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Automobilindustrie VW-Betriebsrat fordert neue E-Autos für das Stammwerk

Der VW-Betriebsrat sorgt sich um die Zukunft des Werks in Wolfsburg. Der Konzern müsse schnell ein „volumenfähiges Modell“ bauen, um die Auslastung zu erhöhen.
03.10.2021 - 16:14 Uhr Kommentieren
Das Stammwerk soll jetzt noch schneller als geplant neue E-Modelle bekommen, fordert der Betriebsrat. Quelle: AFP/Getty Images
VW-Werk Wolfsburg braucht neue Modelle

Das Stammwerk soll jetzt noch schneller als geplant neue E-Modelle bekommen, fordert der Betriebsrat.

(Foto: AFP/Getty Images)

Düsseldorf „Planungsrunde“ ist in Wolfsburg ein geflügeltes Wort. Dahinter steckt das alljährliche Ritual, mit dem der Volkswagen-Aufsichtsrat Mitte November die Investitionsplanung für die nächsten fünf Jahre festlegt.

Es geht um viel Geld: Ein dreistelliger Milliardenbetrag muss weltweit über rund 120 Standorte verteilt werden. Damit wird zugleich die Werkebelegung der nächsten Jahre festgelegt. Welche Fabrik wird welches Auto produzieren und hat damit eine gesicherte Zukunft?

Knapp sechs Wochen sind es noch, bis der VW-Aufsichtsrat am 12. November die nächste Investitionsplanung beschließen wird. Und schon jetzt steht fest: Um das Stammwerk Wolfsburg gibt es erheblichen Streit zwischen Management und Betriebsrat. Die Arbeitnehmer fürchten um die Zukunft der größten VW-Fabrik und verlangen deshalb schnelle Zusagen für weitere Modelle.

„Der Standort braucht einen rascheren Weg in die E-Mobilität“, forderte Betriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo am Wochenende. Wolfsburg ist bei der Umrüstung der Volkswagen-Fabriken auf neue Elektromodelle bislang außen vor geblieben. In den vergangenen Jahren hatten andere Standorte wie Zwickau, Emden und Hannover den Vorzug bekommen – auch mit Zustimmung der Arbeitnehmervertreter im VW-Aufsichtsrat.

VW-Stammwerk Wolfsburg: Anschluss ans Elektrozeitalter verpasst?

Doch in der Wolfsburger Belegschaft wachsen inzwischen die Sorgen, dass das Stammwerk den Anschluss an die neue Elektrozeit verpasst. Bislang gibt es vom Unternehmen die Zusage, dass in Wolfsburg die zweite Generation der VW-Elektroautos (konzernintern „Trinity“-Projekt genannt) vom Band laufen wird. Produktionsstart wäre 2026, also in fünf Jahren.

Die Arbeitnehmer pochen jetzt darauf, dass Wolfsburg sein erstes E-Auto schon deutlich früher bekommt, am besten 2024. „Es ist an der Entwicklung der Zahlen schon abzusehen, dass der Trinity zur Auslastung des Werkes nicht ausreichen wird“, betonte der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Gerardo Scarpino. Wolfsburg brauche ein zusätzliches „volumenfähiges Modell“, also mit hohen Stückzahlen wahrscheinlich im niedrigen sechsstelligen Bereich.

Der Konzern will sich zu den neuen Forderungen der Betriebsräte nicht äußern. In Unternehmenskreisen sorgt die neue Forderung der Betriebsräte aber für Unverständnis. Schließlich hätten Arbeitnehmervertreter vor vier Jahren zugestimmt, dass Wolfsburg erst vergleichsweise spät bei der Elektrifizierung an die Reihe kommt.

Ende vergangener Woche betonte Konzernchef Herbert Diess bei einem Treffen mit Führungskräften: „Trinity wird Wolfsburg revolutionieren“ – und trete damit in unmittelbaren Wettbewerb zur neuen deutschen Fabrik des US-Konkurrenten Tesla unweit von Berlin.

VW-Chef Diess will Konkurrenzkampf gegen Tesla gewinnen

Diess hatte schon in der Vergangenheit wiederholt darauf hingewiesen, dass das Wolfsburger Werk deutlich produktiver werden müsse, um gegen Tesla bestehen zu können. Er appellierte an seine Topmanager, den Herausforderer aus den USA wirklich ernst zu nehmen.

Im VW-Stammwerk arbeiten schätzungsweise 20.000 Menschen in der Fahrzeugproduktion. Die Fabrik in Wolfsburg lebt im Wesentlichen von zwei Fahrzeugen, vom Dauerläufer Golf und dem SUV-Modell Tiguan.

Beide Autos sind eigentlich Erfolgsgaranten für Volkswagen. Doch mit der zunehmenden Elektrifizierung werden diese beiden Autos nicht mehr ausreichen, um die Wolfsburger Fabrik auszulasten. Golf und Tiguan gibt es maximal als Plug-in-Hybride, nicht als vollelektrische Varianten.

Vor drei Jahren plante Volkswagen noch damit, dass die Jahresproduktion im Wolfsburger Stammwerk von etwa 800.000 auf eine Million Fahrzeuge ausgebaut wird. Doch in der Realität ist genau das Gegenteil passiert, die jährlichen Produktionszahlen bewegen sich immer weiter nach unten.

2019, also ohne Sondereffekte aus Coronapandemie und Chipmangel, war Wolfsburg bei rund 700.000 Autos angekommen. 2020 waren es dann coronabedingt etwa 500.000 Fahrzeuge. Wegen fehlender Halbleiter und der damit verbundenen Kurzarbeit dürfte Volkswagen in Wolfsburg in diesem Jahr nicht einmal mehr die halbe Million schaffen.

VW Golf hat seinen Zenit als Verkaufsschlager erreicht

Der VW-Konzern hatte die Golf-Fertigung in Nordamerika eingestellt und das Produktionsvolumen nach Wolfsburg verschoben. Doch auch diese zusätzlichen Stückzahlen reichen nicht mehr aus, um das Stammwerk dauerhaft zu füllen. Nach mehr als 40 Jahren hat gerade der Golf seinen Zenit überschritten. Über Jahrzehnte hinweg war das Auto stets das meistverkaufte Modell in Europa. Doch inzwischen wird der Golf immer häufiger von Konkurrenten überrundet – wie zuletzt im Juli und August dieses Jahres.

Die jüngsten, vom Chipmangel ausgelösten Produktionsausfälle haben die Wolfsburger Belegschaft zusätzlich verunsichert. Kurzarbeit sind die VW-Beschäftigten aus der Vergangenheit allenfalls über Wochen gewohnt, nicht aber über Monate. „Sie kennen solch lange Kurzarbeitsphasen nicht“, sagte Betriebsratschefin Cavallo.

Auch wenn Wolfsburg nur eine von weltweit rund 120 Produktionsstätten des Konzerns ist und andere Fabriken ebenfalls ausgelastet werden müssen: Das Stammwerk genießt dann doch hohe Priorität, weil es für die Wurzeln und die Tradition des gesamten Unternehmens steht.

Starke gewerkschaftliche Verwurzelung am Standort Wolfsburg

Außerdem begründen sich Macht und Einfluss des Betriebsrates auf seine starke Stellung in Wolfsburg. In keiner anderen Stadt in Deutschland gibt es eine größere Ortsverwaltung der IG Metall. Die obersten Vertreter des Betriebsrates kommen immer aus Wolfsburg und nicht etwa von starken Konzerntöchtern wie Audi und Porsche. Das gilt auch für die aktuelle Betriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo und ihren Vorgänger Bernd Osterloh.

Diese starke Verwurzelung in Wolfsburg ist eine Verpflichtung für die seit dem Frühjahr amtierende neue Betriebsratschefin Cavallo, sich ganz besonders für die größte Fabrik des Konzerns einzusetzen. Sie hat nur dann Macht und Einfluss auf das gesamte Unternehmen, wenn die Belegschaft in Wolfsburg hinter ihr steht.

Im nächsten Frühjahr werden überall in Deutschland – nicht nur bei Volkswagen – neue Betriebsräte gewählt. Daniela Cavallo hatte ihr neues Amt im Frühjahr von Bernd Osterloh übernommen, ohne eine umfassende Zustimmung durch die Gewerkschaftsbasis. Die Wahlen werden deshalb zu einem wichtigen Testlauf für die Betriebsratsvorsitzende.

Mehr: Erneuter Chipmangel: Die Autoindustrie hat Vertrauen verspielt

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