Autozulieferer Auf der Grammer-Hauptversammlung steht ein Kräftemessen der Investoren an

Vor der Hauptversammlung des Zulieferers umgarnt der chinesische Investor die Aktionäre. Kontrahent Hastor hält die Offerte für zu niedrig.
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Das Geschäft in Europa wächst nicht mehr. Quelle: grammer
Sitztest bei Grammer

Das Geschäft in Europa wächst nicht mehr.

(Foto: grammer)

MünchenEinst zählten die Hauptversammlungen des Autozulieferers Grammer zu den eher beschaulichen Terminen. Seit dem vergangenen Jahr ist das anders. 2017 überzog der Großaktionär Cascade die Versammlung mit einer Flut von Anträgen mit dem Ziel, Vorstand und Aufsichtsrat abzusetzen.

Doch das Vorhaben der federführenden Investorenfamilie Hastor scheiterte am Widerstand des Managements und der verbündeten Aktionäre. Vorstandschef Hartmut Müller konnte sich unter anderem auf die Unterstützung von Ningbo Jifeng stützen – das chinesische Familienunternehmen hält rund 25 Prozent an Grammer.

Das Aktionärstreffen am heutigen Mittwoch in Amberg steht nun unter einem ganz anderen Stern. Ningbo Jifeng hat angekündigt, nach der Hauptversammlung ein Übernahmeangebot auf den Tisch zu legen mit dem Ziel, mehr als fünfzig Prozent der Stimmrechte einzusammeln. „Wir streben eine weitreichende Kooperation zwischen Grammer und Ningbo Jifeng an“, sagt Juniorchef Jimin Wang dem Handelsblatt. „Grammer ist stark in der Entwicklung und hat sehr gute Beziehungen zu deutschen Herstellern, wir sind stark in China und in der Produktion“, sagt Jimin Wang.

Prominente Fürsprecher

Grammer ist spezialisiert auf Kopfstützen, Armlehnen und Mittelkonsolen, zu den Kunden gehören vor allem deutsche Marken wie Mercedes, BMW, Audi und VW. Hinzu kommen Sitze für Lastwagen und Landmaschinen. 2017 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von rund 1,8 Milliarden Euro, die Ebit-Rendite ist mit 3,3 Prozent eher schwach. Ningbo Jifeng kommt mit Armlehnen und Kopfstützen lediglich auf 155 Millionen Euro Umsatz, ist dafür aber deutlich profitabler als Grammer und an der Börse ähnlich hoch bewertet.

Tatsächlich stützt sich das Familienunternehmen aus dem Großraum Schanghai auf prominente Fürsprecher. Allen Beteiligten in der Oberpfalz steckt noch die hitzige Hauptversammlung 2017 in den Knochen. Die Aussicht, von der Prevent-Gruppe der Familie Hastor kontrolliert zu werden, brachte Management, Betriebsräte und Politik zusammen.

Prevent hatte sich in den vergangenen Jahren immer wieder spektakuläre Konflikte mit dem VW-Konzern geliefert, zeitweilige Lieferstopps führten zu Produktionsunterbrechungen in den VW-Werken. Führende Vertreter der Autoindustrie hatten dem Grammer-Management klargemacht, dass ein maßgeblicher Einfluss von Prevent auf Grammer von Nachteil für die Geschäftsbeziehungen sei.

Und so stützt neben Management und Betriebsrat auch der bayerische Wirtschaftsminister Franz Josef Pschierer (CSU) das Vorhaben. Grammer braucht einen Ankerinvestor, um im globalisierten Konzert der Zulieferindustrie mitspielen zu können, lautet die Erkenntnis. Amberg und die Oberpfalz sind weitab von den Boomregionen rund um München, Augsburg und Ingolstadt, ein Wegbrechen des größten Industriebetriebs wäre kaum zu kompensieren.

Zudem geht Ningbo Jifeng weitaus sensibler als Hastor bei Grammer vor, man kennt die Ressentiments der deutschen Öffentlichkeit gegenüber chinesischen Investoren. Der neue Investor, so das Versprechen, werde die Türen zum chinesischen Markt öffnen. Während das Geschäft in Europa eher stagniert, wächst der chinesische Automarkt mit zehn bis 15 Prozent pro Jahr.

Hastor bleibt skeptisch

„Auch nach erfolgreich abgeschlossenem Angebot kann der Vorstand von Grammer für mindestens siebeneinhalb Jahre Entscheidungen zu Arbeitsplätzen unabhängig treffen“, betont Wang, der mit dem Vorstand eine Investorenvereinbarung unterschrieben hat. Grammer soll an der Börse bleiben, das Management darf weiterarbeiten. „Grammer bleibt eine deutsche Firma mit chinesischem Investor.“

Ningbo Jifeng bietet 61,25 Euro je Aktie, am Dienstag lag der Kurs bei 63,70 Euro. Ein Teil der Aktionäre spekuliert offenbar auf ein höheres Angebot – auch weil Cascade die Offerte bereits Ende Mai als zu niedrig ablehnte. Nicht zuletzt aufgrund des von Grammer angekündigten Zukaufs des Zulieferers TMD in den USA erschlössen sich weitere Ergebnispotenziale, „sodass ein Wert pro Aktie von rund 100 Euro als durchaus realistisch anzusehen ist“, erklärte Cascade.

Der Investor wolle nun alle vorhandenen Optionen prüfen, „auch den nochmaligen Ausbau unserer Beteiligung“, kündigte Cascade an. Die Familie Hastor kontrolliert mit Cascade und einem weiteren Investmentvehikel bisher rund 20 Prozent.

Eine offene Situation. Ein Gespräch zwischen den Hastor-Vertretern und Ningbo Jifeng hat es noch nicht gegeben.

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