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Autozulieferer Continental-Vorstand schreibt Brandbrief an seine Führungskräfte: „Unsere Situation ist sehr ernst“

Der Autozulieferer ist offenbar in die Schieflage geraten. In einem Brandbrief kündigt die Konzernführung personelle Änderungen an.
Update: 05.09.2018 - 18:26 Uhr Kommentieren
Der Autozulieferer steht wirtschaftlich unter enormem Druck. Quelle: dpa
Continental

Der Autozulieferer steht wirtschaftlich unter enormem Druck.

(Foto: dpa)

München/DüsseldorfWenn die Führungskräfte den Ernst der Lage nicht verstehen, dann kommt Post vom Chef. „Unsere derzeitige geschäftliche Situation ist sehr ernst“, hat Continental-Chef Elmar Degenhart am Montag an seine rund 400 Topmanager geschrieben. Auf Deutsch und auf Englisch, weltweit ist das interne Papier verteilt worden.

Rund ein halbes Dutzend der insgesamt 27 Geschäftsbereiche hätte wiederholt das vorgegebene Renditeziel verfehlt, Ausreden will Degenhart nicht mehr gelten lassen. „Daher die klare Ansage: Auf diesem falschen Gleis fahren wir keinen Meter mehr: Dieser Zug stoppt genau hier und jetzt!“, heißt es in dem Schreiben, das dem Handelsblatt vorliegt.

Der Brandbrief kommt nicht von ungefähr: Zwei Gewinnwarnungen musste der hannoverische Zulieferkonzern in diesem Jahr bereits abgeben. Elmar Degenhart und sein Finanzchef Wolfgang Schäfer stehen vor dem Problem, dass diese doppelte Gewinnwarnung innerhalb weniger Wochen das Vertrauen der Investoren nachhaltig belastet. Mehr noch: Ende Juli bestätigte Continental, das Unternehmen in eine Holding überführen zu wollen.

Zugleich soll das Geschäft mit Autoantrieben („Powertrain“) voraussichtlich im nächsten Jahr in Teilen an die Börse gebracht werden. Nicht gehaltene Ergebnisprognosen sind Gift für solche Pläne. „Unsere Stakeholder äußern ihre Zweifel an unserer operativen Leistungsfähigkeit, unserem Kostenbewusstsein und unserer Fähigkeit, zuverlässige Prognosen zu erstellen“, heißt es weiter in dem Brandbrief. Das, so Degenhart, seien „alarmierende Signale“.

Tatsächlich geht es in Deutschlands zweitgrößtem Zulieferkonzern nun um Vertrauen und um Macht. Seit fast neun Jahren führt der Ingenieur Degenhart schon den Dax-Konzern aus Hannover, der sich binnen eines Jahrzehnts von einem reinen Reifenhersteller zu einem Technologiekonzern gemausert hat. Auch der Einstieg der Familie Schaeffler, der vor zehn Jahren zunächst viel böses Blut bei Gewerkschaften und Investoren hervorrief, wurde unter Degenhart zu einer Erfolgsgeschichte. Aktuell hält die Schaeffler-Familie rund 46 Prozent der Conti-Anteile.

Mit der Sicherheit eines Ankeraktionärs im Rücken gelang es den Hannoveranern, sich immer näher an den Branchenführer Bosch heranzuarbeiten. Mit Kameras für das autonome Fahren, Systemen zur Vernetzung für Elektroautos und einer Weltmarke im Reifengeschäft ist der Konzern bestens vorbereitet auf die Ablösung des Verbrennungsmotors und die Einführung des Fahrens ohne Fahrer.

Konzern wird aufgespalten

Doch ausgerechnet auf dem Höhepunkt der Erfolgsgeschichte gerät Conti nun ins Straucheln. Schon im April hatte Continental seine Ziele für 2018 ein erstes Mal zurücknehmen müssen, Ende August folgte die zweite Gewinnwarnung. Die Aussichten für den Rest des Jahres hätten sich innerhalb weniger Wochen deutlich verschlechtert. Als Haus- und Hoflieferant des benachbarten Volkswagen-Konzerns bekommen die Hannoveraner die Verwerfungen der verpatzten WLTP-Einführung zu spüren. Seit dem 1. September gelten die verschärften Zulassungsregeln für Neuwagen innerhalb der EU.

Weil Volkswagen und andere Hersteller nicht alle Autos nach den neuen WLTP-Vorgaben rechtzeitig geprüft haben, ruht die Produktion von zahlreichen Modellen. Auch der unerwartet schwache Markt in China macht Continental zu schaffen.

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Hinzu kommen Probleme und Kostenüberschreitungen im Antriebsbereich, insbesondere bei Hybridmotoren, die nun verstärkt von den Autoherstellern nachgefragt werden. In Summe haben es die Hannoveraner versäumt, rechtzeitig gegenzusteuern. „Intern wurde die Lage auch nach der zweiten Gewinnwarnung noch unterschätzt“, heißt es in Conti-Kreisen.

Dabei bleibt Conti auch nach der zweiten Ergebniskorrektur ein hochprofitables Unternehmen. Für den gesamten Konzern erwartet Degenhart in diesem Jahr nun statt einer bereinigten operativen Rendite (Ebit-Marge) von mehr als zehn Prozent nur noch eine Marge von mehr als neun Prozent – das sind gut drei Prozentpunkte mehr, als etwa der Volkswagen-Konzern anpeilt. Beim Umsatz geht Conti nun von etwa 45 Milliarden Euro aus – statt der bislang angekündigten rund 46 Milliarden.

Anleger sind verunsichert

Dennoch: Mit Blick auf den angepeilten Börsengang der Antriebs‧sparte haben Degenhart und Schäfer bei den Investoren Vertrauen verloren, seit Beginn des Jahres ist ein Drittel des Börsenwerts verloren gegangen. „Unter diesem Vertrauens- und Wertverlust leidet akut unsere gesamte Organisation“, heißt es in dem Schreiben des Vorstands.

„Keinesfalls kehren wir jetzt einfach zur Tagesordnung zurück“, schreibt das Conti-Führungsorgan. Als sicher gilt es in Branchenkreisen, dass sowohl in den Sparten Autozulieferung als auch im Reifen- und Gummigeschäft personelle Konsequenzen gezogen werden, allerdings unterhalb des Vorstands. Wen es trifft, bleibt vorerst offen. Unter besonderer Beobachtung ist der Powertrain-Bereich wegen des angekündigten Börsengangs. Auch die Antriebssparte hatte ihre Prognose zurücknehmen müssen.

Während Conti vor allem hauseigene Fehler für den Vertrauensverlust ausmacht, bleibt für die gesamte Branche die Frage, ob die Hannoveraner mit ihrer Gewinnwarnung nicht auch das Ende des seit Jahren anhaltenden Dauerbooms in der Autoindustrie eingeläutet haben. Die Warnsignale sind nicht mehr zu übersehen: Bereits im Juni hatte Daimler seine Gewinnprognose mit Hinweis auf den Handelsstreit zwischen China und den USA kassiert. Daimler muss nun hohe Einfuhrzölle auf seine in den USA gefertigten Geländewagen entrichten. Zudem kühlt sich die Autokonjunktur in China seit Monaten merklich ab, sowohl Mercedes als auch BMW verkaufen weniger Autos als erwartet.

Für Continental steht ein weiterer wichtiger Termin auf dem Programm. Ende des Monats kommt der Aufsichtsrat zu seiner nächsten Sitzung zusammen. Auf der Tagesordnung steht die Verlängerung der Verträge von Degenhart und Schäfer. Aufgrund der bald zehn Jahre anhaltenden Erfolge galt die Verlängerung bisher als völlig unumstritten. Daran habe sich, verlautet aus Unternehmenskreisen, auch durch die zwei Gewinnwarnungen nichts geändert.

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