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Automatisierung „Klare Trendwende“: Deutsche Robotik-Industrie will Corona-Einbußen schnell wieder wettmachen

Das vergangene Jahr hat der Automatisierungsbranche kräftige Umsatzeinbußen beschert. 2021 sollen die Erlöse prozentual wieder zweistellig wachsen.
10.06.2021 Update: 10.06.2021 - 14:26 Uhr Kommentieren
In der Coronakrise hielt sich die Autobranche mit Bestellungen zeitweise zurück. Doch die Nachfrage nach Robotern ist wieder angesprungen. Quelle: dpa
Kuka-Roboter in VW-Werk Emden

In der Coronakrise hielt sich die Autobranche mit Bestellungen zeitweise zurück. Doch die Nachfrage nach Robotern ist wieder angesprungen.

(Foto: dpa)

München Die Pandemie hat die erfolgsverwöhnte Robotikbranche gebeutelt. Vor allem die Autohersteller hielten sich mit Investitionen zurück. Doch jetzt kehrt der Optimismus zurück. „Wir haben eine klare Trendwende“, sagte Wilfried Eberhardt, Vorsitzender des Fachverbands Robotik + Automation beim Maschinenbauverband VDMA, am Donnerstag. Die ersten vier Monate seien sehr gut gelaufen. „Die Auftragsbücher sind gut gefüllt.“

Der Aufschwung kommt laut Eberhardt quer aus allen Branchen. Besonders stark sei die Erholung in der Autoindustrie. Doch auch bei neuen Anwendungen und den kleineren, kollaborierenden Robotern, sogenannten Cobots, ziehe die Nachfrage an.

Für dieses Jahr erwartet der Verband zweistellige Wachstumsraten. 2022 soll dann das Rekordniveau der Vorkrisenzeit erreicht werden. Allerdings bremsen die Lieferengpässe bei elektronischen Komponenten die Erholung.

Im vergangenen Jahr sank der Umsatz der deutschen Robotikbranche laut VDMA um 23 Prozent auf 3,1 Milliarden Euro. Einschließlich Automatisierungstechnik gingen die Erlöse um 18 Prozent auf etwa zwölf Milliarden Euro zurück.

Bei den schweren Industrierobotern gehört in Deutschland vor allem Kuka zu den großen Spielern auf dem Weltmarkt. Im vergangenen Jahr verzeichnete die Tochter des chinesischen Midea-Konzerns einen Umsatzrückgang von 19 Prozent auf knapp 2,6 Milliarden Euro. In der Robotics-Sparte sanken die Erlöse um 22 Prozent auf knapp 900 Millionen Euro.

Experten erwarten langfristige Automatisierungsbeschleunigung durch Corona

Doch auch jenseits von Kuka hat sich in den vergangenen Jahren eine lebendige Robotikszene in Deutschland entwickelt. So konnte das Münchener Start-up Robco, das modulare Roboter für kleinere Kunden entwickelt, gerade erst Frank Thelen als Investor gewinnen.

Auch bei den kollaborierenden Robotern, die direkt neben dem Menschen arbeiten können, gibt es inzwischen viele deutsche Spezialisten. So baut das Unternehmen Franka Emika eigene Cobots. Das Dresdner Start-up Wandelbots wiederum hat einen sogenannten Trace Pen entwickelt, mit dem sich kollaborierende Roboter besonders einfach programmieren lassen.

Noch machen die Cobots nur etwa fünf Prozent des Robotik-Weltmarkts aus. Doch Eberhardt glaubt, dass die gesamte Branche von den Neuentwicklungen profitiert. „Die Impulse aus der Cobotik schwappen auch stark auf die großen Roboter über.“ So sei einfache Bedienung und Programmierung inzwischen auch bei schweren Industrierobotern ein Thema.

Experten rechnen damit, dass Corona auf etwas längere Sicht den Trend in Richtung Robotik und Automatisierung beschleunigen wird. In der Pandemie halfen Cobots manchen Industrieunternehmen, Abstand zu wahren und die Produktion aufrechtzuerhalten.

Vielerorts sind auch die Auftragseingänge schon wieder angesprungen, allerdings zyklisch erst im Nachlauf zur Belebung zum Beispiel bei den Autoherstellern. Der VDMA rechnet damit, dass die Umsätze der deutschen Hersteller wieder um 15 Prozent steigen werden. Die Robotik- und Automatisierungsbranche insgesamt hofft auf einen Umsatzanstieg von elf Prozent auf 13,4 Milliarden Euro. Eberhardt deutete an, dass die Prognose konservativ ist. „Da ist durchaus noch Luft nach oben drin.“

Die heimischen Hersteller haben sich in der Krise nach Einschätzung Eberhardts gut geschlagen. „Die deutsche Robotik hat ihre Position auf keinen Fall verschlechtert – im Gegenteil“, sagte er.

Produktion nach Europa zurückholen

Robotik und Automation können nach Einschätzung des VDMA auch dabei helfen, Produktion nach Europa zurückzuholen und den Klimawandel zu bekämpfen. Als Beispiel nennen die Experten den Bau eines der weltgrößten Sonnenkraftwerke in Konya in der Türkei. Unter Beteiligung der Konstanzer Technologiefirma RCT Solutions werden in Ankara 3,5 Millionen Solarmodule in einer hochautomatisierten, neu aufgebauten Musterfabrik gefertigt.

Um die Klimaziele zu erreichen, müsse man Umwelttechnologien „in bisher ungekannten Dimensionen skalieren“, sagte Patrick Schwarzkopf, Geschäftsführer bei dem VDMA-Fachverband. „Robotik und Automation ermöglichen uns dies mit höchster Qualität und wettbewerbsfähigen Kosten.“

In vielen europäischen Ländern denke man derzeit darüber nach, wieder eine komplette Photovoltaik-Wertschöpfungskette aufzubauen, sagte Peter Fath, Chef von RCT Solutions. „In der Türkei hat man jetzt gezeigt, dass es funktioniert.“

Mehr: Wie der Roboterbauer ABB Baustellen automatisieren will.

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