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Autozulieferer Der neue Leoni-Chef Aldo Kamper muss sich als Sanierer beweisen

Der neue Leoni-Chef kam als Wachstumsspezialist. Doch der Aufschwung ist vorbei. Jetzt muss er sanieren und den Autozulieferer zurechtschrumpfen.
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„Leoni ist zu schnell gewachsen“, kommentiert der Leoni-Chef die Lage des Konzerns. Quelle: dpa
Aldo Kamper

„Leoni ist zu schnell gewachsen“, kommentiert der Leoni-Chef die Lage des Konzerns.

(Foto: dpa)

Bei Osram war Aldo Kamper phasenweise der Star im Management. Die von ihm verantwortete Chipsparte OS Semiconductors glänzte mit zweistelligen Wachstumsraten und operativen Umsatzrenditen von mehr als 20 Prozent. Bei Leoni hofften viele, dass er nach seinem Wechsel dorthin den aggressiven Wachstumskurs fortsetzen würde – am besten mit steigenden Margen.

Doch die Probleme bei dem fränkischen Autozulieferer sind größer, als Kamper bei seiner Berufung vor einem Jahr vermutet hatte. Die Geschäfte laufen schlecht, der Anlauf eines neuen Werks in Mexiko ist misslungen, einzelne Geschäftsbereiche sind nicht profitabel. „Leoni ist zu schnell gewachsen“, lautete Kampers Analyse.

Der 48-jährige Niederländer ist als Sanierer gefragt, Leoni muss sich gesundschrumpfen. 2.000 Stellen werden gestrichen, kriselnde Geschäftsbereiche könnten abgestoßen werden, die Prognose für 2019 ist kassiert. Im Gesamtjahr sind Verluste nicht ausgeschlossen. Kamper zieht nun alle Macht an sich. Finanzvorstand Karl Gademann verlässt das Unternehmen, Kamper übernimmt das Ressort vorübergehend. Zudem leitet er künftig den wichtigen Bordnetze-Bereich.

Unkompliziert und gut gelaunt

Bei Osram war Kamper bekannt für seine unkomplizierte Art. Kamper war einer, der wenig Wert auf Hierarchen legte, der meist gut gelaunt und entspannt am Konferenztisch agierte. Bei Leoni muss er nun seine Rolle um eine wesentliche Facette erweitern. Er muss in erster Linie als Krisenmanager mit Durchsetzungskraft auftreten. Erschwert wird dieser Schwenk durch die Tatsache, dass er als Branchenfremder gilt – auch, wenn er bei Osram viele Chips für die Autobranche lieferte.

Der Leoni-Chef machte am Montag keinen Hehl daraus, dass er sich den Job bei seinem Antritt leichter vorgestellt hatte. „Es gibt vieles, was uns als Management überrascht hat.“ Die Transparenz bei Leoni sei „nicht besonders gut“. Verantwortlich für die Krise macht er vor allem das hohe Wachstumstempo in der Vergangenheit. Bei den Bordnetzen wuchs Leoni zeitweise doppelt so schnell wie der Markt.

Man sei damals fest davon ausgegangen, dass die hohen Investitionen das Unternehmen zwangsläufig beflügeln würden. Doch die Hoffnung blieb unerfüllt, und heute wisse man, dass jede einzelne Fertigungsstätte für sich profitabel sein müsse. Das Management sei hier schlicht zu optimistisch gewesen.

Ein gutes Beispiel ist das neue Werk in Mexiko. Leoni ging in diese Region, um für einen neuen Autokunden zu fertigen – eine doppelte Herausforderung. Die Aufnahme der Produktion bereitete große Schwierigkeiten, allein in diesem Jahr rechnet Kamper mit 50 Millionen Euro Belastungen aus Merida. Doch damit nicht genug. Kamper sieht zudem „Effizienz- und Kostendefizite an einigen anderen Standorten“.

Karrierestart bei Osram

Der Chip-Experte Kamper war zu Leoni geholt worden, um die Strukturen des Unternehmens mit einem frischen Blick von außen zu hinterfragen. Der Manager hatte in Maastricht und Trier Betriebswirtschaft studiert und seinen MBA in Stanford gemacht. 1994 startete er seine Karriere bei Osram als Controller und wechselte fünf Jahre später zur Chipsparte. Nach einem Gastspiel in den USA übernahm er 2010 die Führung von OS Semiconductors.

Nach dem Börsengang zogen die Erfolge seiner Sparte den gesamten Osram-Konzern mit nach oben. Höhepunkt war die Eröffnung eines Chipwerks in Malaysia, das in Rekordzeit aus dem Boden gestampft wurde. „Mit einer Wochenproduktion des Werks könnte die Straßenbeleuchtung der Metropolen New York, Rio, Hongkong und Berlin komplett auf LED umgerüstet werden“, schwärmte Kamper bei der Inbetriebnahme im Herbst 2017.

Nach seinem Weggang von Osram ging es dort abwärts. Die Halbleiter-Branche ist zyklisch, jeder Aufschwung ist einmal vorbei. Doch diesmal kam der Einbruch überraschend plötzlich. Manche bei Osram werfen Kamper heute vor, zu optimistisch in den Abschwung hinein investiert zu haben. Bei Leoni zumindest besteht diese Gefahr derzeit nicht: Hier muss Kamper von Anfang an auf die Bremse treten.

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