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Automobilzulieferer Sechs Monate früher als geplant: Bosch eröffnet neue Chipfabrik in Dresden

Eine Milliardeninvestition ermöglicht Bosch den Vorstoß in die „Königsdisziplin der Halbleitertechnik“ – und hilft gegen Lieferengpässe bei Chips für die Autoindustrie.
07.06.2021 Update: 07.06.2021 - 16:36 Uhr Kommentieren
Mit einer Milliarde Euro ist das Chipwerk in Dresden Boschs größte Einzelinvestition. Quelle: Bosch
Bosch-Fabrik

Mit einer Milliarde Euro ist das Chipwerk in Dresden Boschs größte Einzelinvestition.

(Foto: Bosch)

Stuttgart Die an diesem Montag eröffnete neue Fabrik von Bosch in Dresden wird bereits im Juli erste Chips für Elektrowerkzeuge ausliefern. „Wir nehmen Fahrt auf und starten mit unserer Produktion ein halbes Jahr früher als geplant“, sagte Bosch-Chef Volkmar Denner.

Der Produktionsstart für Autochips folge im September – dann immer noch drei Monate früher als ursprünglich geplant. Mit einer Milliarde Euro ist das Werk die größte Einzelinvestition in der Firmengeschichte.

Über den vorgezogenen Anlauf freute sich besonders Angela Merkel, die digital zur Eröffnung dazugeschaltet wurde. „Das ist ja in Deutschland nicht immer so. Deshalb sticht es heraus“, sagte die Bundeskanzlerin am Montag. Das Beispiel Bosch zeige: „Wir können Hightech, wir können Innovation und damit können wir auch zuversichtlich in die Zukunft schauen.“

Aber Merkel mahnte auch mehr Ehrgeiz an: „Unsere Wettbewerber schlafen nicht“. Deutschland sei bei der Chiptechnologie nicht in der Pole-Position, sondern müsse aufholen und dabei groß denken. „Wenn wir nur kleine Brötchen backen würden, könnten wir auch keine Maßstäbe als Technologiestandort setzen“, sagte die Kanzlerin.

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Standort erkennen

    Der weltgrößte Automobilzulieferer hatte sich 2017 nach einem weltweiten Städtevergleich für Dresden als Standort entschieden. „Silicon Saxony“ gilt als Europas größter Mikroelektronik-Standort. Der Münchner Dax-Konzern Infineon sowie der Auftragsfertiger Globalfoundries betreiben hier große Werke. 2500 Betriebe mit 70.000 Beschäftigten haben sich entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Halbleiter angesiedelt.

    Ohne die 200 Millionen Euro staatlicher Gelder im Rahmen der EU-Vorgaben wäre die Fabrik aber wohl nicht nach Dresden gekommen. „Halbleiter helfen, die Wettbewerbsfähigkeit Europas als Wiege für Spitzeninnovationen zu stärken“, sagte EU-Kommissions-Vize Margrethe Vestager anlässlich der Werkseröffnung.

    Dresden zeige, „welch ausgezeichnete Ergebnisse sich erzielen lassen, wenn Industrie und öffentliche Hand ihre Kräfte bündeln“. Die EU und die Mitgliedsländer hätten mit ihrem zwei Milliarden Euro schweren Förderprogramm private Investitionen über sieben Milliarden Euro in die Mikroelektronik ausgelöst.

    Die Chips, die in Dresden aus 300 Millimeter großen Silizium-Scheiben gefertigt werden, regeln beispielsweise den Energiefluss in Elektroautos oder steuern Fahrerassistenzsysteme. Halbleiter gelten als die Muskeln, die Sinnesorgane und das Gehirn im Internet der Dinge (IoT). Bosch-Chef Denner kündigte an, dass künftig auch Quantentechnologie dazukommen werde. „Wir werden Sensoren sehen, die hundertmal präziser messen können“, sagte Denner.

    Die Chip-Produktion im Reinraum der neuen Bosch-Fabrik. Quelle: Bosch
    Bosch-Halbleiterfabrik in Dresden

    Die Chip-Produktion im Reinraum der neuen Bosch-Fabrik.

    (Foto: Bosch)

    Es lockt ein riesiges Geschäft: Nach Einschätzung von Bosch wird der Markt für Halbleiter allein in diesem Jahr um voraussichtlich elf Prozent auf mehr als 400 Milliarden Euro anwachsen. 1998 betrug der Wert der Mikroelektronik, die in einem Neuwagen verbaut wurde, noch 120 Euro. Im Jahr 2018 lag dieser Wert bereits bei 500 Euro – und 2023 wird er nach Berechnungen des Branchenverbands ZVEI voraussichtlich 600 Euro übertreffen. Vor fünf Jahren waren noch durchschnittlich neun Chips von Bosch in jedem Neuwagen verbaut, 2019 waren es nach Unternehmensangaben bereits 17.

    Die komplette Fabrik hat einen digitalen Zwilling

    Bosch kann man zwar nicht mit Chip-Giganten wie Intel oder Samsung vergleichen, aber auf dem speziellen Markt für Autochips rangieren die Schwaben immerhin auf Rang sechs. So schickten auch die Chefs von unter anderen Intel, Infineon, Nvidia, Texas Instruments, Daimler, GM und BMW Video-Glückwünsche zur Eröffnung.

    „Chips für Fahrzeuge sind die Königsdisziplin der Halbleitertechnik. Denn im Auto müssen die kleinen Bausteine besonders widerstandsfähig sein“, sagte der für das Halbleitergeschäft zuständige Bosch-Geschäftsführer Harald Kröger. So müssen die Chips über die gesamte Lebensdauer eines Fahrzeugs starke Vibrationen und Temperaturschwankungen aushalten. Bosch verwendet einen Großteil seiner Halbleiter für eigene Steuergeräte. In der tiefen Verzahnung und Kenntnis von Software und Halbleitern sieht die Bosch-Führung einen großen Wettbewerbsvorteil auch in der Entwicklung.

    Zeit spielt auf dem schnelllebigen Chipmarkt ohnehin eine große Rolle – in der aktuellen Halbleiterkrise mit großen Lieferengpässen umso mehr. Der vorgezogene Produktionsstart war auch möglich, weil Bosch in Dresden erstmals das Internet der Dinge mit Künstlicher Intelligenz (Artificial Intelligence, AI) verknüpft (AIoT). Die komplette Fabrik gibt es als sogenannten digitalen Zwilling virtuell bis ins letzte Detail. „Auf diese Art soll die Fabrik voll vernetzt, datengesteuert und selbstoptimiert agieren. „Wir heben in Dresden die Produktion von Halbleitern auf ein neues Level“, betonte Denner.

    Selbstoptimierende Algorithmen lernen nach der Darstellung von Bosch, aus den Daten Vorhersagen abzuleiten. So ließen sich Fertigungs- und Wartungsvorgänge in Echtzeit analysieren. Ein AI-Algorithmus erkennt dabei selbst kleinste Auffälligkeiten an den Produkten, die durch spezifische Fehlerbilder, sogenannte Signaturen, auf den Wafern sichtbar werden. Die Ursachen werden sofort analysiert und Prozessabweichungen umgehend korrigiert, noch bevor sie die Zuverlässigkeit des Produktes beeinflussen können.

    „Künstliche Intelligenz ist der Schlüssel, um Fertigungsprozesse und Qualität der Halbleiter weiter zu verbessern und einen hohen Grad an Prozessstabilität zu erreichen“, erklärte Denner. Das wiederum führt laut Bosch zu einem schnellen Serienstart von Halbleiterprodukten und erspart Kunden aufwendige Erprobungen, wie sie sonst beispielsweise in der Automobilindustrie zur Freigabe einer neuen Fertigung notwendig sind.

    Mehr: Volkmar Denner und Franz Fehrenbach im Interview: CEO und Chefaufseher fordern „technologische Souveränität“

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