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Automanager Ex-Renault-Chef Ghosn flieht überraschend von Japan in den Libanon

Der Automanager ist in den Libanon gereist – bevor sein Prozess beginnt. Er sei vor politischer Verfolgung geflohen, so Ghosn. Sein Anwalt ist überrascht.
30.12.2019 Update: 31.12.2019 - 08:29 Uhr Kommentieren
Dem ehemaligen Automanager wird Untreue und finanzielles Fehlverhalten bei Nissan vorgeworfen. Quelle: AP
Carlos Ghosn

Dem ehemaligen Automanager wird Untreue und finanzielles Fehlverhalten bei Nissan vorgeworfen.

(Foto: AP)

Tokio Der frühere Renault- und Nissan-Chef Carlos Ghosn hat überraschend Japan verlassen. „Ich bin nun im Libanon und werde nicht länger als eine Geisel von einem manipulierten japanischen Justizsystem gehalten“, verkündete Ghosn in einem ersten öffentlichen Statement. Er sei nicht vor der Justiz geflohen, sondern Ungerechtigkeit und politischer Verfolgung entkommen. Nächste Woche will sich Ghosn erneut gegenüber den Medien äußern.

Ghosn hatte zuletzt unter Hausarrest in Tokio gestanden. Aus dem Außenministerium in Tokio hieß es, Japans Regierung sei nun auf Hilfe der libanesischen Behörden angewiesen, da kein Auslieferungsabkommen mit dem Mittelmeerstaat bestehe, wie der Sender NHK berichtete. In der Nacht zuvor hatte es erste Berichte aus dem Libanon gegeben, dass Ghosn völlig überraschend an Bord eines Privatjets in Beirut gelandet sei – und das schon am Sonntagabend. Libanesische Sicherheitskreise bestätigten dies der Deutschen Presse-Agentur.

Ghosns Anwalt zeigte sich von der Ausreise seines Mandanten verblüfft. Dass Ghosn gegen die Kautionsauflagen verstoßen und das Land verlassen habe, damit habe er nichts zu tun, sagte Junichiro Hironaka am Dienstag. Zuletzt habe er am Weihnachtstag mit Ghosn gesprochen, der ihm niemals erzählt habe, in den Libanon gehen zu wollen. „Vielleicht dachte er, dass er kein faires Verfahren bekommen würde“, sagte Hironaka. „Ich kann ihm nicht vorwerfen, das zu denken.“ Der Anwalt betonte, weiter an Ghosns Unschuld zu glauben. Außerdem sagte Hironaka, das Anwaltsteam müsse nun abgesehen von einer Meldung an die Justizbehörden noch entscheiden, wie es weiter vorgehe.

Ghosn entzieht sich mit seiner Ausreise dem Zugriff der japanischen Justiz. Denn der multikulturelle Automanager besitzt neben der französischen und der brasilianischen auch die libanesische Staatsbürgerschaft. Und es gibt kein Auslieferungsabkommen zwischen Japan und dem nahöstlichen Staat. Der kommende Prozess gegen Ghosn, dem im Falle einer Verurteilung mehrere Jahre Haft drohen, wird deshalb ohne den gefallenen Starmanager stattfinden müssen.

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    Das ist ein schwerer Schlag für die Staatsanwaltschaft, die Ghosn hart angepackt hatte. Im November 2018 wurde er bei seiner Ankunft in Tokio verhaftet und für mehrere Monate in Verhörhaft genommen. Denn die Staatsanwaltschaft warf ihm Verstöße gegen Finanzmarktgesetze und Veruntreuung von Firmengeldern vor. So soll Ghosn sein Einkommen zu niedrig angegeben haben. Außerdem steht der Vorwurf im Raum, dass er sich persönlich bereichert hat.

    Ghosn beteuerte immer seine Unschuld. Im März 2019 wurde er dann gegen eine Kaution von acht Millionen Euro aus der Haft entlassen und geht seitdem in die Gegenoffensive. Seine Rechtsanwälte werfen den Ermittlern vor, ihre Befugnisse überschritten zu haben. Ghosn sieht die Vorwürfe als Teil eines Coups bei Nissan an.

    Krise bei Nissan

    Der langjährige Nissan-Chef hatte den Renault-Partner zuletzt als Verwaltungsratsvorsitzender überwacht. Aber bei Nissan regte sich Widerstand gegen den Plan der französischen Regierung, die bisher unabhängigen Alliierten unter Renaults Führung zu fusionieren. Renault ist zwar deutlich kleiner als Nissan. Aber der französische Autobauer besitzt 43 Prozent der Nissan-Anteile, während Nissan nur 15 Prozent von Renaults Aktien hält. Und die tragen noch nicht einmal Stimmrecht.

    Ghosn vermutet, dass seine Gegner ihn stürzten, um die Fusion zu verhindern. Das ist bisher gelungen. Aber der Preis ist hoch. Die schwelenden Konflikte in der Allianz, die Ghosn durch seine Funktion als doppelter Chef unterdrücken konnte, sind nun offen ausgebrochen. Und Nissan wurde zur Unzeit in eine Führungskrise gestürzt.

    Der Autohersteller ist kaum noch profitabel. Denn unter Ghosn hat das Unternehmen in seinem wichtigen US-Markt auf hohe Rabatte gesetzt, um mehr Autos abzusetzen. Damit einher ging eine Verschlechterung des Markenrufs, der sich nun richtig rächt. Denn gleichzeitig ist die Autoentwicklung aus dem Tritt geraten. Nissan hat seit mehr als einem Jahr keine neue Massenmodelle im Ausland eingeführt.

    Gleichzeitig kommt die Führung nicht zur Ruhe. Ghosn Nachfolger Hiroto Saikawa wurde im September geschasst. Ab 1. Dezember sollte nun ein Managertrio unter Makoto Uchida als Konzernchef Nissan wieder in die Spur bringen. Doch vor einer Woche kündigte der stellvertretende Chief Operating Officer Jun Seki an, zum japanischen Elektromotorriesen Nidec zu wechseln. Seki führte die Restrukturierung von Nissans Operationen an.

    Ghosn kann sich dieses Erbe seiner Herrschaft nun aus sicherer Entfernung anschauen. Japans Justiz und Regierung müssen sich allerdings auf harte Fragen gefasst machen, wie der prominente Manager so einfach von der Insel entkommen konnte. Denn Ghosn wurde in Japan streng überwacht und musste seine Pässe abgeben.

    Mit Agenturmaterial.

    Mehr: Neuer Nissan-Chef Makoto Uchida geht auf Distanz zu Renault.

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