Autonomes Fahren Was sich Daimler und BMW von der Zusammenarbeit mit dem chinesischen IT-Riesen Baidu versprechen

Deutsche Autobauer forschen in China gemeinsam mit dem Internetkonzern Baidu am autonomen Fahren – auch weil sie dort keine andere Wahl haben.
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Der Daimler-Chef sprach in Hongkong über autonomes Fahren und künstliche Intelligenz. Quelle: Bloomberg
Dieter Zetsche in Hongkong

Der Daimler-Chef sprach in Hongkong über autonomes Fahren und künstliche Intelligenz.

(Foto: Bloomberg)

PekingDieter Zetsche ist ein häufiger Gast in China. Anfang Juli sprach er auf einer Konferenz in Honkong über künstliche Intelligenz und autonomes Fahren. Am Mittwoch folgten seinen Worten Taten: In Peking unterschrieb er eine Absichtserklärung für eine Zusammenarbeit mit dem chinesischen Technologiekonzern Baidu im Bereich autonomes Fahren und Konnektivität.

Zetsche nannte es einen „weiteren Meilenstein“ in der Partnerschaft mit dem Technologiekonzern. Baidus CEO Robin Li wiederum sagte, er hoffe, dass man gemeinsam den „Aufbau eines intelligenten Ökosystems“ vertiefen könne. Denn wie sein Rivale Google arbeitet auch Baidu an einem Betriebssystem fürs autonome Fahren.

Die offene Entwicklungsplattform nennt sich Apollo und wurde im April 2017 ins Leben gerufen. Daimler war damals einer der ersten Gründungspartner und trat im Dezember dem zehnköpfigen Apollo-Ausschuss bei.

Im Rahmen der Vereinbarung sollen zudem Baidus Konnektivitätsdienste in Mercedes Benz’ Infotainment-System MBUX integriert werden. Die für den chinesischen Markt bestimmten Limousinen der A-Klasse werden als erste mit dem erweiterten System auf den Markt gehen, weitere Modelle sollen folgen.

„Lokale Dienstleistungen für automatisiertes Fahren und Konnektivität lassen sich nur umsetzen, wenn man die vielen Besonderheiten versteht, die den chinesischen Markt einmalig machen“, begründete Hubertus Troska, der bei Daimler das China-Geschäft leitet, die Zusammenarbeit.

Kevin Li, Automobil-Experte bei der Beratungsfirma Strategy Analytics, drückt es direkter aus: „Um autonome Vehikel in China testen zu können, müssen ausländische Autobauer mit lokalen Anbietern zusammenarbeiten, die eine Kartenlizenz besitzen.“ Baidu besitze nicht nur das, sondern auch eine der fortschrittlichsten Cloud-Computing-Dienste und gute Sensorik.

Da die Lösungen des technisch besseren Waymo – Googles aufs autonome Fahren spezialisiertes Unternehmen – in China nicht zur Verfügung stünden, sei Apollo zurzeit „die beste und tatsächlich einzig realistische Wahl“, meint der in Peking ansässige, unabhängige Auto-Analyst Zhong Shi.

China investiert massiv in die Entwicklung der Technologie

Anfang Juli hatte Daimler als erster internationaler Autobauer eine Genehmigung für die Erprobung von vollautomatisierten Testfahrzeugen (Level 4) auf öffentlichen Straßen im Norden Pekings erhalten. Dabei sind schon jetzt im Test-Auto Anwendungen von Apollo integriert. In Zukunft wollen beide Firmen ihre Technologie in komplexerer Umgebung testen – zurzeit finden die Probefahrten auf einer abgeriegelten Strecke statt.

China will ein Vorreiter in dieser Zukunftstechnologie werden und investiert massiv in die Entwicklung von gemeinsamen Standards und Plattformen. Deutsche Autounternehmen haben dies erkannt und versuchen die Vorteile dieses Trends auszunutzen. So verkündete Audi, in den nächsten Jahren seine Forschungs- und Entwicklungsabteilung von 280 auf 650 Mitarbeiter ausbauen zu wollen. Daimler hat seit 2014 seine Zahl der Ingenieure und Designer in China verdreifacht, zurzeit tüfteln 850 Mitarbeiter vor Ort.

Während der Gespräche zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Chinas Ministerpräsident Li Keqiang Anfang Juli in Berlin hatten beide eine gemeinsame Absichtserklärung für den Ausbau der deutsch-chinesischen Kooperation im Bereich des autonomen und vernetzten Fahrens unterzeichnet.

Im Zuge dessen hatte BMW auch ein sogenanntes Memorandum of Understanding (MoU) zum selben Thema mit Baidu unterzeichnet. Nun soll BMW auch in den Apollo-Ausschuss einziehen.

Nach Meinung des Automobilexperten Li sind die vielen Partnerschaften für Baidu kein Problem, schließlich handele es sich bei Apollo um eine offene Plattform. Solange der Datenschutz gewährleistet sei, findet auch Zhong, werde es vorerst nicht zu Interessenskonflikten kommen. „Zurzeit sind alle am Anfangsstadium der Entwicklung und ziehen am gleichen Strang“, sagt er.

Da Baidu die beste Alternative in China sei, versuche jeder erst einmal Verbindungen zu knüpfen. Apollo hatte in den letzten fünfzehn Monaten mehr als einhundert Partner gesammelt und mit ihnen MoUs unterzeichnet.

Allerdings sind solche Absichtserklärungen nicht bindend. „Wer das unterschreibt“, so Kevin Li, „kann sich jederzeit umorientieren und anfangen, mit einer anderen Firma zusammenzuarbeiten.“

Die Volkswagen-Gruppe ist bisher die einzige deutsche Automarke, die noch keine Absichtserklärung mit Baidu unterzeichnet hat. Aber das sei nur noch eine Frage der Zeit, glaubt ein Mitarbeiter. Schon bald werde man mit einem der großen chinesischen Technologiekonzerne – Baidu, Alibaba oder Tencent – zusammenarbeiten. So viel Auswahl gibt es ja nicht.

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