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Automobilunternehmen Saarland: Autoland am Scheideweg

Der Absatzeinbruch macht der Kernbranche des Bundeslandes zu schaffen – doch es gibt Hoffnung: Experten halten die Automobilunternehmen in der Region für international wettbewerbsfähig und kaum ein europäisches Fahrzeug kommt ohne Teile aus dem Saarland aus.
  • Joachim Penner
Für den Automobilstandort Saar stehen so renommierte Namen wie das Ford-Werk in Saarlouis. Quelle: dpa

Für den Automobilstandort Saar stehen so renommierte Namen wie das Ford-Werk in Saarlouis.

(Foto: dpa)

SAARBRÜCKEN. Infolge der Wirtschaftskrise sieht es in der saarländischen Automobilbranche düster aus. Kurzarbeit ist unumgänglich: 20 000 Mitarbeiter könnten betroffen sein, es sind Umsatzrückgänge von 20 bis 40 Prozent zu erwarten. Das wären zwei bis vier Mrd. Euro vom Gesamtumsatz von zehn Mrd. Euro jährlich. Negativ wirkt sich nun ein früherer Erfolgsfaktor aus – die Exportstärke: 60 Prozent der Einnahmen erwirtschaften die Betriebe im Ausland. Doch die Krise kann auch eine Chance sein. Das Münchener Institut für Wirtschaftsanalyse und Kommunikation (IWK) bescheinigt der saarländischen Automobilwirtschaft eine gute Zukunft – wenn der aktuelle Nachfrageeinbruch zu Ende geht. Schon heute kommt kaum ein europäisches Fahrzeug ohne Teile aus dem Saarland aus.

Für den Automobilstandort Saar stehen renommierte Namen. So betreibt Ford in Saarlouis eine Fertigungsstätte. Und auch die Zulieferer haben das Saarland für sich entdeckt: Von Bosch in Homburg kommen die Common-Rail-Einspritzpumpen für moderne Diesel, von ZF-Saarbrücken stammen Getriebeautomaten für höchste Ansprüche. INA-Schaeffler fertigt in Homburg Kugellager. Dort schmiedet auch Thyssen-Krupp Gerlach Kurbelwellen. Die zahlreichen Zulieferer bilden mit mehr als 46 000 Mitarbeitern das Rückgrat der saarländischen Industrie. Automotive ist der wichtigste Wirtschaftszweig an der Saar. Diese Entwicklung geht nicht zuletzt auf die jahrzehntelange regionale Strukturpolitik zurück.

Das Bundesland hat aus der Not eine Tugend gemacht: Als zunächst die Unternehmen im Kohlebergbau und dann auch in der Stahlherstellung Personal abbauen mussten, standen industriegewohnte, auch für den Drei-Schicht-Betrieb bereite und fachlich qualifizierte Arbeitnehmer zur Verfügung. Viele von ihnen fanden im Automobilsektor eine neue Perspektive.

Die über Jahrzehnte hinweg in Deutschland expandierende Branche hat ihre Chance genutzt, zumal die Löhne an der Saar für die Arbeitgeber relativ günstig waren. Und das soziale Klima im Saarland gilt als eher konsensorientiert. Experten halten die Automobilunternehmen in der Region für international wettbewerbsfähig. Das hat erst jüngst eine Studie des Instituts für Wirtschaftsanalyse und Kommunikation in München bestätigt.

Die Firmen wollen daher in der Krise noch stärker werden – das ist auch das erklärte Ziel von Armin Gehl. Er ist Chef des Automotive-Clusters Saarland, zu dem bereits eine Vielzahl von Firmen zählt: Saarstahl Völklingen liefert Reifendraht und den High-Tech-Stahl für Einspritzpumpen, Michelin produziert in Homburg Lkw-Reifen, Eberspächer stellt Auspuffsysteme her, Nemak ist mit Aluminium-Motorblöcken aus Saarbrücken-Brebach international im Geschäft. Hydac aus Sulzbach macht Hydraulik-Komponenten und Saargummi steuert Dichtungen bei. Hauptabnehmer all der Teile sind BMW, Mercedes-Benz, Volkswagen und Renault. So stammt etwa ein Viertel des neuen Mercedes GLK aus saarländischer Fertigung, und auch der neue 7-er BMW ist ein echter Saarländer.

Neben der industriellen Fertigung bemüht sich das Bundesland zunehmend um Innovationen. Eine Keimzelle ist das Entwicklungszentrum Automotive Quality Saar (AQS), das zum Fraunhofer-Institut für zerstörungsfreie Prüfverfahren (IZFP) an der Universität des Saarlandes gehört. Dort entwickeln Ingenieure und Wissenschaftler neue Verfahren und Techniken für Autohersteller und -zulieferer. Die Innovationen sollen Fahrzeuge noch leichter machen und so helfen, Energie einzusparen. Die Forscher wollen zudem die Lebensdauer und Zuverlässigkeit von Autoteilen steigern.

Das Saarland ist nicht nur dank seiner zentralen Lage in Westeuropa auch ein Standort für große Logistik-Firmen. Der „Arbeitskreis Just-in-time“ und das Institut für Produktions- und Logistiksysteme (IPL) eröffnen den Autoherstellern und Zulieferern neue Spielräume, um Kosten zu senken. Schließlich wird die internationale Konkurrenz immer größer, nicht zuletzt aus Osteuropa. Um mit den großen Autoherstellern im Geschäft zu bleiben, müssen die Zulieferfirmen komplexere Lösungen zu niedrigeren Preisen anbieten.

Als Automobilland wollen die Saarländer international führend bleiben. Daher hat sich Ministerpräsident Peter Müller (CDU) zum Ziel gesetzt, das Saarland zur Modellregion für Elektroautos zu entwickeln. Wegen seiner räumlichen Überschaubarkeit und der ausgezeichneten Infrastruktur eigne sich das Saarland als Testregion besonders gut.

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