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Ford-Präsentation in Amsterdam

Die Zukunft soll beim elektronischen Antrieb liegen – doch viel ist davon nicht zu spüren.

(Foto: Ford)

Automobilindustrie Ford präsentiert neue Modelle für Europa – aber Batterieautos fehlen

Der Europa-Chef des Autobauers verspricht eine umfassende Elektrifizierung der Modellpalette. Doch rein batteriegetriebene Fahrzeuge fehlen.
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AmsterdamBühne frei für Steven Armstrong: Schnellen Schrittes betritt der Europachef von Ford die begehbare Leinwand. Es ist ein ungewöhnlicher Ort, den sich der europäische Ableger des US-Autokonzerns für die Präsentation seiner neuen Modelle ausgesucht hat.

Ford hat in dieser Woche alle Händler des Kontinents in eine stillgelegte Zuckerfabrik am Stadtrand von Amsterdam eingeladen. Sie sollen sich ein Bild davon machen, welche Autos künftig in ihren Schauräumen stehen werden.

Europachef Armstrong greift zu großen Worten, als er seine Präsentation beginnt. Er spricht von einem „historischen“ Tag für Ford. Zum ersten Mal in seiner Geschichte beginne das Unternehmen mit einer umfassenden Elektrifizierung seiner Fahrzeugflotte.

Eine Lasershow umrahmt die beinahe euphorische Ankündigung des Managers. Im Hintergrund erinnern die leeren Zuckerkessel an die Vergangenheit des Ortes, an dem Ford in dieser Woche seine neuen Autos präsentiert.

Die Neuheiten sind der Hoffnungsschimmer für das europäische Management von Ford. Die Nachrichten aus den vergangenen Wochen waren durchgängig miserabel. Nach den 400 Millionen Dollar Jahresverlust für 2018 drängt die Konzernzentrale im fernen Detroit auf schnelle Änderungen.

„Mit elektrisch angetriebenen Autos unterwegs zu sein verspricht ein völlig neues Fahrgefühl.“ Quelle: AP
Ford-Europachef Steven Armstrong

„Mit elektrisch angetriebenen Autos unterwegs zu sein verspricht ein völlig neues Fahrgefühl.“

(Foto: AP)

Und einiges ist bereits passiert: So werden in Deutschland 5000 Stellen gestrichen, und in seinen russischen Werken gibt Ford die Pkw-Produktion komplett auf und schließt zwei Fabriken.

„Wir brauchen endlich wieder positive Signale“, sagt ein Manager aus der Europazentrale in Köln. Neue Autos seien vor allem auch eine Botschaft an die Belegschaft: Es gehe doch noch weiter, es gebe so etwas wie Zukunft für den europäischen Zweig von Ford und nicht nur einen radikalen Stellenabbau samt Werksschließungen.

Ford will sich am Stadtrand von Amsterdam als fortschrittlicher und moderner Autohersteller präsentieren. 16 neue Modelle stehen in der Präsentation auf dem Programm, acht davon sollen noch in diesem Jahr in Europa auf den Markt kommen.

„Mild-Hybrid gegen Aufpreis“

Die durchgehende Elektrifizierung der Modellpalette soll den Fortschritt signalisieren: Von jedem Fahrzeug wird es in Zukunft mindestens eine elektrische Variante geben. „Mit elektrisch angetriebenen Autos unterwegs zu sein verspricht ein völlig neues Fahrgefühl“, betont Armstrong.

Erst fahren elektrisch angetriebene Kleintransporter des Ford-Modells „Transit“ auf der Bühne vor, dann folgen ein neuer Kombi und schließlich reguläre Pkws wie Fiesta und Focus. Die beiden Personenwagen sind die Schlüsselmodelle für den deutschen Ford-Teil.

Die Autos werden ausschließlich in den Fabriken in Köln und Saarlouis produziert. Sie bekommen eine zusätzliche „Mild-Hybrid-Variante“: Gegen einen Aufpreis von etwa 1000 Euro können sie mit einem 48-Volt-Elektroaggregat ausgerüstet werden, das dem Verbrennungsmotor zusätzlichen Schub verleiht. Der Kraftstoffverbrauch kann damit etwa um zehn Prozent gesenkt werden.

In den USA hat sich Ford schon weitgehend aus der Fertigung von klassischen Pkws zurückgezogen. Amerikanische Kunden bevorzugen eindeutig Pick-ups und SUV-Geländewagen. Zumindest bei den SUVs verfolgt der US-Konzern in Europa eine ähnliche Strategie wie in den Vereinigten Staaten – das Modellangebot soll deutlich ausgebaut werden.

Auf der Bühne von Amsterdam fährt deshalb der neue Kuga vor, ein Kompakt-SUV in dritter Generation, der es vor allem mit dem Tiguan von Volkswagen aufnehmen muss. Jedes dritte in Europa verkaufte Auto ist heute bereits ein SUV, bei Ford allerdings nur jedes fünfte.

„Daran werden wir jetzt etwas ändern“, verspricht Jörg Beyer, der deutsche Technikvorstand von Ford Europa. Wie schon das Vorgängermodell wird der Kuga wieder im spanischen Ford-Werk in der Nähe von Valencia produziert. Elektrische Varianten sind auch beim neuen SUV vorgesehen.

Einen größeren Geländewagen, den Explorer, wird Ford nicht in Europa produzieren, sondern aus den USA importieren. Das Modell wird auf dem europäischen Markt ausschließlich für den Kontinent angeboten – ein Rechtslenker für Großbritannien und Irland lohnt sich nach Unternehmensangaben nicht.

Lücke in der Präsentation

Zusätzlich soll es im nächsten Jahr auch einen kleineren SUV unterhalb des Kuga geben. Ford reaktiviert dafür den alten Produktnamen Puma. Unter diesem Label hatte es vor 20 Jahren ein sportliches Coupé aus Köln gegeben, jetzt ist dieser Name für den SUV reserviert. Doch der künftige Puma soll nicht wieder in einem deutschen Werk, sondern in Rumänien gefertigt werden. Der kleine SUV teilt immerhin den Baukasten mit dem Fiesta aus Köln.

Auch wenn Ford in Amsterdam zum wiederholten Mal die durchgängige Elektrifizierung seiner europäischen Modellpalette verspricht, so tut sich bei der Präsentation eine deutliche Lücke auf: Rein batteriebetriebene Pkws und SUVs aus europäischer Fertigung sind nirgends zu sehen.

Ford kämpft gerade darum, in Europa bleiben zu können. Herbert Diess, VW-Vorstandschef

Armstrong deutet an, dass im kommenden Jahr mit dem Verkauf eines rein batteriebetriebenen Luxus-SUV auf Basis des bekannten Ford Mustang begonnen wird. Doch dieses Auto wird aus einer amerikanischen Fabrik kommen, entwickelt auf Basis eines US-Baukastens. Das Fahrzeug, das wahrscheinlich „Mach E“ heißen wird, kann die Auslastungsprobleme gerade der beiden deutschen Pkw-Werke dauerhaft nicht lösen.

„Ford kämpft gerade darum, in Europa bleiben zu können“, hatte VW-Vorstandschef Herbert Diess vor zwei Wochen auf einer Betriebsversammlung in Wolfsburg gesagt. Doch Volkswagen könnte eine Schlüsselrolle dabei bekommen, die Zukunftsprobleme von Ford Europa zu lösen.

Ford und VW verhandeln darüber, dass der US-Konzern in Europa den Elektrobaukasten MEB von den Wolfsburgern übernimmt. Ford könnte damit große Beträge bei den eigenen Entwicklungskosten sparen.

In Amsterdam will sich niemand konkret zum aktuellen Stand der Verhandlungen äußern. „Wir machen Fortschritte“, sagt Armstrong dem Handelsblatt. Zumindest ist die Hoffnung da, dass eine Einigung mit Volkswagen zustande kommt. Dann werden vielleicht eines Tages Elektroautos auf VW-Basis in Köln produziert.

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