diess

Ein Getriebener, der um jeden Preis erfolgreich sein will.

(Foto: Bloomberg)

Frankfurt, DüsseldorfHerbert Diess verlangt eine härtere Gangart für Volkswagen. Der Umbau des Autoherstellers gehe ihm zu langsam, die Kosten müssten schneller gesenkt werden, insgesamt müsse das Management stärker anpacken. Das waren seine Worte auf einer Managementkonferenz mit Top-Führungsleuten zur Wochenmitte.

Dass der VW-Chef dabei mehrfach den Satz „Ebit macht frei“ fallen ließ, zeugte von einer gewissen Unbedarftheit. Teilnehmer fühlten sich an den Schriftzug „Arbeit macht frei“ erinnert, den die Nationalsozialisten einst an den Eingängen von Konzentrationslagern angebracht hatten. Diess musste sich für die Entgleisung entschuldigen.

Für einige Manager zeugte die problematische Formulierung von der mangelnden Sensibilität des obersten Chefs, zumal Volkswagen eine besondere historische Last trägt: Das Unternehmen wurde von den Nationalsozialisten gegründet. Wieder einmal fehle es Diess an Fingerspitzengefühl, wie einer sagte. „Er ist destruktiv statt konstruktiv“, lautete ein anderer Vorwurf.

Herbert Diess steht seit bald einem Jahr an der Spitze des weltgrößten Autokonzerns. Er ist ein Getriebener, der um jeden Preis erfolgreich sein will. Dabei schont er sich selbst nicht: Regelmäßig arbeite er bis spät in die Nacht, heißt es in seinem Umfeld.

Berufen wurde er mit einem klaren Auftrag: die vom Dieselbetrug ausgelöste Krise zu überwinden und VW auf das Elektrozeitalter vorzubereiten. Der 60-Jährige war der ideale Kandidat für die Großaktionäre Porsche und Piëch sowie das Land Niedersachsen. Vorausschauen zu können, unabhängig und entscheidungsfreudig zu sein, das sind Eigenschaften, die Diess auszeichnen.

Auch für Betriebsratschef Bernd Osterloh war der frühere BMW-Vorstand der richtige Mann an der Konzernspitze. Diess hatte es zudem verstanden, das Vertrauen der drei wichtigsten Gruppen im Konzern zu gewinnen. Im Wochentakt pendelte er zwischen den Familien in Salzburg, der Staatskanzlei in Hannover und Osterlohs Büro, wie Beteiligte berichten.

Es ist ein Vertrauensbonus, den Diess dringend benötigt, weil die von ihm geführte Hausmarke VW auch nach dreijähriger Sanierungsphase noch immer schwache Renditen ausweist. Mit Nachdruck fordert er weitere Einsparungen. Führungskräfte aus dem mittleren Management berichten, Diess rufe sie selbst an, um sich über Projekte zu informieren.

Verpatzter Wechsel

Der Chef macht Druck – und bekommt nun selbst Druck. Denn auch der Vorstandschef macht Fehler, zum Teil mit verheerenden Folgen. Im vergangenen Jahr verpasste er die Umstellung auf das neue Abgastestsystem WLTP, das Emissionswerte realistischer ausweist. Obwohl seit Jahren geplant, arbeitet die Marke VW bis heute daran, die Modelle entsprechend anzupassen. Die Kosten für den verpatzten Wechsel summieren sich je nach Lesart auf 1 bis 3,6 Milliarden Euro. Ein Malheur, das Diess‘ Sanierer-Image arg ramponierte.

Noch deutlicher könnten verspätete Neuheiten die Bilanz belasten. Beim Golf 8, dem Passat sowie dem neuen Elektro-Volumenmodell ID gibt es enorme Probleme. Es sei zu befürchten, dass sich die Einführung dieser drei wichtigen Autos verzögere, sagte ein Insider. Für Wolfsburg bedeutet das möglicherweise Kurzarbeit. „Die größte Krise seit der Finanzkrise 2008“, orakelt der Insider weiter.

Die Schwierigkeiten bei den Modellanläufen waren lange Zeit kein Thema. Erst als Aufsichtsrat Wolfgang Porsche in der vergangenen Woche härtere Einsparungen verlangte und zugleich den Betriebsrat als Blockierer bezeichnete, kochte die Kritik in Wolfsburg hoch.
Betriebsratschef Bernd Osterloh legte am Donnerstag noch einmal nach. Über die vom Unternehmen vorgelegten Pläne zur Streichung von bis zu 7000 Stellen vor allem in der Verwaltung werde er erst dann verhandeln, wenn seine Vorbedingungen erfüllt würden. Die Arbeitnehmerseite verlangt beispielsweise genaue Informationen darüber, wie teuer die WLTP-Pleite nun wirklich geworden ist und wie es um die gefährdeten Modellanläufe steht.

Der mühsam zwischen Diess und Osterloh ausgehandelte Burgfrieden gerät ins Wanken. Die Gegner haben sich lange zurückgehalten, jetzt wagen sie sich aus der Deckung. Und Diess dürfte klar werden, dass er mit seinem konfrontativen Kurs bei seinen härtesten Kontrahenten auf Dauer nicht viel erreichen kann. Nach fast einem Jahr im Amt ist der VW-Chef in der Wolfsburger Realität angekommen.

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1 Kommentar zu "Autokonzern: VW-Chef Herbert Diess – der entzauberte Macher"

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  • Volkswagen ist drauf und dran unter der Führung von Hr. Diess trotz der riesigen Dieselproblematik wieder ein sportliches Unternehmen zu werden. Logischerweise entsteht dabei Reibung. Andere Unternehmen der Dax-Familie haben es versäumt ähnlich vorzugehen und mir würde angst und bang bei einer Variante in schöner Harmonie.

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