Autozulieferer Benteler – ein Erfolgsmodell aus Paderborn

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Dies aus eigener Kraft geschafft zu haben, imponiert Fachleuten. "Dass Benteler diese Expansion aus dem eigenen Cashflow erreicht hat, ist zweifellos bemerkenswert", sagt etwa Autoexperte Thomas Brand von der Beratungsgesellschaft PA Consulting Group. Zumal Benteler auch im Jahr 2008 trotz hoher Stahlpreise einen guten Geschäftsabschluss habe vorlegen können. Stahl ist für Brand allerdings auch eine Achillesferse des Unternehmens. Schließlich sind alle Geschäftsbereiche von dem Rohstoff abhängig, dessen Weltmarktpreis eine regelrechte Achterbahnfahrt mit Ausschlägen nach oben und unten hinter sich hat.

Aber ganz auf Stahl fixiert ist Benteler auch nicht mehr. "Wir sehen das Thema Leichtbau als klare Linie für die Zukunft", sagt Konzernchef Benteler. Und dazu gehört nicht nur Stahl. Deswegen hat Benteler auch 2007 ein Joint Venture mit dem Karbonriesen SGL Carbon geschmiedet. Doch Carbon war nicht genug. "Aluminium fehlte uns als zweite Komponente", sagt Benteler. Und genau deshalb brachen die Paderborner ausgerechnet im Krisenjahr 2009 mit ihrem Grundsatz, eigentlich alles selbst aus eigener Kraft schaffen zu wollen und kauften zu - und zwar gerade weil das vergangene Jahr das Jahr der großen Autokrise war.

"Umsatz zu kaufen, muss billiger sein, als es selbst zu machen", sagt Benteler. Dies muss bei der Automobilsparte Automotive Structures des norwegischen Aluminiumspezialisten Norsk Hydro mit 12,5 Millionen Euro Umsatz wohl der Fall gewesen sein, die Benteler im Oktober vergangenen Jahres erworben hat - und damit viele Marktbeobachter kalt erwischte. Schließlich hatte Beneteler bis dahin noch nie ein Unternehmen aus der Automobilbranche gekauft.

"Jetzt kombinieren wir Aluminium mit Stahl und Stahl mit Carbon", sagt Benteler. Neue Produkte wie etwa mit Carbon verstärkte B-Säulen aus Stahl etwa für die B-Klasse von Mercedes sind erste Ergebnisse des breiter aufgestellten Portfolios. Dass Benteler mit den neuen Werkstoffen nicht nur das Thema Leichtbau, sondern auch das Thema Low-Cost angehen will, hat vor allem mit den aufstrebenden Märkten etwa der Bric-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China) zu tun, wo zum Beispiel günstige Kleinwagen stark nachgefragt werden. Heute ist Benteler weltweit in 35 Ländern aktiv.

Gleichwohl sieht Autoexperte Brand gerade im Ausland noch eine der wenigen Herausforderungen für den Zulieferer: "Letztlich bleibt mit Blick auf die heutige geografische Umsatzverteilung bei Benteler - Schwerpunkte Europa und Amerika - die Frage offen, wie der Zulieferer vom stark wachsenden Marktumfeld in Asien noch stärker profitieren kann", so Thomas Brand. Tatsächlich erzielt Benteler das Gros seines Umsatzes im Inland (27,9 Prozent, Stand 2008) und Europa (36 Prozent) - Asien steuert hingegen 7,4 Prozent des Umsatzes bei.

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1 Kommentar zu "Autozulieferer: Benteler – ein Erfolgsmodell aus Paderborn"

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  • "Professor Ferdinand Dudenhöffer, Autoexperte von der Universität Duisburg-Essen, bezeichnet benteler gar als eines der großen bilderbuchunternehmen der Republik"

    Stand nicht vorletzte Woche noch in der Zeitung, dass benteler seinen Sitz nach Österreich verlegt?

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