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Autozulieferer Für Autozulieferer ZF sind US-Strafzölle ein „großes Risiko“

Höhere Stahl- und Aluminium-Preise lassen bei ZF Friedrichshafen den Gewinn sinken. Im zweiten Halbjahr droht dem Konzern weiterer Gegenwind.
30.07.2018 Update: 30.07.2018 - 14:49 Uhr Kommentieren
ZF Friedrichshafen bekommt Handelsstreit zu spüren Quelle: dpa
ZF Friedrichshafen

Um das Wachstum anzukurbeln, suche ZF Friedrichshafen nach zusätzlichen Kompetenzen in Software und beim autonomen Fahren, auch durch Zukäufe.

(Foto: dpa)

München, Frankfurt Die großen Automobilzulieferer haben die Zeichen der Zeit noch vor ihren Kunden aus der Autoindustrie erkannt und passen ihre Strukturen den Anforderungen von Elektro- und Roboterauto an. ZF hat jetzt zu den Halbjahreszahlen nachgeschärft und vier Geschäftsbereiche definiert. Die ursprüngliche ZF mit dem Getriebe und Fahrwerksgeschäft heißt nun „Vehicle Motion Control“. Komplettiert wird das Quartett durch integrierte Sicherheitstechnik (u.a. Airbags), Automatisiertes Fahren und Elektromobilität.

Und Finanzchef Konstantin Sauer macht kein Hehl daraus, dass in ein Großteil der Forschungs- und Entwicklungskosten zuletzt in das elektrische Fahren und das selbstfahrende Auto geflossen sind. Im ersten Halbjahr stiegen die Forschungs- und Entwicklungskosten um 10 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro.

Anders als die beiden Branchenführer Bosch und Continental ist das Stiftungsunternehmen nicht direkt von der Dieselkrise betroffen. ZF baut nur Elektromotoren und Hybridaggregate. Darum ist Zulieferer auch nicht gezwungen, verschiedene Antriebe in einer Einheit zusammenzufassen, um schneller regieren zu können, falls die Dieselnachfrage schneller einbricht oder die Elektroantriebe stärker nachgefragt werden. Teilbörsengänge, um sich Geld für die Transformation zu beschaffen,  wie sie Conti in der vergangenen Woche angekündigt hatte, sind am Bodensee ebenso ein Tabu wie beim Stiftungsunternehmen Bosch.

Auch dieses Finanzierungsinstrument waren die Erfolge des Finanzchefs Konstantin Sauer zuletzt unübersehbar. Die komplett fremdfinanzierte Milliardenübernahme von TRW hat Sauer so clever ausbalanciert, dass sowohl Fälligkeits- wie Währungsrisiken dem Stiftungsunternehmen vom Bodensee kaum etwas anhaben konnten.

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    Dass das Timing so perfekt in die Niedrigzinsphase passte, konnte aber selbst Sauer nicht ahnen. Die vor allem aus der Übernahme von TRW stammende Schuldenlast ist im ersten Halbjahr um 450 Millionen auf 5,9 Milliarden Euro abgebaut worden. Die Nettoverschuldung liegt nur noch bei 4,7 Milliarden Euro. Bleiben die Zinsen weiter niedrig, dann könnte ZF bald wieder auf größere Einkaufstour gehen.

    Dem ehemaligen ZF-Chef Stefan Sommer wird das mit Genugtuung aus der Ferne beobachten. Ihm haben die Turbulenzen immerhin einen Traumjob als Einkaufschef bei Volkswagen beschert.

    Ganz ohne Probleme verlief das abgelaufene Quartal unter dem neuen Chef Wolf-Henning Scheider aber nicht: Der schwache Dollar sowie höhere Stahl- und Aluminium-Preise machten dem Autozulieferer zu schaffen. Das bereinigte Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) ging im ersten Halbjahr um zwölf Prozent auf 1,06 Milliarden Euro zurück.

    Der Umsatz kletterte dagegen um knapp zwei Prozent auf 18,7 Milliarden Euro, ohne Währungseffekte und den Verkauf der Bediensysteme-Sparte wäre er um acht Prozent gestiegen. „Das starke organische Umsatzwachstum zeigt, dass wir die richtigen Produkte für die weltweiten Märkte anbieten“, sagte Vorstandschef Wolf-Henning Scheider. Der ehemalige Mahle-Manager hatte im Februar die Nachfolge von Sommer angetreten.

    Im zweiten Halbjahr erwartet ZF noch mehr Gegenwind. In Nordamerika und Asien werde die Pkw-Nachfrage schwächer werden, erklärte der Konzern vom Bodensee. Voraussichtlich lasse sich das aber im Nutzfahrzeug-Geschäft wettmachen. „Auch wenn der Wind - besonders durch Beeinträchtigungen des freien Handels - im zweiten Halbjahr etwas rauer werden könnte, bleiben wir bei unserer Prognose“, sagte Finanzvorstand Konstantin Sauer.

    schon die erste Welle von US-Zöllen auf chinesische Waren sei ein „großes Risiko“, heißt es in einer Präsentation zum Halbjahresergebnis. US-Präsident Donald Trump hatte zuletzt angedroht, sogar auf chinesische Einfuhren im Wert von 500 Milliarden Dollar jährlich Zölle erheben zu können. China wiederum würde dann wieder mit Gegenzöllen reagieren – wie schon bei der ersten Welle.

    Der Umsatz soll im Gesamtjahr dennoch auf 36,5 Milliarden Euro steigen, die operative Umsatzrendite (Ebit-Marge) allerdings auf sechs Prozent sinken. Im ersten Halbjahr lag sie nur bei 5,7 Prozent.

    Weitere Zukäufe geplant

    Um das Wachstum anzukurbeln, suche ZF Friedrichshafen nach zusätzlichen Kompetenzen in Software und beim autonomen Fahren, auch durch Zukäufe. Einen neuen Anlauf zum Kauf des schwedischen Kupplungs-Herstellers Haldex schloss ZF am Montag aus. Für die Beteiligung von 17 Prozent würden alle Optionen geprüft..

    Auch personell baut ZF die Führung weiter um. Zuletzt warb der drittgrößte deutsche Automobilzulieferer Sabine Jaskula von ContiTech ab. Sie soll zum 1. Januar 2019 Vorständin für das Ressort Personal und Recht werden . Die 49-Jährige wird zusätzlich für das Thema Compliance zuständig sein.

    Den nächsten Topjob im Unternehmen  bekommt mit Holger Klein der Manager, der die Integration der Milliardenübernahme TRW leitete. Mit TRW erwarb ZF 2014 wichtige Zukunftstechnologien fürs Elektro- und Roboterauto und bewegt sich seitdem auf Augenhöhe mit den Branchenführern Bosch und Continental. Der 48-Jährige Ex-McKinsey-Berater wird im  Vorstand für die Pkw-Fahrwerktechnik und Aftermarket (Service- und Teilegeschäft) zuständig sein.

    Beide Vorstandsposten waren beim drittgrößten deutschen Automobilzulieferer vakant, weil Personalchef Jürgen Holeksa und Vertriebsvorstand Peter Lake zum 30. September aus dem Konzern ausscheiden sollen.

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