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Automobilbranche Mit Software den Diesel retten

Wegen des schleppenden Diesel-Absatzes werden die Sorgen bei den deutschen Autoherstellern immer größer. Sie wollen Millionen Autos mit einer Software nachrüsten – und so drohende Fahrverbote in Städten verhindern.
Update: 04.07.2017 - 16:06 Uhr 4 Kommentare
Die Diesel-Hersteller sind für hohe Feinstaub-Werte verantwortlich – trotzdem fordern sie ein Entgegenkommen von der Politik. Quelle: dpa
Feinstaub-Alarm in Stuttgart

Die Diesel-Hersteller sind für hohe Feinstaub-Werte verantwortlich – trotzdem fordern sie ein Entgegenkommen von der Politik.

(Foto: dpa)

Berlin Die deutschen Automobilhersteller machen einen neuen Vorschlag zur Umrüstung von älteren Diesel-Fahrzeugen. Bei etwa drei Millionen Autos der Abgasnorm Euro 5 soll es sogenannte „Software Updates“ geben, mit denen die Stickoxid-Emissionen um durchschnittlich 25 Prozent gesenkt werden sollen. Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilhersteller (VDA), sagte am Dienstag in Berlin: „Wir müssen Fahrverbote verhindern. Bei einer Verständigung zwischen Politik und Industrie ist das auch möglich“.

Der VDA will seinen Lösungsvorschlag Anfang August beim ersten Treffen des neuen „Nationalen Forums Diesel“ präsentieren. In diesem Forum diskutieren Politik und Automobilhersteller über die Zukunft des Diesel-Motors. Der oberste Interessenverband von Volkswagen, Daimler, BMW & Co. hofft darauf, dass der Umrüstungsplan schon bei diesem Treffen von der Politik abgesegnet wird. Vorbild ist die Rückrufaktion von 2,6 Millionen Fahrzeugen aus dem VW-Konzern, bei denen nach dem Bekanntwerden des Dieselskandals vor knapp zwei Jahren ebenfalls eine neue Software für die Motorsteuerung aufgespielt worden war.

„Das Diesel-Thema macht uns Sorgen“, begründete VDA-Präsident Wissmann den neuen Vorstoß der deutschen Automobilhersteller. Die anhaltende Diskussion über mögliche Fahrverbote habe zu einer nachhaltigen Verunsicherung auf Seiten der Autofahrer geführt. Viele Kunden würden sich heute die Frage stellen, ob ihr Diesel-Modell in einigen Jahren überhaupt noch als Gebrauchtwagen verkäuflich sei. Aktuell liege der Diesel-Anteil bei den Pkw-Neuzulassungen bei gut 41 Prozent, vor zwölf Monaten seien es noch etwa 46 Prozent gewesen.

Der VDA und seine Mitgliedsunternehmen setzen darauf, dass ihr Vorschlag die Diskussion über Fahrverbote nach kurzer Zeit beenden wird und dass das Vertrauen in diese Antriebsart zurückkehrt. „Schon das Treffen des Nationalen Forums Diesel am 2. August soll Klarheit bringen. Wir haben überhaupt kein Interesse an einem weiteren Verschiebebahnhof“, betonte der VDA-Präsident.

Über wichtige Details des Umrüstungsplans herrscht allerdings noch Unklarheit. Nach den Worten Wissmanns haben die Autohersteller zwar zugesichert, dass sie die Entwicklungskosten für neue Software-Programme übernehmen wollten. Offen ist allerdings derzeit, wer die Werkstatten-Kosten trägt. Der VDA wollte keine Angaben zu den entstehenden Kosten machen. Aus Branchenkreisen verlautete dazu, dass bei jedem Diesel-Modell Ausgaben von etwa 200 Euro anfallen könnten.

In Deutschland sind etwa 15 Millionen Diesel-Pkw für den Straßenverkehr zugelassen. Der neue Umrüstplan des VDA bezieht sich ausdrücklich auf die Fahrzeuge der Abgasnorm Euro 5, von denen es rund sechs Millionen gibt und die seit etwa sieben Jahren auf den Straßen fahren. Nur bei drei Millionen dieser Fahrzeuge sei eine Umrüstung tatsächlich möglich. Ältere Abgasnormen hat der VDA ausdrücklich nicht mit in seinen Lösungsvorschlag aufgenommen. Die neuesten Euro-6-Fahrzeuge erfüllen aus Sicht des Herstellerverbandes die gängigen Abgasnormen.

Die deutschen Automobilhersteller wollen unter keinen Umständen auf ihre Diesel-Modelle verzichten. Der Grund sind die vergleichsweise günstigen Abgaswerte beim Treibhaus-Gas Kohlendioxid. Moderne Diesel stoßen etwa 15 Prozent weniger Kohlendioxid aus als gängige Benzin-Motoren. Neue und schärfere Abgasgrenzen in der EU werden die Autohersteller nur mit dem Diesel erreichen können, da neue Elektroautos nicht mehr rechtzeitig auf den Markt kommen werden.

„Wir leben davon, dass die Märkte offen bleiben“
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4 Kommentare zu "Automobilbranche: Mit Software den Diesel retten"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Verbrennungsmotoren, egal ob Diesel oder Benziner, sind out. Dem Elektroantrieb wird die Zukunft gehören.
    Prognose : Die 1. preisgünstigen E-Autos werden die Chinesen auf den Markt bringen und es werden dann Marktrenner sein, wenn gleichzeitig die Batterie-Probleme gelöst wurden.

  • Eine neue Software für Diesel? Vielleicht kann man damit erreichen, dass die Politik für ein oder zwei Jahre auf Fahrverbote verzichtet. Aber eine solche Notlösung kann den Diesel nicht dauerhaft retten.

    Die Hersteller müssen sich endlich fragen, was die Kunden wirklich wollen. Sie sollten sich darüber klar werden, dass die Kunden in erster Linie nicht irgendeinen Firlefanz, sondern die Einhaltung der gesetzlichen Abgasvorschriften verlangen. Ultimativ verlangen. Und zwar nicht auf dem Prüfstand, sondern im Fahrbetrieb. Wer diese Kundenwünsche nicht ernst nimmt, sollte seine Bude dicht. "Schummelei bis zum Ende aller Tage?", nicht mit mir.

  • @ Frau Me Law04.07.2017, 13:47 Uhr

    Beim Stickoxid würden grössere Harnstofftanks und kürzere Nachfüllintervalle helfen. Beim Feinstaub bewegen wir uns in eine fragliche Richtung. Die kleineren Partikel der Fahrzeuge mit Russpartikelfilter sind giftiger, als die der alten Dieselfahrzeuge ohne....

    Steigen wir auf Benziner um, sind die CO2-Ziele obsolet. Bleibt nur das Fahrrad und das pedelec.

    http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-7792-2008-02-12.html

  • Bei dem Thema kommt bei mir die blanke Wut hoch. Zig Untersuchungen, auch vom Umweltbundesamt, haben ergeben, dass kaum ein Diesel-PKW (sei es Euro4, 5 oder 6) auch nur in der Größenordnung seines Normgrenzwerts liegt. Da sind Euro6-Fahrzeuge, die so weiter verkauft werden dürfen, obwohl sie selbst den Grenzwert für Euro3 deutlich übersteigen. Zu diesem Sachverhalt gibt es keinen Mucks aus Politik und Industrie. Das wird einfach so hingenommen. Schlimmer noch, dieselben Grenzwerte sollen nur entscheiden, ob ein Fahrzeug in die Stadt darf oder nicht.

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