Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Autozulieferer 3000 Bosch-Beschäftigte demonstrieren für ihre Diesel-Arbeitsplätze

Beim weltgrößten Autozulieferer bahnen sich harte Auseinandersetzungen um den Erhalt der Arbeitsplätze an. Der „Bosch-Weg“ steht vor einer harten Belastungsprobe.
Kommentieren
Bosch beschäftigt 50.000 Mitarbeiter weltweit in der Dieseltechnologie, davon einen Großteil in Deutschland. Quelle: Bloomberg/Getty Images
Bosch-Mitarbeiter

Bosch beschäftigt 50.000 Mitarbeiter weltweit in der Dieseltechnologie, davon einen Großteil in Deutschland.

(Foto: Bloomberg/Getty Images)

StuttgartBei den Bosch-Mitarbeitern der Dieseltechnologie-Sparte nimmt die Angst um ihre Arbeitsplätze zu. Knapp 3000 Beschäftigte des weltgrößten Herstellers von Dieseltechnologie haben an diesem Mittwoch auf einer Demonstration vor dem Stammwerk in Feuerbach ihren Unmut kundgetan.

„Wir fühlen uns im Stich gelassen und sind heute hier, um um unsere Arbeitsplätze zu kämpfen“, sagte der Feuerbacher Betriebsratschef Frank Sell. „Die Umstellung auf die Elektromobilität wird Arbeitsplätze kosten.“ Bei Bosch gebe es die Berechnung, dass von zehn Arbeitsplätzen in der Dieseltechnologie in der Elektromobilität gerade mal einer übrig bleibe. Dabei würden längst nur noch saubere Diesel produziert.

Die Fahrverbote für den Diesel bezeichnete er als „Brandbeschleuniger“. Die Politik sei gefordert. Seit Wochen verhandeln Unternehmensführung und Arbeitnehmervertreter um mögliche Beschäftigungsanpassungen an die sinkende Nachfrage nach Dieselautos. „Die Gespräche haben etwas holprig begonnen“, sagt Gesamtbetriebsratschef Hartwig Geisel nach der Kundgebung.

Das Management hatte im Herbst von den Arbeitnehmern die prinzipielle Zustimmung zu einer 30-Stunden-Woche gefordert. „Die 30-Stunden-Woche ist vom Tisch“, sagte Geisel jetzt. In der Auseinandersetzung deuten sich aber unterschiedliche Sichtweisen an.

„Wir führen keine aktuellen Verhandlungen über eine 30-Stunden-Woche. Aber wir werden zu gegebener Zeit darauf zurückkommen“, widersprach Uwe Gackstatter, Chef des Bereichs Antriebslösungen, nur wenige Minuten später auf der Pressekonferenz des Unternehmens. Bosch halte die 30-Stunden-Woche für ein geeignetes Mittel für die Transformation vom Verbrennungs- zum Elektromotor.

Das Beispiel zeigt: Der Umgangston zwischen Management und Arbeitnehmervertretern wird angesichts der sich abzeichnenden dramatischen Entwicklung auch bei Bosch härter. Die gewohnte Methode, in der Bosch im stillen Kämmerlein Lösungen gebastelt hat, mit denen beiden Seiten zufrieden sein konnten, scheint auf ein Ende zuzusteuern.

Zumindest wird der von Konzernchef Volkmar Denner als „Bosch-Weg“ beschriebene faire Umgang mit den Beschäftigten in nächster Zukunft einem harten Belastungstest unterzogen werden.

Bosch beschäftigt 50.000 Mitarbeiter weltweit in der Dieseltechnologie, davon einen Großteil in Deutschland. 600 befristete Stellen hat Bosch bereits 2018 abgebaut. Eine Zahl für dieses Jahr wollte das Management nicht nennen. Die Arbeitnehmervertreter rechnen mindestens mit 500 Stellen, die durch Fluktuation oder in der Zeitarbeit nicht mehr ersetzt werden.

Mehr als 100.000 Arbeitsplätze könnten verloren gehen

Doch das scheinen erst die Vorboten zu sein. In Deutschland ist der Dieselanteil bei den Neuzulassungen in den Jahren 2015 bis 2018 von 46 Prozent auf 30 Prozent eingebrochen. Auf Dauer sei das nicht auszugleichen, betonte Bereichsvorstand Gackstatter.

Bislang hatte bei Bosch die hohe Nachfrage aus China nach Dieseltechnologie für Nutzfahrzeuge noch den Rückgang in Deutschland kompensiert. „Dieser Boom ist vorbei“, berichtet Oliver Simon, Betriebsratschef des Homburger Werkes. Auch im französischen und italienischen Diesel-Werk wird die Produktion bereits gedrosselt.

Nach einer Studie des Bürgerlabors für Energieinnovationen (e:lab) des Fraunhofer-Instituts wird damit gerechnet, dass bis 2030 allein in Deutschland 70.000 Stellen in der Autoindustrie bei der Umstellung auf Elektromobilität verloren gehen werden. Die Studie legt dabei einen Anteil von 25 Prozent Batteriefahrzeugen und 15 Prozent Hybridantrieben zugrunde.

Diese Ausgangslage sieht Baden-Württembergs IG-Metall-Chef Roman Zitzelsberger auch nach den jüngsten Ankündigungen von Volkswagen als überholt an. „Die Elektromobilität wird viel schneller kommen“, sagte Zitzelsberger. Er rechnet deshalb mit Verlusten von deutlich mehr als 100.000 Arbeitsplätzen. In jedem Fall werde es zu einer Entwicklung kommen, die mit herkömmlichen Anpassungsmaßnahmen nicht zu bewältigen sein wird.

In einem sind sich beide Parteien einig. Die Industrie braucht Zeit für die Umstellung, um die Auswirkungen auf die Arbeitsplätze abzufedern. „Wir können Strukturwandel, aber keinen Strukturbruch“; betonte Gackstatter.

„Wir kamen aus 30 Jahren Dieselboom. Jetzt sind die Vorzeichen andere. Da brauchen wir neue Formen der Zusammenarbeit“, sagte Geisel. Er fordert vom Management, nicht die Standorte gegeneinander auszuspielen und mehr Mitsprache der Arbeitnehmer bei diesem epochalen Thema. „Das geht nur, wenn wir gemeinsam gestalten.“

Der Forderung nach einer Beschäftigungsgarantie bis 2030 erteilte Bereichsvorstand Gackstatter allerdings umgehend eine Absage. „Eine Zusage wäre nicht seriös, eine Sicherheit zu formulieren, die es für so einen langen Zeitraum in der Umbruchsituation nicht gibt.“

Die weitere Entwicklung des Dieselanteils in den kommenden Monaten sei derzeit nicht absehbar. Eine verlässliche Planung ist damit kaum möglich. Auf den Vorstoß von VW-Chef Herbert Diess, nur noch die Elektromobilität voranzutreiben, wollte Gackstatter nicht direkt antworten. „Wir müssen als Zulieferer technologieoffen sein“, sagte der Bosch-Manager. „Das ergibt sich schon aus Risikogesichtspunkten. Wenn das mit der Elektromobilität nicht klappt, gibt es keinen zweiten Schuss.“

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Autozulieferer - 3000 Bosch-Beschäftigte demonstrieren für ihre Diesel-Arbeitsplätze

0 Kommentare zu "Autozulieferer: 3000 Bosch-Beschäftigte demonstrieren für ihre Diesel-Arbeitsplätze"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.