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Automobilindustrie Autozulieferer Brose streicht 2000 Jobs in Deutschland

Das fränkische Unternehmen baut wie viele Konkurrenten massiv Stellen ab. Ein Ende der Krise in der Branche ist nicht absehbar.
Update: 17.10.2019 - 16:57 Uhr 1 Kommentar
In Deutschland beschäftigt das Unternehmen 9 000 Mitarbeiter. Quelle: Brose
Brose-Werk

In Deutschland beschäftigt das Unternehmen 9 000 Mitarbeiter.

(Foto: Brose)

Stuttgart Der Stellenabbau in der Autozulieferindustrie ist spätestens jetzt fünfstellig. Auch Brose hat am Donnerstag seine Pläne konkretisiert. Die Franken wollen in den nächsten drei Jahren in Deutschland 2 000 von insgesamt 9 000 Arbeitsplätzen abbauen. Das Familienunternehmen aus Coburg mit insgesamt 26.000 Beschäftigten machte dafür „massive Ergebniseinbrüche“ verantwortlich.

Gründe seien der rückläufige Markt in China und der Preisdruck, aber auch interne Ursachen. „Wir wollen die Qualität verbessern und Kosten im mittleren dreistelligen Millionenbereich senken, um unsere Wettbewerbsfähigkeit zu stärken“, kündigte Brose-Chef Kurt Sauernheimer an. Das Unternehmen entwickelt und fertigt mechatronische Systeme für Fahrzeugtüren und -sitze sowie Elektromotoren und Elektronik, unter anderem für Lenkung, Bremsen, Getriebe und Motorkühlung.

Der Großteil der Stellenstreichungen, die bis Ende des Jahres 2022 umgesetzt sein sollen, entfällt auf die Verwaltung sowie auf die Werke in Bamberg, Hallstadt, Coburg und Würzburg. Die Produktion von Türschlössern in Wuppertal mit 200 Beschäftigten soll verlagert werden.

Es gehe auch um den Abbau von Bürokratie und Hierarchien, sagte Sauernheimer. Betriebsbedingte Kündigungen wolle Brose weitgehend vermeiden. Nur durch die Einsparungen könne sich Brose Spielraum für Investitionen in Wachstum schaffen.

Bereits im Mai hatte das Unternehmen ein Sparprogramm angekündigt, die Dimension war allerdings bisher unklar. Im vergangenen Jahr sank der Umsatz auf 6,3 Milliarden Euro, für 2019 plante Brose mit Erlösen in Höhe von 6,2 Milliarden Euro.

Brose gehört zu der Gruppe von Autozulieferern, die in der Branche als Vorzeigeunternehmen gelten und entsprechend schnell und hart durchgreifen, bevor eine allzu große Verlustsituation eintritt. Über allem wacht Michael Stoschek, der Vorsitzende der Gesellschafterversammlung.

Das straffe Regiment des 71-Jährigen ist in der Branche bekannt. Bereits anlässlich des 100-jährigen Standortjubiläums in Coburg appellierte er an seine Mitarbeiter: „Wir wollen wieder an die Eigenschaften eines Familienunternehmens anknüpfen, die uns in der Vergangenheit ausgezeichnet haben und die der Grund unseres außerordentlichen Erfolgs gewesen sind. Dazu haben wir das größte Erneuerungsprogramm in der Unternehmensgeschichte angestoßen.“

Obwohl Geschäft und Erlöse hinter den Erwartungen bleiben, will Brose in den kommenden drei Jahren 1,5 Milliarden Euro in die Entwicklung neuer Produkte, technischer Anlagen und den weltweiten Ausbau von Standorten investieren. Unter anderem entsteht ein Werk in Serbien, das 2024 mit 1000 Mitarbeitern in Betrieb gehen soll. „Wir sind ein stabiles Unternehmen. Ich bin zuversichtlich, dass wir das gute Ende erwischen“, sagte Sauernheimer kürzlich.

Viele Firmen betroffen

Die Coburger sind mit ihren Sorgen nicht allein: Die Liste der Zulieferer ist lang, die derzeit wegen der schwächelnden Wirtschaft unter Druck geraten. So kündige Mahle kürzlich an, ein Werk mit 250 Beschäftigten zu schließen und 400 Stellen in der Zentrale in Bad Cannstatt abzubauen. Beim fränkischen Familienunternehmen Schaeffler sollen 900 Stellen abgebaut werden. Der Filterhersteller Mann+Hummel steckt mitten im Abbau von 1200 Stellen. Der Pressenhersteller Schuler plant, 500 Arbeitsplätze zu streichen. Continental erwägt sogar Werkschließungen.

Weltmarktführer Bosch rechnet wegen der schwachen Dieselnachfrage mit einem deutlichen Stellenabbau. Und auch bei ZF sind die Beschäftigten nervös.

Unternehmen mit hausgemachten oder strukturellen Problemen schon zu Boomzeiten leiden nun besonders unter der schwächelnden Konjunktur. So kündigte Leoni an, 2000 Stellen abzubauen. Und der Lackieranlagenbauer Eisenmann und der süddeutsche Zulieferer Weber Automotive mussten gar Insolvenz anmelden. Davon sind mehrere Tausend Stellen betroffen.

Mehr: Die Investmentbank Lazard und die Berater von Roland Berger haben die Bilanzen von 600 Autozulieferern weltweit ausgewertet. Ihr Fazit ist erschütternd.

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  • Ein weiterer substanzieller Beitrag Deutschlands zum Klimaschutz. Als Klimaschützer kann ich nur hoffen, daß die Dynamik hier weiter hoch bleibt. Klimaneutralität kann bis 2025 erreicht werden.