Autozulieferer Börse straft Schaeffler nach Gewinnwarnung ab

Der Umstieg auf elektrische Mobilität belastet das Ergebnis des Zulieferers Schaeffler. Ein Umbau des Unternehmen braucht noch Jahre.
Update: 01.02.2018 - 14:23 Uhr 1 Kommentar
Die Neuausrichtung belastet die Bilanz des Zulieferers. Quelle: dpa
Schaeffler

Die Neuausrichtung belastet die Bilanz des Zulieferers.

(Foto: dpa)

HerzogenaurachDie Neuausrichtung auf elektrische Antriebstechnologien und digitale Technik hat die Bilanz des Auto- und Industriezulieferers Schaeffler im vergangenen Jahr belastet. Im Jahr 2017 hatte der Gewinn vor Steuern (EBIT) mit 1,584 Milliarden Euro um 116 Millionen Euro oder sechs Prozent unter dem Vergleichswert von 2016 gelegen. Gewinneinbußen hatte das Unternehmen vor allem im Automobilbereich hinnehmen müssen – wegen der „temporär schwachen Entwicklung im zweiten Quartal 2017“, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Dagegen konnte Schaeffler seine Gewinnmarge im lange Zeit schwächelnden Geschäft mit Industrielagern verbessern.

Der Umsatz legte um 5,9 Prozent auf 14 Milliarden Euro zu. Die Industriesparte sei stärker gewachsen als die Automobilsparte. Für 2018 rechnet Schaeffler mit einem Umsatzplus von fünf bis sechs Prozent. 

Durch einen Konzernumbau würden Einmalkosten und Investitionen entstehen, begründete Finanzchef Klaus Rosenfeld am Donnerstag die Prognosesenkung. Der Großaktionär von Continental geht davon aus, dass die Umsatzrendite nach Steuern und Zinsen (Ebit-Marge) in diesem Jahr zwischen 10,5 bis 11,5 Prozent liegen wird nach 11,3 Prozent im vergangenen Jahr. 2016 hatte die Kennziffer noch bei 12,6 Prozent gelegen.

„Wie jedes Transformationsprogramm ist auch unseres gerade in der Anfangsphase mit Einmalaufwendungen und Investitionen verbunden, die unser Ergebnis auch im Jahr 2018 beeinflussen werden“, betonte Schaeffler-Chef Klaus Rosenfeld. Der Umbau soll bis 2020 abgeschlossen sein und das Unternehmen für das E-Auto-Zeitalter fit machen.

Das sind die größten Autozulieferer der Welt
Platz 10: Faurecia
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Der Automobilzulieferer designt und produziert Autositze, Abgasanlagen, Innenraumsysteme und Kunststoff-Außenteile. Die Franzosen kletterten im Ranking in diesem Jahr um einen Rang nach oben, obwohl es beim Umsatz um 0,3 Prozent nach unten ging. Der Umsatz betrug 2016 insgesamt 18,7 Milliarden Euro.

Quelle: Berylls Strategy Advisors

Platz 9: Michelin
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Die vor allem für ihre Reifen bekannte Firma aus Frankreich machte 2016 insgesamt 20,9 Milliarden Euro Umsatz. Das bedeutet ein Minus von 1,4 Prozent. Dennoch reicht es für die Top Ten der größten Automobilzulieferer der Welt.

Platz 8: Bridgestone/Firestone
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Die Japaner, ebenfalls vor allem für ihre Reifen bekannt, bleiben trotz eines Minus von 6,7 Prozent auf dem achten Platz der Rangliste. Der Umsatz betrug zuletzt 22,5 Millionen Euro.

Platz 7: Aisin
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Die zweite japanische Firma in den Top Ten: Aisin, das zur Toyota-Gruppe gehört, darf sich über ein Plus von 15,9 Prozent freuen. Damit lag der Umsatz im vergangenen Jahr bei 28 Milliarden Euro.

Platz 6: Hyundai Mobis
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Obwohl die Koreaner, die Hyundai und Kia beliefern, ein Plus von 7,6 Prozent machten, fielen sie um einen Rang zurück. Der Umsatz betrug 30,2 Milliarden Euro.

Platz 5: ZF Friedrichshafen
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Der Stiftungskonzern vom Bodensee konnte Hyundai Mobis überholen, denn das Umsatzplus betrug zuletzt 19,3 Prozent. Der gesamte Umsatz für das Jahr 2016 beläuft sich auf 32,353 Milliarden Euro.

Platz 4: Magna
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Der kanadisch-österreichische Automobilzulieferer verzeichnete jüngst ein Umsatzplus von 17,6 Prozent. Mit einem Erlös von 34.587 Milliarden Euro verharrt Magna auf dem vierten Rang.

Die Aktionäre scheint das nicht zu überzeugen: An der Börse sackte der Kurs der im Nebenwerteindex MDax notierten Aktie um bis zu elf Prozent auf 14,26 Euro ab. „Kein Wunder, dass die Anleger davon laufen. Das ist eine weitere Gewinnwarnung“, sagte Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. Die Kommunikation von Schaeffler sei völlig enttäuschend. Der Konzern sei eine genaue Erklärung zu der Prognosesenkung schuldig. „Seit dem Börsengang ist Schaeffler alles andere als eine Erfolgsstory.“ Der Zulieferer aus Herzogenaurach befinde sich in einer Sackgasse. Schaeffler ist im Herbst 2015 an die Börse gegangen mit einem Ausgabepreis von 12,50 Euro je Aktie. Die Übernahme von Continental hatte dem Konzern einen riesigen Berg Schulden eingebrockt.

  • dpa
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1 Kommentar zu "Autozulieferer: Börse straft Schaeffler nach Gewinnwarnung ab"

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  • Viele wollen die Elektromobilität, dazu bedarf es jedoch Investitionen. Investitionen sind Anlagen auf die Zukunft. Eine schnelle Zukunft bedeutet hohe Investitionen in kurzer Zeit.
    Dadurch entsteht natürlich Gefahr, die Gefahr des Scheiterns. Dieses Scheitern hat schon größere Unternehmen als Schaeffler aufgelöst. Ingenieure denken in technischen Kategorien, sie denken nicht organisatorisch, kreativ, ökonomisch oder outside der Box.
    Leute die dies tun, werden aber von den Unternehmen gemieden. Man kann sie nicht kontrollieren, verstehen und ihre Ergebnisse lassen sich nicht so einfach verkaufen. Je simpler (technischer) Firmen also ihre Ziele erreichen wollen um so höher der Preis. Daraus ergibt sich folgende Formel: Einfachheitsdenken * Schnelligkeit * technische Anforderung /Kreativität * organisatorische Freiheit * outside der Box * natürliche Entwicklungszeit equal Erfolg. Kurzfristiges Bilanzdenken führt also nicht zum Erfolg, die schnelle Nachricht schafft unnötigen Druck. Nachdenken braucht Zeit, Kreativität braucht Zeit, organisatorische Freiheit schafft Zeit und outside der Box ist sehr schnell.
    Ob Schaeffler das einhalten kann und will werden die Ergebnisse zeigen. Darüber lohnt es sich, zu berichten.

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