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Autozulieferer „Die Party ist vorbei“ – Continental-Führung rechnet mit sinkenden Margen

Der Wandel der Autoindustrie erreicht die Zulieferer. Continental muss die Gewinnaussichten senken. Die Anleger reagieren zunächst ernüchtert.
Update: 14.01.2019 - 15:49 Uhr Kommentieren
Autozulieferer Continental rechnet mit schrumpfenden Margen. Quelle: dpa
Continental AG

Autozulieferer Continental rechnet mit schrumpfenden Margen.

(Foto: dpa)

DüsseldorfMit extremer Vorsicht geht der Autozulieferer Continental in das gerade begonnene Jahr. Wegen der weltweiten Abschwächung bei den Autoverkaufszahlen kalkuliert der Konzern aus Hannover jetzt mit einem weiteren Rückgang der operativen Umsatzrendite (Ebit-Marge, bereinigt).

2019 werde die Rendite voraussichtlich in einer Spanne zwischen acht und neun Prozent liegen, wie Continental am Montagmorgen mitteilte. Im vergangenen Jahr hat der Autozulieferer eine Rendite von 9,2 Prozent erreicht, 2017 waren es noch mehr als zehn Prozent.

„Die Party ist vorüber“, kommentierte ein Conti-Manager die jüngste Entwicklung auf dem globalen Automobilmarkt. In den ersten sechs Monaten von 2019 stellt sich der Zulieferkonzern auf weitere Rückgänge ein, erst im zweiten Halbjahr ist aus Continental-Sicht mit einer leichten Verbesserung zu rechnen.

Nicht nur bei der Rendite ist Conti extrem vorsichtig geworden, sondern auch bei der Umsatzentwicklung. Der Konzern sagt für dieses Jahr ein Wachstum auf 45 bis 47 Milliarden Euro voraus (2018: 44,4 Milliarden). Damit würde der Umsatz in einer Spanne zwischen 1,4 bis 5,9 Prozent zulegen.

Die rückläufige Marktentwicklung wird sich nach Ansicht von Continental aller Vorrausicht nach im ersten Halbjahr 2019 unverändert fortsetzen. „Gründe dafür sind vor allem die weiterhin schwache Nachfrage in China, der Handelsstreit zwischen USA und China sowie weiter geringere Abrufzahlen in Folge der WLTP-Umstellung in Europa. Hinzu kommt die allgemeine Brexit-Unsicherheit“, kommentierte Continental-Finanzvorstand Wolfgang Schäfer den Marktausblick. Conti hat keine große Produktion in Großbritannien, der britische Markt macht allerdings rund drei Prozent des Konzernumsatzes aus.

Die Zulassungsprobleme gerade der deutschen Autohersteller mit den neuen WLTP-Standards werden noch weit ins neue Jahr hinein spürbar sein. „Auch im zweiten Quartal werden die Produktionszahlen unter dem Vorjahresniveau liegen“, sagte Schäfer im Gespräch mit dem Handelsblatt. Für Conti bedeute das weniger Bestellungen und Aufträge. Die weitere wirtschaftliche Entwicklung in China wird aus seiner Sicht entscheidend vom Ausgang des Handelskonfliktes mit den USA geprägt. Bleibt die Konfrontation aus, sei auch wieder mit steigenden Produktions- und Verkaufszahlen bei Autos zu rechnen. Continental erzielt immerhin knapp 15 Prozent seines Umsatzes in der Volksrepublik.

Angesichts der Probleme auf den globalen Automärkten ist der Konzern zufrieden mit der vergleichsweise guten Entwicklung des eigenen Industriegeschäfts unter der Marke ContiTech. „Damit haben wir einen ausgleichenden Faktor in unserer Bilanz“, ergänzte Schäfer. ContiTech bewege sich in einem anderen Konjunkturzyklus, sei deshalb von den aktuellen Problemen der Autobranche nicht betroffen. Die Konzerntochter werde wieder eine zweistellige Umsatzrendite erreichen. ContiTech stellt beispielsweise Förderbänder für große Industrieanlagen her. Eine ähnlich ausgleichende Wirkung geht nach Conti-Angaben vom Reifenersatzgeschäft für Gebrauchtwagen aus, das überwiegend von privaten Kunden und nicht von den großen Autoherstellern getragen werde.

Im zweiten Halbjahr erwartet das Unternehmen wieder ein leichtes Marktwachstum. Ein schwächeres erstes und ein besseres zweites Halbjahr sollen sich dann ausgleichen: „Für das Geschäftsjahr 2019 rechnen wir mit einem Produktionsvolumen von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen auf Vorjahresniveau“, ergänzte Schäfer. Diese Stagnation bei der weltweiten Absatzentwicklung sei die grundlegende Basis der Jahresprognose von Conti.

Nach den eigenen schlechten Erfahrungen des vergangenen Jahres ändert Continental auch seine Finanzberichterstattung. Wegen der schlechten Absatzentwicklung hatte der hannoversche Konzern seine Prognose für 2018 im Sommer binnen weniger Wochen zweimal zurücknehmen müssen. Investoren hatten damals entsprechend reagiert und für einen massiven Kursrückgang bei der Conti-Aktie gesorgt.

Continental will deshalb von diesem Jahr an bei seiner Prognose keine Einzelwerte mehr, sondern eine Spanne veröffentlichen. Der Konzern vermeidet damit nachträgliche Korrekturen wie im vergangenen Jahr, die zu den empfindlichen Kursverlusten geführt hatten.

Finanzvorstand Schäfer rechtfertigte diese Umstellung in der Finanzberichterstattung. Es sei sehr viel schwieriger geworden, die Entwicklung eines „zunehmend volatilen Marktumfeldes“ punktgenau abzuschätzen.

„In Phasen solch tiefgreifenden, technologischen Wandels in der Automobilindustrie wie derzeit und eines zunehmend mehrdeutigen, unsicheren wirtschaftlichen Umfeldes suggerieren punktgenaue Prognosen eine Genauigkeit, die sie schlicht nicht mehr haben können“, führte Schäfer weiter aus. Die Publikation von Rendite- und Umsatzintervallen sei in der Automobilindustrie im Übrigen branchenüblich.

Im Schlussquartal von 2018 hat Continental die Markterwartungen weitestgehend erfüllt. Im vierten Quartal erzielte Continental einen Umsatz von rund 11,25 Milliarden Euro und lag damit auf dem Niveau des vergleichbaren Vorjahresquartals.

Das bereinigte operative Ergebnis liegt in den letzten drei Monaten von 2018 bei rund 1,1 Milliarden Euro, die bereinigte operative Marge bei rund 9,7 Prozent.

Nach den beiden Gewinnwarnungen von Conti aus dem Sommer waren an den Finanzmärkten keine besonderen Überraschungen mehr erwartet worden. Getragen wurde das Schlussquartal vom starken Absatz mit Winterreifen sowie einer guten Marktentwicklung im nicht vom Fahrzeugbau abhängigen Industriegeschäft.

„Wir haben ein solides Ergebnis erzielt, unsere angepassten Jahresziele haben wir erreicht“, sagte Vorstandschef Elmar Degenhart zur vorläufigen Bilanz für 2018. Die Abwärtsbewegung der Automobilmärkte habe sich im vierten Quartal „wie befürchtet“ noch einmal deutlich verschärft.

„Dies in Kombination mit den tiefgreifenden Veränderungen in unseren Industrien verlangsamt unser Wachstumstempo“, ergänzte er. Digitalisierung und Elektrifizierung und der damit verbundene immense Investitionsaufwand sorgen für zusätzliche Unsicherheiten in der Fahrzeugbranche.

Trotz der schwierigen Lage auf den globalen Automärkten bereitet Continental weiterhin einen Teilbörsengang seiner Antriebssparte („Powertrain“) vor. Zum 1. Januar hat Continental die rechtliche Verselbstständigung der Sparte mit mehr als 40.000 Beschäftigten vollzogen. Bis Mitte des Jahres soll die neue rechtliche Einheit für einen möglichen Teilbörsengang vorbereitet werden.

Dieser Schritt ist Teil einer der größten organisatorischen Umbauten in der Unternehmensgeschichte. Die Neuaufstellung sieht die Bildung einer Holding-Struktur unter der neuen Dachmarke „Continental Group“ vor. Sie wird von drei Säulen getragen: Dazu zählen „Continental Rubber“, „Continental Automotive“ und „Powertrain“.

„Unsere Neuaufstellung ist die Antwort auf die tiefgreifenden Veränderungen in der Automobilindustrie und die damit verbundenen Herausforderungen“, sagte Degenhart. Continental böten sich große Wachstumspotenziale durch neue Technologien, größere Kundenaufträge und neue Chancen in den Bereichen Softwarelösungen und Dienstleistungen. „Wir richten unsere Organisation frühzeitig neu aus auf die technologischen Herausforderungen und die sich verändernden Marktbedürfnisse“, fügte er hinzu.

Die Gewinnaussichten sorgten an der Börse für große Enttäuschung: Die Conti-Aktie verlor im Frankfurter Frühhandel zunächst 3,2 Prozent, erholte sich dann aber wieder. „Der Optimismus der Autozulieferer vom Jahresbeginn wird nach diesen Conti-Zahlen schnell verflogen sein“, kommentierte Autoanalyst Arndt Ellinghorst vom Investmenthaus Evercore ISI die Zahlen aus Hannover.

Andere Zulieferer würden in dieser Woche wahrscheinlich noch mit ähnlich negativen Prognosen folgen. „Das ist ein sehr ernüchternder Ausblick.“

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