Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Autokonzern Warum die Vorzeigeallianz Renault-Nissan in der Krise ist

Auto-Manager Carlos Ghosn hat die Allianz zu einem Weltkonzern aufgebaut – und über die Jahre zu viel Macht erlangt. Das wird Renault-Nissan jetzt zum Verhängnis.
Kommentieren
Renault-Nissan: Die Vorzeigeallianz in der Krise Quelle: AFP
Carlos Ghosn

Der Renault-Chef sitzt seit Monaten im Japan im Gefängnis.

(Foto: AFP)

TokioCarlos Ghosn mag in Japan noch Monate wegen vermeintlicher Verstöße gegen Finanzmarktgesetze und Untreue im Gefängnis sitzen. Am Dienstag lehnte ein Gericht seinen Antrag ab, auf Kaution freigelassen zu werden.

Aber der wahrscheinliche Endpunkt seiner Managerkarriere kann die Leistung des Chefs von Renault und ehemaligen Verwaltungsratsvorsitzenden von Nissan nicht vollständig überdecken: Mit der Allianz zwischen Renault, Nissan und Mitsubishi Motors hat Ghosn einen der erfolgreichsten und einmaligsten Autobünde der Welt aufgebaut.

Die Geschichte begann Ende der 1990er Jahre mit einer Krise bei Nissan. Um den Toyota-Rivalen am Leben zu erhalten, suchte das Management nach ausländischen Rettern. Die Franzosen griffen zu. Und Ghosn trimmte erst Nissan und dann mit seiner Übernahme des CEO-Postens bei Renault im Jahr 2005 die Allianz in wenigen Jahren zu einem globalen Automobil-Schwergewicht.

Ein wichtiger Grund für Renaults Wagnis war der Drang nach größeren Skaleneffekten. Inzwischen entwickeln beide Partner gemeinsam Plattformen und sparen damit jährlich mehrere Milliarden Euro. Darüber hinaus wollten die Franzosen weiße Flecken auf der globalen Autolandkarte beseitigen.

Nissan war und ist dort stark, wo Renault schwach war: in Asien und dem lukrativen US-Markt. Außerdem reizte das Know-how der Japaner in Produktion und Entwicklung, auch wenn Nissan damals nach Jahren der Misswirtschaft technisch hinter der Konkurrenz herfuhr. Mit Nissans Einstieg beim Sanierungsfall Mitsubishi Motors im Jahr 2016 führte Ghosn mit einem Absatz von mehr als zehn Millionen Autos pro Jahr ein Autokonglomerat auf Augenhöhe mit Volkswagen und Toyota.

Doch Ghosns eigentlicher Beitrag ist ein innovatives Allianzkonzept. Renault stieg massiv bei Nissan ein, übernahm unbestritten das Sagen und räumte erfolgreich radikal auf. Doch die Franzosen versuchten nicht, eine Fusion der so ungleichen Konzerne zu erzwingen.

Stattdessen predigte Ghosn die Vorzüge einer relativ gleichberechtigten Ehe, in der beide Unternehmen aus freien Stücken immer enger zusammenarbeiten, ohne ihre Eigenständigkeit aufzugeben. Doch die einstige Stärke verwandelte sich mit der Zeit zum Krisenherd der Allianz.

Zum einen versuchte Ghosn, den Mangel an Struktur dadurch zu überbrücken, dass er beide unabhängigen Konzerne in Personalunion leitete. Dies führt zu einer „Überkonzentration der Macht“, wie sein Nachfolger als Nissan-Chef, Hiroto Saikawa, nach Ghosn Verhaftung im November 2018 sagte.

Gleichzeitig hatte sich das Kräfteverhältnis massiv verschoben, was für Widerstand bei Nissan sorgte. Renault kam als Retter und hielt daher 44 Prozent am Partner. Nissan hält nur 15 Prozent an Renault, obwohl der Konzern doppelt so groß ist und finanziell wie technisch die Allianz antreibt. Und bei Renault sitzt auch der französische Staat mit einem Anteil von 15 Prozent mit im Boot, was nicht immer unproblematisch war.

Das Problem: Auf Druck der französischen Regierung versuchte Ghosn zuletzt, nun auch das Management der beiden Partner stärker zu integrieren – unter Renaults Führung. Aber Nissan-Chef Saikawa wehrte sich dagegen. Nach Ghosns Verhaftung ist nun völlig unklar, wie der Machtkampf in der Allianz gelöst werden kann. Renault und Nissan stehen damit vor dem Scherbenhaufen einer lange erfolgreichen Gemeinschaftsstrategie.

Startseite

Mehr zu: Autokonzern - Warum die Vorzeigeallianz Renault-Nissan in der Krise ist

0 Kommentare zu "Autokonzern: Warum die Vorzeigeallianz Renault-Nissan in der Krise ist"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote