Continental

Bei dem Reifenhersteller und Autozulieferer wird über Standortschließungen diskutiert.

(Foto: dpa)

Autozulieferer Continental denkt über Standortschließungen nach – Betriebsrat ist alarmiert

Beim Autozulieferer und Reifenhersteller rumort es kräftig. Der Konzernchef kann sich Standortschließungen vorstellen – der Betriebsrat ist alarmiert.
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DüsseldorfBei Continental hängt der Haussegen schief. Nachdem Konzernchef Elmar Degenhart vor wenigen Tagen auch die Aufgabe einzelner Standorte nicht ausgeschlossen hatte, rumort es innerhalb der Belegschaft. Sofort ging die Sorge um, dass der Vorstand ein Eckpunktepapier vom Frühjahr kassieren könnte, das den deutschen Conti-Beschäftigten die Beschäftigungssicherung garantiert.

„Die Mitglieder des Konzernbetriebsrates waren davon genauso irritiert wie wohl viele Kolleginnen und Kollegen an den Standorten“, heißt es in einem Schreiben der Arbeitnehmervertretung an die Beschäftigten vom vergangenen Freitag, das dem Handelsblatt vorliegt.

Solche Aussagen führten „insbesondere in Zeiten des anstehenden Konzernumbaus der Continental AG zu großen Unsicherheiten und Sorgen in der Belegschaft“. Conti will sich im kommenden Jahr eine Holdingstruktur mit drei Sparten geben, der Bereich „Powertrain“ (Antriebstechnik) soll dabei sogar teilweise an die Börse gebracht werden.

Der Konzernbetriebsrat sah sich umgehend zum Handeln gezwungen. „Wir haben um Klarstellung gebeten“, sagte der Betriebsratsvorsitzende Hasan Allak auf Anfrage. Zumindest vorerst hätten sich die Wogen wieder etwas geglättet: „An der Beschäftigungssicherung in Deutschland ändert sich nichts.“ Diese Zusage habe der Vorstand gegenüber dem Betriebsrat abgegeben.

Im Schreiben des Betriebsrates an die Mitarbeiter heißt es außerdem, dass die Aussagen von Vorstandschef Degenhart „auf die Continental AG im weltweiten Kontext bezogen sind“. Zudem seien in Deutschland derzeit keine Standortschließungen geplant.

Die Arbeitnehmervertretung von Conti will dafür sorgen, dass beim bevorstehenden Konzernumbau niemand im Unternehmen benachteiligt wird. „Der Konzernbetriebsrat ist sich sicher, dass Standortschließungen und Stellenabbau im Zusammenhang mit den Herausforderungen in der Automobilindustrie keine Antwort sein können“, heißt es in dem Mitarbeiterschreiben. Das Unternehmen müsse ein „effektives Qualifizierungskonzept“ vorlegen, das die Beschäftigten auf den anstehenden Transformationsprozess ausreichend vorbereite.

Entscheidenden Einfluss besitzt der Konzernbetriebsrat allerdings nur bei den deutschen Conti-Mitarbeitern. Die Beschäftigungssicherung bei der bevorstehenden Herauslösung des „Powertrain“-Bereichs gilt nur für die Standorte in Deutschland.

An den anderen rund um den Globus verteilten Standorten hat die Arbeitnehmerseite kein vergleichbares Mitspracherecht. Bei Continental gibt es nicht einmal ein globales Betriebsratsgremium, sondern nur eines auf europäischer Ebene.

Nach zehn Jahren ununterbrochenen Wachstums ist die aktuelle Unruhe etwas völlig Neues für den Zulieferkonzern aus Hannover. Das Unternehmen hatte in den vergangenen Monaten Probleme im operativen Geschäft bekommen. Markant war Ende August die zweite Gewinnwarnung binnen weniger Wochen.

Statt der zuvor angekündigten operativen Rendite von zehn Prozent rechnet das Conti-Management jetzt nur noch mit neun Prozent in diesem Jahr. Auslöser waren Auftragsstornierungen aus Europa und China. Außerdem gibt es größere interne Probleme im „Powertrain“-Bereich.

Das Conti-Management hat diese doppelte Gewinnwarnung unter massiven Druck der Investoren gesetzt. Vorstandschef Degenhart muss den Anlegern beweisen, dass er sein Unternehmen weiterhin im Griff hat. Ablesbar ist der Vertrauensverlust unter Investoren am Absturz des Conti-Börsenkurses. Ende Juni notierte das Papier noch bei gut 200 Euro. Nach der Gewinnwarnung Ende August rutschte der Titel unter 150 Euro ab, im Oktober hat die Conti-Aktie dann noch einmal zehn Euro verloren.

Besonders schmerzlich sind die Probleme für das Conti-Management im „Powertrain“-Bereich, wie die Rendite ebenfalls zurückgeht. Für einen erfolgreichen Börsengang im kommenden Jahr muss Continental ein vielversprechendes Business-Modell präsentieren. Die Rücknahme des Renditeversprechens ist das genaue Gegenteil. Das setzt das Management zusätzlich unter Druck.

Anfang September hatte der Vorstand selbst schon einmal einen Brandbrief an das eigene Management verfasst. „Auf diesem falschen Gleis fahren wir keinen Meter weiter. Dieser Zug stoppt genau hier und jetzt“, hieß es in dem geharnischten Schreiben der Conti-Führung.

Personelle Veränderungen werde es im Management dort geben, „wo das Vertrauensverhältnis zu unseren relevanten Stakeholdern nachhaltig beschädigt ist“. Mit diesem Schreiben stieß Vorstandschef Degenhart nicht überall im Unternehmen und im Aufsichtsrat auf Zustimmung. Trotzdem hatte er Ende September einen neuen Fünf-Jahres-Vertrag bekommen.

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