Autozulieferer Großaktionär Prevent eröffnet den Preispoker um Grammer

Die deutsch-bosnische Zuliefergruppe lehnt das Übernahmeangebot aus China als zu niedrig ab. Nun könnte es zu einem Bieterkampf um Grammer kommen.
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Der Einstieg von Ningbo Jifeng vor einem Jahr mit zunächst rund zehn Prozent hatte den bayerischen Autozulieferer vor einer feindlichen Übernahme durch Prevent bewahrt. Quelle: dpa
Grammer

Der Einstieg von Ningbo Jifeng vor einem Jahr mit zunächst rund zehn Prozent hatte den bayerischen Autozulieferer vor einer feindlichen Übernahme durch Prevent bewahrt.

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DüsseldorfGrammer-Großaktionär Prevent lehnt das Übernahmeangebot des chinesischen Konkurrenten Ningbo Jifeng für den bayerischen Autositzspezialisten ab. „Ein Wert pro Aktie von rund 100 Euro ist als durchaus realistisch anzusehen“, heißt es in einer Stellungnahme der deutsch-bosnischen Zuliefergruppe vom Mittwoch, die dem Handelsblatt vorliegt. Hinter Prevent steht die umstrittene Investorenfamilie Hastor.

Am Dienstag hatten sich Grammer und Ningbo Jifeng über die Übernahmemodalitäten verständigt. Die Chinesen bieten den übrigen Aktionären 61,25 Euro je Aktie, ein Plus von knapp 20 Prozent gegenüber dem Schlusskurs von vergangenen Montag. Grammer wird damit mit etwa 780 Millionen Euro bewertet.

Ningbo Jifeng hält schon jetzt gut 25 Prozent der Grammer-Aktien und will zum Mehrheitsaktionär aufsteigen. Die Prevent-Gruppe hält rund 20 Prozent der Anteile und dürfte eine Schlüsselrolle dabei spielen, ob die Übernahme durch die Chinesen gelingt.

„Wir betrachten das Angebot wirtschaftlich als unzureichend“, erklärte ein Prevent-Sprecher. Aktuelle Umsatzzuwächse aus den Geschäftsjahren 2017 und 2018 seien ebenso wenig berücksichtigt wie „noch nicht realisierte Ergebnispotenziale in erheblichem Umfang“.

Prevent sehe allein damit einen fairen Wert der Grammer-Aktie bei mindestens 85 Euro. Dazu komme noch die Übernahme des US-Konkurrenten TMD, die den Wert des Grammer-Papiers dann auf 100 Euro steigen lasse.
Prevent äußert auch grundsätzliche Zweifel am wirtschaftlichen Gehalt des Übernahmeangebotes aus China. Ningbo Jifeng sei mit einem Jahresumsatz von 250 Millionen Euro ein vergleichsweise kleines Unternehmen, das sich Grammer eigentlich nicht leisten könne.

Prevent deutet deshalb den Verdacht an, dass in Wahrheit staatliche Stellen aus China hinter dem Angebot stehen. Die deutsch-bosnische Gruppe zweifelt außerdem an den Arbeitsplatzgarantien, die Jifeng abgegeben hatte.

Prevent glaube weiterhin an das enorme Potenzial von Grammer. „Wir haben stets deutlich gemacht, dass wir das Engagement bei Grammer langfristig sehen. Wir werden nun alle vorhandenen Optionen prüfen, auch den nochmaligen Ausbau unserer Beteiligung“, betonte der Sprecher.

Ningbo Jifeng und Grammer könnten das als Drohung verstehen, dass Prevent möglicherweise in einen Bieterkampf einsteigt. Grammer bewertet die Pläne der Chinesen als freundliche Übernahme.

Der Einstieg von Ningbo Jifeng vor einem Jahr mit zunächst rund zehn Prozent hatte den bayerischen Autozulieferer vor einer feindlichen Übernahme durch Prevent bewahrt. Grammer sieht Prevent als Bedrohung, von der das Unternehmen aus Amberg in der Oberpfalz nicht geschluckt werden will.

Prevent gilt als aggressiver Zulieferer, der sich mit Unternehmen wie Volkswagen und Daimler anhaltende gerichtliche Auseinandersetzungen leistet und auch vor Lieferstopps nicht zurückschreckt. Als der Prevent-Einstieg bekannt geworden war, stornierten Automobilhersteller Aufträge bei Grammer. In der Fahrzeugbranche war die Sorge groß, dass Prevent auch bei Grammer mit Lieferbeschränkungen drohen könnte. Jifeng gilt hingegen als verlässliches Unternehmen, die Grammer-Übernahme durch die Chinesen stößt in der Autobranche deshalb nicht auf Widerstand.

„Prevent will mit seiner Stellungnahme auf jeden Fall den Preis für Grammer nach oben treiben“, sagte ein Branchenkenner. Selbst das von Ningbo Jifeng vorgelegte Angebot von 61,25 Euro je Aktie wäre für Prevent eigentlich interessant. Die deutsch-bosnische Gruppe könnte damit mehr als 150 Millionen Euro einstreichen – ungefähr doppelt so viel, wie die Aktien vor zwei Jahren gekostet haben. Bei 100 Euro je Aktie würde Prevent wahrscheinlich bei deutlich über 200 Millionen Euro laden.

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  • Hinter Prevent steht die sehr, sehr reiche Hastor Familie. Die chinesischen Investoren sind auch nicht arm. Beide können sich durchaus einen Übernahmepreis von 100 Euro leisten.
    Betrachtet man, dass bei Grammer auch amerikanische Hedgefonds beteiligt sind und der Streubesitz bei mageren 35%, und dass Grammer mit 800 Mio Börsenwert nach der Übernahme des amerikanischen Zulieferers 2018 über 2 Mrd Umsatz macht, dann wirkt das Unternehmen als ideales Übernahmeziel sowohl für Prevent als auch für den chinesischen Investor.
    Nicht zu vergessen Grammer ist ein hervorragend geführtes Unternehmen und macht richtig GEWINN und zahlt schöne DIVIDENDE! UND: Egal ob Diesel, Benzin, Gas oder E-Antrieb - SITZE WERDEN IMMER GEBRAUCHT!

    Bisher haben sich die chinesischen Investoren sehr positiv in Deutschland engagiert. Sie schätzen die deutschen Firmen und Mitarbeiter! Aus meiner Sicht sind die Arbeitsplätze nicht nur sicher, sondern gerade die Forschung würde wohl ausgebaut. Die Bedenken Prevents kann ich nicht teilen. Chinesische Investoren habe ich immer als korrekte, anständige und verlässliche Menschen erlebt.

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