Autozulieferer Benteler – ein Erfolgsmodell aus Paderborn

Benteler marschiert selbstbewusst durch die Krise. Während andere Autozulieferer in die Insolvenz abschlitterten, gingen die Paderborner auf Einkaufstour. Experten verwundert das nicht. Das Familienunternehmen gilt als einer der Musterknaben der Autobranche - binnen weniger Jahre hat Benteler seinen Umsatz verdoppelt.
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Ein Blick auf die IAA - und auf Kunden des Autozulieferers Benteler. Quelle: ap

Ein Blick auf die IAA - und auf Kunden des Autozulieferers Benteler.

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DÜSSELDORF. Während um ihn herum die Branche mit bangen Blicken in ein schwieriges Autojahr blickt, wirkt Hubertus Benteler ganz gelassen. Dass die Vorzeichen für die Autoindustrie schlecht sind, weiß der Vorstandschef des Zulieferers Benteler, der unter anderem Autokarosserieteile wie etwa Stoßfänger oder Dachverstärkungen herstellt, natürlich. In Deutschland ist der Automarkt im Januar nach dem Auslaufen der Abwrackprämie auf den niedrigsten Wert seit 20 Jahren eingebrochen. Unternehmensberater wie Oliver Wyman rechnen mit drastischen Konsequenzen - und das nicht nur für die Autohersteller, sondern auch für deren Zulieferer. Jeder fünfte, so die Experten, sei 2010 insolvenzgefährdet. Edscha, Karmann oder TMD Friction schlitterten bereits im vergangenen Jahr in die Insolvenz. Benteler nicht.

"Wir haben das Working Capital gesenkt, Investitionen zurückgefahren und uns daraus finanziert", erklärt Benteler sein Konzept für die Krise vor Fachpublikum auf dem CAR Symposium der Universität Duisburg-Essen. Knappe Kassen oder eng werdende Kreditlinien sind bei der nicht börsennotierten Aktiengesellschaft, die zu je 50 Prozent zwei Familienstämmen gehört, kein Thema: "Wir können uns auch jenseits von Krediten finanzieren", sagt Benteler. Im ersten Quartal lägen die Umsätze auf dem Niveau der letzten vier Monate des Vorjahres. Die Zahlen für 2009 legt Benteler Mitte April vor.

Seit Jahren sieht die Bilanz nach Meinung von Experten aus der Automobilbranche allerdings grundsolide aus: Die Eigenkapitalquote liegt kontinuierlich bei um die 30 Prozent, 2008 (die Zahlen für 2009 will Benteler Mitte April vorlegen) standen 802,3 Millionen Euro an Eigenkapital und wie in den Vorjahren ein dreistelliger Millionengewinn in Höhe von 175 Millionen Euro vor Steuern in den Büchern - und das bei einem Umsatz in Höhe von mehr als 6,3 Milliarden Euro. Vielleicht das auffälligste Merkmal einer Wachstumsgeschichte, die branchenweit für Aufmerksamkeit gesorgt hat. Professor Ferdinand Dudenhöffer, Autoexperte von der Universität Duisburg-Essen, bezeichnet Benteler gar als eines der großen Bilderbuchunternehmen der Republik.

Denn vor gut zehn Jahren lag der Umsatz des aus den drei Geschäftsbereichen Automobiltechnik, Stahlrohrfertigung sowie Stahlhandel bestehenden Unternehmens mit einer Holding als Dachgesellschaft noch bei 3 Milliarden Euro. "Und dieses Wachstum haben wir bisher eigentlich ohne Zukäufe gestemmt", sagt Benteler. Heute gehört das Unternehmen mit 24.300 Beschäftigten zu den 30 größten Autozulieferern der Welt.

Dies aus eigener Kraft geschafft zu haben, imponiert Fachleuten. "Dass Benteler diese Expansion aus dem eigenen Cashflow erreicht hat, ist zweifellos bemerkenswert", sagt etwa Autoexperte Thomas Brand von der Beratungsgesellschaft PA Consulting Group. Zumal Benteler auch im Jahr 2008 trotz hoher Stahlpreise einen guten Geschäftsabschluss habe vorlegen können. Stahl ist für Brand allerdings auch eine Achillesferse des Unternehmens. Schließlich sind alle Geschäftsbereiche von dem Rohstoff abhängig, dessen Weltmarktpreis eine regelrechte Achterbahnfahrt mit Ausschlägen nach oben und unten hinter sich hat.

Aber ganz auf Stahl fixiert ist Benteler auch nicht mehr. "Wir sehen das Thema Leichtbau als klare Linie für die Zukunft", sagt Konzernchef Benteler. Und dazu gehört nicht nur Stahl. Deswegen hat Benteler auch 2007 ein Joint Venture mit dem Karbonriesen SGL Carbon geschmiedet. Doch Carbon war nicht genug. "Aluminium fehlte uns als zweite Komponente", sagt Benteler. Und genau deshalb brachen die Paderborner ausgerechnet im Krisenjahr 2009 mit ihrem Grundsatz, eigentlich alles selbst aus eigener Kraft schaffen zu wollen und kauften zu - und zwar gerade weil das vergangene Jahr das Jahr der großen Autokrise war.

"Umsatz zu kaufen, muss billiger sein, als es selbst zu machen", sagt Benteler. Dies muss bei der Automobilsparte Automotive Structures des norwegischen Aluminiumspezialisten Norsk Hydro mit 12,5 Millionen Euro Umsatz wohl der Fall gewesen sein, die Benteler im Oktober vergangenen Jahres erworben hat - und damit viele Marktbeobachter kalt erwischte. Schließlich hatte Beneteler bis dahin noch nie ein Unternehmen aus der Automobilbranche gekauft.

"Jetzt kombinieren wir Aluminium mit Stahl und Stahl mit Carbon", sagt Benteler. Neue Produkte wie etwa mit Carbon verstärkte B-Säulen aus Stahl etwa für die B-Klasse von Mercedes sind erste Ergebnisse des breiter aufgestellten Portfolios. Dass Benteler mit den neuen Werkstoffen nicht nur das Thema Leichtbau, sondern auch das Thema Low-Cost angehen will, hat vor allem mit den aufstrebenden Märkten etwa der Bric-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China) zu tun, wo zum Beispiel günstige Kleinwagen stark nachgefragt werden. Heute ist Benteler weltweit in 35 Ländern aktiv.

Gleichwohl sieht Autoexperte Brand gerade im Ausland noch eine der wenigen Herausforderungen für den Zulieferer: "Letztlich bleibt mit Blick auf die heutige geografische Umsatzverteilung bei Benteler - Schwerpunkte Europa und Amerika - die Frage offen, wie der Zulieferer vom stark wachsenden Marktumfeld in Asien noch stärker profitieren kann", so Thomas Brand. Tatsächlich erzielt Benteler das Gros seines Umsatzes im Inland (27,9 Prozent, Stand 2008) und Europa (36 Prozent) - Asien steuert hingegen 7,4 Prozent des Umsatzes bei.

Trotz seiner Größe leistet sich Benteler nur eine übersichtliche Konzernführung: Neben Hubertus Benteler hält Siegmund Wenk die Zügel der Holding in der Hand. "Wir beschränken uns nur auf die Strategie. Ins operative Geschäft wollen wir uns möglichst wenig einmischen", sagt Benteler, der gleichwohl wöchentlich mit den einzelnen Geschäftsbereichen im Gespräch ist. An deren Spitze stehen längst nicht nur Eigengewächse aus dem eigenen Hause: Heinz Van Gerwen wechselte von Toyota in die Autosparte von Benteler, Eric Alstrom kam von General Motors dazu und Mathias Hüttenrauch vom Zulieferer Visteon. Gleich eine ganze Riege externer Top-Manager hat das Familienunternehmen gut verdaut. Das spricht laut Autoexperte Brand für professionelle Abläufe und Entscheidungsprozesse.

Dass es diese gebe, habe wiederum vor allem mit einer guten Corporate Governance zu tun - auch und gerade in Familienunternehmen. "Besonders die Schnittstelle zwischen Vorstand und Gesellschafter ist schwierig", sagt Brand. Das gute Verhältnis zu den Gesellschaftern will Konzernchef Hubertus Benteler vor allem duch eine hohe Informationspolitik gewährleisten.

Aber so ruhig und beschaulich war es nicht immer bei Benteler. In den frühen 80er-Jahren gerieten Mitglieder der dritten Familiengeneration heftig aneinander und sorgten in den lokalen Zeitungen für Schlagzeilen. Damit ist spätestens seit dem Amtsantritt von Hubertus Benteler 1991 Schluss. Der Vertreter der vierten Generation hat das Unternehmen offenbar in familiär ruhigeres Fahrwasser geführt.

Weit weniger ruhig ist es indes um die Struktur des Benteler-Konzerns bestellt. Im Januar kündigte das Unternehmen an, im Mai den Sitz der Holding von Paderborn nach Salzburg verlegen zu wollen. Offiziell heißt es, dass dadurch das strategische vom operativen Geschäft besser getrennt werden und in Österreich in Ruhe die Nachfolge von Hubertus Benteler vorbereitet werden solle.

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1 Kommentar zu "Autozulieferer: Benteler – ein Erfolgsmodell aus Paderborn"

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  • "Professor Ferdinand Dudenhöffer, Autoexperte von der Universität Duisburg-Essen, bezeichnet benteler gar als eines der großen bilderbuchunternehmen der Republik"

    Stand nicht vorletzte Woche noch in der Zeitung, dass benteler seinen Sitz nach Österreich verlegt?

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