Autozulieferer Großaktionär Hastor sorgt für turbulente Grammer-Hauptversammlung

Bevor Übernahmeangebot von Jifeng Thema wurde, stellte der Großaktionär Hastor noch eine heikle Forderung.
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Das chinesische Unternehmen Jifeng hält bereits 26 Prozent der Anteile bei Grammer.
Autozulieferer Grammer

Das chinesische Unternehmen Jifeng hält bereits 26 Prozent der Anteile bei Grammer.

AmbergAuf der Hauptversammlung des Autozulieferers Grammer hat der umstrittene Großaktionär Hastor am Mittwoch erneut für Wirbel gesorgt. Anwalt Franz Enderle beantragte die Absetzung von Aufsichtsratschef Klaus Probst, unterlag aber nach einer Debatte in der Abstimmung. Erst nach Mittag begann dann die Aussprache über das Übernahmeangebot des chinesischen Autozulieferers Jifeng für Grammer und die Entwicklung des Unternehmens.

Vorstandschef Hartmut Müller warb bei den in Amberg versammelten Aktionären um Vertrauen für Jifeng. Das chinesische Unternehmen hält bereits 26 Prozent der Anteile und hat Grammer zugesichert, seine unternehmerische Eigenständigkeit, die Standorte und die 15.000 Arbeitsplätze zu erhalten. Müller erhofft sich von Jifeng die Sicherung der Wachstumsstrategie und der Kundenbeziehungen.

Die Kleinanleger des Autozulieferers Grammer sehen das Übernahmeangebot aus China nicht so rosig wie die Firmenspitze. „Die Aktionäre sind nicht besonders glücklich über diese Wendung“, sagte Günther Hausmann von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) am Mittwoch auf der Hauptversammlung in Amberg.

Würden die Hoffnungen Wirklichkeit, die der Vorstand in den bisherigen Großaktionär Ningbo Jifeng setze, stehe Grammer „eine goldene Zukunft“ bevor. „Warum soll ich dann meine Aktien verkaufen?“ Außerdem sei der Kurs mit gut 65 Euro höher als das Angebot der Chinesen mit 60 Euro plus Dividende von 1,25 Euro je Papier. „Das muss mir auch mal jemand erklären, wie so was funktionieren soll.“

Der chinesische Interieurspezialist Ningbo Jifeng kam 2017 bei Grammer an Bord, um zu verhindern, dass der unbeliebte Großinvestor Hastor die Macht bei dem Oberpfälzer Hersteller von Kopfstützen, Armlehnen, Mittelkonsolen und Nutzfahrzeugsitzen übernimmt.

Die bosnische Unternehmerfamilie ist auch außerhalb der Autobranche bekannt, seit ihr Zulieferer Prevent im Streit mit VW im Sommer 2016 die Produktion der Wolfsburger lahmlegte. An Grammer hält Hastor über zwei Investmentvehikel knapp ein Fünftel. Ningbo Jifeng kündigte Ende Mai an, auf eine Beteiligung von mindestens 50 Prozent aufstocken zu wollen. Hastor hält die gut 770 Millionen Euro schwere Offerte für zu niedrig.

Aktionärsvertreter Hausmann verwies darauf, dass in der Autobranche zur Ausweitung des Geschäfts in China nicht Übernahmen, sondern Gemeinschaftsunternehmen üblich seien. Grammer-Chef Hartmut Müller argumentierte, die Offerte schaffe eine „strategisch und rechtlich sichere Basis“, vor allem beim Schutz des Know-hows. „Mit einem Joint Venture wäre das viel schwieriger gewesen.“ Zudem werde Grammer dank Ningbo Jifeng mittelfristig mit chinesischen Herstellern ins Geschäft kommen und schneller deren Zulieferer für Elektroautos werden können.

Zudem seien die Chinesen bei den Kunden akzeptiert und hätten weitreichende Zugeständnisse an die Belegschaft gemacht: für die deutschen Standorte eine Garantie von 7,5 Jahren, für die anderen von fünf Jahren. „Mit keinem anderen Partner hätten wir diese Vorteile in dieser Geschwindigkeit umsetzen können“, sagte Müller.

„Wir alle hoffen natürlich, dass sich die Beteiligung der Ningbo Jifeng positiv auf die Auftragslage auswirkt“, sagte Grammer-Betriebsrätin Nicole Schobert. Der Zulieferer hatte in der Vergangenheit geltend gemacht, dass wegen des Machtkampfs mit Hastor Kunden abgesprungen seien. Schobert sagte weiter, trotz aller Zusicherungen der Chinesen habe die Belegschaft Sorgen. Vorstandschef Müller hielt dagegen, das Management werde auf „die strikte Einhaltung aller Zusagen“ achten. „Wir sind nicht blauäugig.“

Grammer hat mit Kopfstützen und Mittelkonsolen für Autos und mit Sitzen für Traktoren und Baumaschinen im vergangenen Jahr 1,8 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet.

Für die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) kritisierte Günter Hausmann aber die sinkende Gewinnmarge. Eine Marge von drei Prozent vom Umsatz in der Autosparte sei mehr als unbefriedigend. Nach Hastors vor einem Jahr gescheiterten Versuch, die Kontrolle bei Grammer zu übernehmen, sei der Auftragseingang der Sparte deutlich gefallen.

  • rtr
  • dpa
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