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Automobilzulieferer Mahle kürztIm Schwabenland droht der Stellenabbau

Deutschlands viertgrößter Autozulieferer Mahle will Hunderte Stellen abbauen. Die Personalkosten sollen in Deutschland um 15 Prozent gesenkt werden. Ein internes Papier listet die Sparpläne im Detail auf.Andreas Dörnfelder 18.02.2015 - 14:46 Uhr Artikel anhören

Der Autoteilehersteller will Kosten senken.

Foto: dpa

Stuttgart. Der Titel klingt hoffnungsvoll: „Zukunftskonzept“, steht auf einem internen Papier aus der Führungsetage des Automobilzulieferers Mahle. Doch was dann folgt, liest sich wie ein Abgesang auf den Autostandort Deutschland. Der Preisdruck der Hersteller halte weiter an. „Steigende Tariflöhne können (…) nicht kompensiert werden.“ Es gelinge immer weniger, für deutsche Standorte Aufträge zu gewinnen. Investitionen seien „nur beschränkt möglich“. Der Mitarbeiterstand solle daher „so weit wie möglich reduziert werden.“

Mahle, der mit rund zehn Milliarden Euro Umsatz viertgrößte Autozulieferer der Republik, will in Deutschland seine Personalkosten um 15 Prozent senken – und dazu bis 2019 Hunderte Stellen abbauen. Am 30. Juni endet ein Vertrag zur Beschäftigungssicherung. Doch die Betriebsratschefs Uwe Schwarte und Dieter Kiesling sprechen vorerst nicht mehr mit Konzernboss Heinz Junker und Personalchef Michael Glowatzki. Für Donnerstag rufen sie gemeinsam mit der IG Metall zu einem bundesweiten Warnstreik auf.

Neue Werke in Polen, Ungarn, der Türkei?

Zuletzt schrieben etwa die Hälfte der zwei Dutzend deutschen Mahle-Produktionen rote Zahlen. Dass der Konzern demnächst trotzdem wieder einen dreistelligen Millionengewinn ausweisen dürfte, verdankt er fast allein den Auslandswerken – und der 2013 mehrheitlich übernommenen Klimatechnik-Tochter Behr.

Konzernchef Heinz Junker reicht das nicht. Im Sommer wechselt er nach 19 Jahren an der Spitze in den Aufsichtsrat. Dann übernimmt der bisherige Bosch-Manager Wolf-Henning Scheider. Doch vor der Übergabe will Junker noch einen Umbruch anstoßen. Die geplante Übernahme der Thermo-Sparte des US-Rivalen Delphi brächte dem Konzern neue Werke in Niedriglohnländern wie Polen, Ungarn oder der Türkei. In diesen Tagen könnte sich der Deal entscheiden. Im teuren Deutschland soll Mahle dagegen in erster Linie: Sparen. Vor allem an den „kritischen Standorten“.

Mahles „kritische Standorte“

Beispiel Gaildorf: Seit die Gießerei geschlossen wurde, steht das Werk im Nordosten Baden-Württembergs zu einem großen Teil leer. Im vergangenen Jahr rechnete Mahle mit mehr als sechs Millionen Euro Verlust. Nun sollen bis 2019 bis zu 100 der rund 350 Stellen wegfallen.

Beispiel Öhringen: Das gut 40 Autominuten von Gaildorf entfernte Filterwerk schrieb zuletzt ähnlich hohe Verluste. Die Konzernführung plane aktuell keine neuen Aufträge, heißt es aus Unternehmenskreisen. Jetzt seien mindestens 30 der 385 Stellen in Gefahr.

Beispiel Rottweil: Knapp sieben Millionen Euro Verlust sollen 2014 am Rand des Schwarzwalds aufgelaufen sein. Statt Aluminiumkolben werden nun Stahlkolben gebaut. Für Pkw ließen die sich langfristig aber nicht wirtschaftlich herstellen, steht in dem internen Papier. Von 1000 Stellen will Mahle bis zu 300 abbauen.

Beispiel Wustermark: Das Werk in Brandenburg schreibt seit Jahren Millionenverluste. Ende des Jahres stellt Mahle die Produktion der gebauten Nockenwelle ein. Stattdessen könnte eine neu entwickelte Ölpumpe in Serie gehen. Die Zukunft der 89 Stellen ist offen.

Auch in Stuttgart, im nahen Eislingen, im westfälischen Plettenberg, im hessischen Wölfersheim und im badischen Zell würde Mahle laut des Papiers gern Stellen streichen – obwohl diese Werke zuletzt profitabel waren.

Eine Mahle-Sprecherin bestätigte, dass es unter dem bestehenden Preisdruck zunehmend schwieriger werde, konkurrenzfähige Angebote an deutschen Standorten zu platzieren. Zu einzelnen Werken sagte sie nichts. Eine neue Beschäftigungsgarantie sei nur möglich, wenn die Wettbewerbsfähigkeit auch bei den Personalkosten deutlich verbessert werden könne.

Was das bedeuten kann, zeigt sich auch im schwäbischen Markgröningen: Dort verhandelt Mahle mit dem Betriebsrat über einen Sozialplan für 70 Mitarbeiter, weil der Motorsägenhersteller Stihl bis 2016 alle Aufträge abzieht. Im benachbarten Kornwestheim sind die Verhandlungen bereits abgeschlossen: Bis 2019 schließt Mahle den Standort. Die 286 Mitarbeiter sollen in Mühlacker, Stuttgart-Feuerbach und Bad Cannstatt unterkommen.

Als kritisch gilt auch der württembergische Standort Leibertingen. Das Werk soll seit Bestehen mehr als 40 Millionen Euro verbrannt haben. Mahle-Chef Junker erwägt trotzdem, neue Aufträge für gebaute Nockenwellen nach Leibertingen zu verlagern und bis zu 140 Stellen aufzubauen. Im Gegenzug sollen die Mitarbeiter für gleichen Lohn länger arbeiten.

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Angriff auf Tarifvertrag

Geht es nach Junker, darf Mahle künftig an allen deutschen Standorten den Flächentarif um bis zu 15 Prozent unterschreiten. Dafür bräuchte er jedoch die Zustimmung der IG Metall – und die wehrt sich. „Würden wir Mahle das zugestehen, bekämen wir einen Dammbruch. Dann wollten alle Zulieferer unseren Tarifvertrag umgehen“, sagt der Stuttgarter Metaller Uwe Meinhardt.

Die Strategie der Mahle-Chefs: Um die Gewerkschaft umzustimmen, versuchen sie zunächst ihre Betriebsräte von den Sparplänen zu überzeugen. „Ohne eine Einigung über solche Maßnahmen ist aus wirtschaftlicher Sicht die Zukunft verschiedener Standorte gefährdet“, sagt die Mahle-Sprecherin.

Noch ist keine Einigung in Sicht. Gewerkschafter Meinhardt: „Bei uns ist das Unternehmen noch nicht vorstellig geworden.“

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