Autolobbyist Wissmann „Da staut sich ein Nachholbedarf an Neuwagen auf“

Die deutschen Autobauer setzen auf die Globalisierung. Jobs im Ausland sicherten Stellen im Inland, sagt Cheflobbyist Matthias Wissmann. Auch wenn die Probleme in Europa bleiben – Wissmann hofft auf den Nachholbedarf.
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Matthias Wissmann: „Eine erste Erholung sehe ich frühestens 2014“. Quelle: Dominik Butzmann für Handelsblatt

Matthias Wissmann: „Eine erste Erholung sehe ich frühestens 2014“.

(Foto: Dominik Butzmann für Handelsblatt)

BerlinDie starke globale Aufstellung der deutschen Autobauer sichert Beschäftigung in Deutschland. „Drei neue Jobs im Ausland schaffen oder sichern einen Arbeitsplatz im Inland“, sagte Matthias Wissmann, der Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA), in einem Interview mit dem Handelsblatt.

Die Autoindustrie wird immer internationaler. Die Pkw-Auslandsproduktion der deutschen Hersteller hat sich seit dem Jahr 2000 mehr als verdoppelt. Der Prozess der Globalisierung ist aber noch nicht am Ende. Das gilt besonders für China. „Das Potenzial ist noch lange nicht ausgeschöpft. Derzeit kommen 37 Autos auf 1000 Chinesen – in Westeuropa oder Deutschland sind es rund 500 Pkw je 1000 Einwohner. Der Pkw-Weltmarkt wird bis zum Jahr 2020 von derzeit 70 Millionen auf über 90 Millionen Einheiten steigen. Ein erheblicher Anteil davon wird aus China kommen. Deshalb investieren unsere Hersteller und Zulieferer weiter stark in diesem Land“, sagte Wissmann.

In Europa wird der Automarkt absehbar weiter schwierig bleiben. „Eine erste Erholung sehe ich frühestens 2014. Und vielleicht brauchen Länder wie Spanien, Italien oder Frankreich länger, um wieder Fuß zu fassen“, so Wissmann. „Aber mittelfristig bin ich durchaus zuversichtlich: Da staut sich ein erheblicher Nachholbedarf an Neuwagen auf.“

Der Cheflobbyist der deutschen Autoindustrie macht außerdem eine Tendenz zum Protektionismus aus. „Die EU-Kommission hat allein seit 2008 weltweit rund 400 protektionistische Vorstöße gezählt. Die Automobilindustrie ist dabei überproportional betroffen. Immer noch versuchen etliche Länder, ihren eigenen Markt abzuschotten oder in den Handel einzugreifen. Sie unterschätzen dabei, dass sie sich langfristig damit selbst schaden.“

Aus Sicht des VDA-Präsidenten wird der Wettbewerb weiter zunehmen. „Wir müssen also weiter an uns arbeiten, statt die Rahmenbedingungen zurückzudrehen. Wir müssen den Industriestandort Deutschland wetterfest machen“, forderte Wissmann. Dies wolle aber im politischen Berlin nicht jeder hören.

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14 Kommentare zu "Autolobbyist Wissmann: „Da staut sich ein Nachholbedarf an Neuwagen auf“"

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  • Preiswert zu bauen muss man auch bereits im Design leben. Und die Qualität muss dort auch mitdesigned werden, weil hinterher reintesten ist zu teuer...

  • Der Export hat es der deutschen Industrie ermöglicht den Inlandsmarkt zu vernachlässigen, das rächt sich nun.
    anders als sie sehe ich die Standortfrage nicht grundsätzlich so kritisch, es ist wenig dagegen einzuwenden ausländische Märkte mit dortiger Produktion zu beschicken.
    Allerdings hat die Verlagerung von Arbeitsplätzen für Reimporte nach Deutschland nur die Folge den Druck auf die Politik für vernünftige Abgabenregelungen zu sorgen um die Kaufkraft hoch zu halten gemindert.
    Die schleichende Errosion, die das unserer Wirtschaft im innenverhältnis beschert hat ist wohl irreparabel und wird schlagartig prekär, wenn sich das Ausland das nicht mehr gefallen lassen sollte.

    H.

  • Mit der neidgetriebenen Dienstwagenbesteuerung nimmt der Absatz besonders deutscher Premiumautos immer mehr ab. Schon vorher haben niedrige Nettolöhne den Absatz im Inland belastet.
    Anders als Wiesmann, glaube ich nicht, dass sich der Markt erholt und ich rechne auch damit, dass sich das Ausland nicht auf Dauer den Export ihrer Arbeitsplätze gefallen lassen, was ja der zunehmende Protektionismus zu bestätigen scheint. Wir bauen zwar gute Autos aber insbesondere im Verhältnis zu inländischen Nettolöhnen sind wir nicht in der Lage preiswert zu bauen.

    H.

  • Aber gerade die Leute püber 50 haben zunehmend kein Geld mehr! Un dso werden zunehmend eben keine Neuwagen mehr gekauft.
    Sicherlich ist es schick, dank Leiharbeit und Outsourcing in den Automobilunternehmen und ihren Zulieferern die Kosten zu senken. Doch, diese Beschäftigten fallen dann eben auch als Kunden weg!

    Und so dreht sich die Spirale weiter nach unten.

  • Jeder Kunde kann sich über das INTERNET frei informieren, wo sein Auto hergestellt wird. Leider kann noch nicht aktiv vorgegeben werden, aus welcher Fabrik die Abnahme erwünscht wird.

    Indirekt kann es ein Kunde aber heute sehr wohl schon steuern.

    Autos sind schon heute Patchworkmodelle: Mein altes Auto wurde in Sunderland (GB) gebaut, in Österreich mit designt, hatte einen RENAULT-Motor. Das Nachfolgemodell wird nicht mehr in der EU gebaut.

    Mein neues Auto (BJ 2013) wurde in Graz (Österreich) gebaut, in Deutschland/GB designt und hat einen BMW-Motor.
    Wenn 20xx der Countryman nicht mehr in der EU gebaut werden würde, würde ich ihn nicht mehr kaufen und mich nach einem neuen "made in EU"-Fahrzeug umschauen.

    Ich persönlich möchte einfach kein Auto oder sonstiges Mobilitätsprodukt fahren, welches nicht in der EU gebaut wird. Als Kunde ist es noch wählbar. Bei vielen Produkten aus anderen Branchen besteht keine solche Wahlfreiheit mehr.

    Möchte der Kunde eine WAHLFREIHEIT haben, muss er diese auch AKTIV leben.

  • Immerzu hört man, China ist für den nächsten Autoboom gut..die müssen aber erst mal noch viele Straßen bauen, um mit den vielen Autos dann auch fahren zu können.

  • Dafür hätte ich dann gern von Herrn Wissmann harte Zahlen.
    Diese sind es wohl nicht.

    http://www.heise.de/tp/artikel/36/36395/1.html

  • Drei neue Jobs im Ausland schaffen oder sichern einen Arbeitsplatz im Inland“, sagte Matthias Wissmann
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    Schon möglich, Herr Wissmann.
    Aber dann sagen Sie auch dazu, dass dieselben drei Jobs im Ausland dafür zwei andere Arbeitsplätze im Inland vernichten, Sie Cheflobbyist der Niedriglohnländer!

    Angefangen mit der Käfer-Produktion in Mexiko hat die Automobilindustrie die Dauerarbeitslosigkeit in D ganz maßgeblich mitverursacht.

  • "...Mastdarmversilberer..." - Lange nicht mehr so GELACHT und dann zusammen geklappt, trotzdem noch schreibend, weil es WISSemännle ist. Oettinger wie Wisse... könnten aus EINEM intellektuellen Guss sein.

  • Also, Diskriminierung ist das Letzte! Als Lobbyist würde ich so werben: Ein bisschen bi, schadet nie! In dem Spruch steckt schon mehr Weisheit, als in Wissmanns Prognose.
    Vor Allem verrät sie etwas, was der Industrie sehr peinlich ist: Die Halde, auf die die aktuelle Produktion läuft. Nur Innovation weckt Appetit. Davon ist bei den Deutschen nichts zu sehen. Da elektrisiert nichts und das ingeplugge ist auch kein brauchbarer Hybrid. Ende Gelände.

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