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Automarkt Ob USA, China oder Deutschland: Immer mehr Autofahrer wollen einen SUV

Der weltweite Autoabsatz ist im vergangenen Jahr zwar zurückgegangen. Doch in einem Fahrzeugsegment geht es unbeirrt weiter nach oben: bei den SUV.
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Neue Modelle auf Kanadas wichtigster Autoshow in Toronto: Mitte Februar hat Mercedes dort den EQC präsentiert, das erst rein elektrisch angetriebene SUV aus dem Daimler-Konzern. Quelle: Reuters
Die SUV werden jetzt auch elektrisch

Neue Modelle auf Kanadas wichtigster Autoshow in Toronto: Mitte Februar hat Mercedes dort den EQC präsentiert, das erst rein elektrisch angetriebene SUV aus dem Daimler-Konzern.

(Foto: Reuters)

DüsseldorfImmer mehr Autofahrer wollen einen SUV besitzen – egal wo sie wohnen. Der Trend setzt sich in den USA, in China und auch in Deutschland durch. SUV sind etwas höher als ein gewöhnlicher Wagen und bieten eine bessere Rundumsicht – gerade an engen Kreuzungen ist das ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Aber in erster Linie sind sie natürlich bequem. Niemand muss fürchten, tief in den Autositz hineinzufallen – und hinterher nur unter Mühen wieder herauszukommen.

Die englische Abkürzung hat sich inzwischen auch im deutschen Sprachraum durchgesetzt. „Geländewagen“ war wegen des höheren Radstandes anfänglich der deutsche Begriff für solche Autos. Doch das Wort „Geländewagen“ hat sich wahrscheinlich schon deshalb nicht durchsetzen können, weil es mit der Realität überhaupt nichts zu tun hat.

Denn kein Städter würde auch nur auf die Idee kommen, mit seinem teuren SUV durch Schlamm und Dreck zu fahren. Zumal das in einer Großstadt auch nicht nötig ist. Der weltweite Siegeszug der SUV geht jedenfalls unaufhörlich weiter.

Wie aus einer Analyse des Marktforschungsunternehmens Jato hervorgeht, haben die SUV-Verkäufe im vergangenen Jahr weiter zugenommen. Die Verkaufszahlen sind 2018 weltweit um 6,8 Prozent auf 29,8 Millionen Fahrzeuge nach oben gegangen.

Die SUV spielen in der globalen Automobilbranche in einer anderen Liga. Denn deren Verkaufszahlen sind gestiegen, obwohl der weltweite Automobilmarkt 2018 nach vielen Jahren erstmals wieder geschrumpft ist. 86 Millionen verkaufte Pkw und leichte Nutzfahrzeuge verzeichneten die Statistiker für das vergangene Jahr, was einem Minus von 0,5 Prozent entspricht.

Auf den drei wichtigsten Automärkten der Welt, in Nordamerika, Europa und China, sind die Verkaufszahlen mindestens stagniert. In China gab es sogar nach 20 Jahren das erste Zulassungsminus. Daher sind die SUV zum wichtigsten Fahrzeugsegment für die gesamte Automobilbranche aufgestiegen.

Gewisse Marktsättigung ist aber da

Kein Hersteller kommt heute noch ohne sie aus, sie sind auch unter Ertragsgesichtspunkten unverzichtbar für die Branche geworden. Die SUV kamen im vergangenen Jahr auf einen Marktanteil von 36,4 Prozent, niemals zuvor hatten die Stadtgeländewagen einen solch hohen Wert erreicht. 2017 waren es noch 33,8 Prozent, vor fünf Jahren gerade einmal 22,4 Prozent.

Andere Fahrzeugsegmente sind im vergangenen Jahr beim Marktanteil deutlich hinter den SUV zurückgeblieben. Auf dem zweiten Platz folgen die Kompaktautos (VW Golf, Opel Astra, Ford Focus) mit weitem Abstand, sie kommen auf einen Marktanteil von knapp 17 Prozent. Klassische Mittelklasse-Limousinen erreichen gerade noch acht Prozent.

Der anhaltende Erfolg der SUV sorgt zudem dafür, dass andere Fahrzeugsegmente an Bedeutung verlieren. An erster Stelle steht dabei der Minivan – vor ein paar Jahren noch eine allseits gefeierte Karosserievariante. Sechs Millionen Exemplare sind davon 2018 produziert worden, eine knappe Million weniger als im Jahr davor. Einzelne Hersteller wie etwa Ford reagieren bereits darauf – sie wollen die Produktion ihrer Minivans einstellen.

Allerdings ist inzwischen auch eine gewisse Marktsättigung bei den SUV spürbar geworden, die Zuwächse fallen nicht mehr so hoch aus wie in den vergangenen Jahren. 2015 und 2016 lagen die jährlichen Zuwachsraten jeweils noch bei mehr als 20 Prozent – die 6,8 Prozent Plus aus dem vergangenen Jahr lassen eine gewisse Beruhigung erkennen. Zudem dürften die weltweiten konjunkturellen Probleme aus dem vergangenen Jahr auch bei den SUV gewisse Spuren hinterlassen haben.

„Auch solch ein wichtiges Segment ist nicht immun gegen Unsicherheit am Markt“, betont Jato-Analyst Felipe Munoz. Der schrumpfende Automarkt in China habe einen wesentlichen Anteil daran, dass das SUV-Wachstum inzwischen kleiner ausfalle. Die Volksrepublik sei in den zurückliegenden zehn Jahren der wesentliche Wachstumstreiber gewesen – gerade auch bei den SUV.

Auf China entfallen inzwischen etwa 35 Prozent aller weltweiten SUV-Verkäufe. Eine ähnlich große Bedeutung wie in China besitzt das SUV-Segment noch in Nordamerika und in Russland. In Westeuropa gibt es im Vergleich dazu bei den SUV noch Nachholbedarf.

Weltgrößter SUV-Hersteller kommt aus Asien

„Das SUV-Segment unterliegt einer enormen Wachstumsdynamik und macht in China mittlerweile fast 50 Prozent des Gesamtmarktes aus“, bestätigt Jürgen Stackmann, Vertriebsvorstand der Marke Volkswagen. Entsprechend entwickeln sich auch die SUV-Verkaufszahlen einzelner Hersteller. Bei den chinesischen Autoproduzenten kommt dieses Segment auf ungefähr zwei Drittel der Verkäufe. Bei den europäischen Marken geht es bei den SUV noch deutlich gemächlicher zu. BMW kommt etwa auf 36 Prozent, Daimler auf 31 Prozent und bei Volkswagen sind es gar nur 24 Prozent.

Weltgrößter SUV-Hersteller war im vergangenen Jahr Toyota aus Japan mit gut 2,1 Millionen Fahrzeugen. Auf den Plätzen zwei und drei folgen mit Nissan und Honda zwei weitere japanische Konzerne. Die großen Drei aus Japan sind stark in den USA vertreten, wo SUV traditionell eine hervorgehobene Stellung besitzen.

Die erste deutsche Marke im SUV-Ranking ist Volkswagen auf Platz sieben. Die Wolfsburger kamen im vergangenen Jahr auf 1,2 Millionen verkaufte SUV. Der Volkswagen-Konzern hatte den Trend hin zu SUV im Unterschied zu den japanischen Konkurrenten lange Zeit verschlafen.

Doch mittlerweile holt der deutsche Hersteller mit vielen neuen Modellen mächtig auf. Das belegt allein die hohe Zuwachsrate der SUV-Verkäufe aus dem vergangenen Jahr: plus 42 Prozent. Auch 2019 sollen bei VW weitere SUV im Fahrzeugangebot dazukommen.

In diesem Jahr dürften die SUV-Verkaufszahlen insgesamt weiter nach oben gehen, auch wenn die ungelösten Handelskonflikte mit den USA in China und in Europa für Verunsicherung bei den Autofahrern sorgen. „Die SUV werden diesen Turbulenzen widerstehen und neue Kunden ansprechen“, glaubt Jato-Manager Munoz. Die Zukunft gehört vor allem Elektroautos, deshalb wird auch die Zahl der Elektro-SUV schon in diesem Jahr deutlich zunehmen. So beginnen beispielsweise die beiden deutschen Marken Audi und Mercedes ihren Einstieg in die Elektromobilität mit einem SUV.

Zudem werden alle Hersteller versuchen, letzte verbliebene Lücken im SUV-Segment mit neuen Modellen zu besetzen. Große, kleine, Stadt-SUV – überall arbeiten die Designer an neuen Konzepten. Als besonders aussichtsreich gilt in der Branche zurzeit eine Mischung aus Coupé und SUV.

Mehr: Lesen Sie hier, wie Volkswagen mehr Kunden in China ansprechen will.

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2 Kommentare zu "Automarkt: Ob USA, China oder Deutschland: Immer mehr Autofahrer wollen einen SUV"

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  • Das ist nicht geländefahren oder protzen, es sind einfach die höheren Sitze. Wer einmal einen VAN gefahren hat vermisst im "Normal-PKW" die Bequemlichkeit und auch die Übersicht der hohen Sitzposition.

  • SUV, die überflüssigte Autoentwicklung überhaupt ... und immer nehr wollen diese unsägichen Protzkisten. Ja, die beworbene Masse rennt dem Trend hinterher, verstopft die Straßen und verbraucht noch mehr Rohstoffe. Und das trotz der allenthalben überall diskutierten globalen Probleme, die angegangen werden müssen. Aber Bewußsein und Fortschritt (SUVs sind kein Fortschritt!) sind eine Schnecke. (Übrigens: ich bin kein Grüner.)