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Autozulieferer Heinz Junker – Darum hat der Chefkontrolleur von Mahle so viel Macht

Der Aufsichtsratschef des Automobilzulieferers ist erneut auf CEO-Suche. Der muss nicht nur zum Unternehmen passen – sondern auch zum mächtigen Chefkontrolleur.
09.03.2021 - 18:14 Uhr Kommentieren
Mahle steht nicht gut da, aber auch nicht substanziell schlechter als die Konkurrenten. Quelle: dpa
Automobilzulieferer Mahle in Stuttgart

Mahle steht nicht gut da, aber auch nicht substanziell schlechter als die Konkurrenten.

(Foto: dpa)

Stuttgart Es ist der erneute überraschende Führungswechsel bei Mahle, der ein Schlaglicht wirft auf die zentrale Figur beim viertgrößten deutschen Autozulieferer. Denn Chefkontrolleur Heinz Junker ist zum zweiten Mal innerhalb von nur knapp drei Jahren dabei gescheitert, eine dauerhafte Lösung an der operativen Unternehmensspitze zu installieren.

Am Montag wurde bekannt, dass Vorstandschef Jörg Stratmann seinen Posten Ende März aufgibt. Dessen Vorgänger Wolf-Henning Scheider wanderte einst kurzfristig zur deutlich größeren Nummer drei in Deutschland, zu ZF an den Bodensee, ab.

Vorerst soll nun Finanzchef Michael Frick den Vorsitz der Geschäftsführung übernehmen. Doch es ist an Junker, einen neuen CEO zu suchen. Einen, der zu Mahle – und auch zum Aufsichtsratsvorsitzenden – passt.

Der Ingenieur Junker kennt Mahle bestens. Insgesamt 18 Jahre lang stand er selbst an der operativen Unternehmensspitze, seit sechs Jahren ist er Vorsitzender des Aufsichtsrats. Er verfügt über ein unvergleichliches Netzwerk. Und die Stiftungskonstruktion verleiht dem 71-Jährigen eine Machtfülle, wie sie ein angestellter Manager in kaum einem Unternehmen erreichen kann.

Es war im Jahr 1964, als Hermann und Ernst Mahle ihr Eigentum an die gemeinnützige Mahle-Stiftung übertrugen. Sie hält seither 99,9 Prozent der Anteile – aber keine Stimmrechte – und konzentriert sich auf den Stiftungszweck, die Förderung von Gesundheit, Bildung und Kultur. Die Stiftung erhält jährlich eine Ausschüttung in einstelliger Millionenhöhe.

Um die gemeinnützigen und industriellen Interessen strikt voneinander zu trennen, wurden dem Verein zur Förderung und Beratung der Mahle-Gruppe e.V. (Mabeg) alle Stimmrechte übertragen. Damit übt die Mabeg faktisch die Eigentümerfunktion aus. Der Mabeg wiederum gehören sieben Fachleute unter Führung von Heinz Junker an.

Auf der Suche nach einem neuen Vorstandschef. Quelle: picture alliance/dpa
Heinz Junker

Auf der Suche nach einem neuen Vorstandschef.

(Foto: picture alliance/dpa)

Wie beim Stiftungskonzern Bosch auch, wird Mahle damit quasi zu einem „sich selbst gehörenden Unternehmen“, auf dessen Geschicke ehemalige Führungskräfte maßgeblichen Einfluss haben. Experten für die Grundsätze ordentlicher Unternehmensführung (Corporate Governance) kritisieren Systeme mit übergangslosem Wechsel des Vorstandsvorsitzenden an die Aufsichtsratsspitze in der Regel scharf.

Solange die handelnden Personen allerdings erfolgreich als sogenannte „Verantwortungsunternehmer“ arbeiten, funktioniert das System in der Praxis erstaunlich gut. Das zeigt das Beispiel Bosch mit prägenden Persönlichkeiten wie Hermann Scholl oder derzeit Franz Fehrenbach in den höchsten Aufsichtsfunktionen.

Auch Mahle befindet sich in einer sehr schwierigen Lage

Bei Mahle muss Junker jetzt liefern. Intern wird der Manager ehrfürchtig „Professor“ genannt. Junker, Jahrgang 1949, studierte und promovierte an der RWTH Aachen. Im Jahr 1986 ging er zum US-Autozulieferer TRW (heute zu ZF Friedrichshafen gehörend). Von 1996 bis 2014 war er Chef von Mahle. Und wechselte anschließend direkt an die Spitze von Aufsichtsrat und Mabeg.

Junkers Büro im obersten Stock der Stuttgarter Mahle-Zentrale ziert ein etwa zwei Meter großes Modell eines Formel-1-Rennwagens von Ferrari. Es ist das Weltmeisterauto von Michael Schumacher aus dem Jahr 2003.

„Der Kolben stammt natürlich von uns“, sagte Junker, als er vor zwei Jahren eines seiner seltenen Interviews dem Handelsblatt gab. Und ergänzte: „Und noch ein paar schöne Dinge mehr.“ Mahle gehört mit der Herstellung von Kolben, Kühlsystemen und inzwischen auch Elektroantrieben zu den Großen der Branche mit über 70.000 Beschäftigten und knapp zehn Milliarden Euro Umsatz.

Das Unternehmen befindet sich – wie die gesamte Branche – bei weltweit eingebrochener Automobilproduktion in einer sehr schwierigen Lage. Zudem hat Mahle viel Geld in die Hand nehmen müssen, um durch gezielte Zukäufe unabhängiger vom Verbrennungsmotor zu werden.

Über die Hälfte des Umsatzes hängt inzwischen nicht mehr vom Verbrennungsmotor ab. Der Konzernumbau hat jedoch historische Dimensionen angenommen: 7400 Stellen hat Noch-CEO Stratmann in den vergangenen beiden Jahren gestrichen. Und derzeit laufen die Verhandlungen mit den Arbeitnehmern über den Abbau von weiteren 7600 Arbeitsplätzen, 2000 davon in Deutschland.

Im Corona-Jahr brach der Umsatz ein

Wird der Plan auch von Stratmanns Nachfolger durchgezogen, dann hat seit 2019 jeder fünfte Mahle-Beschäftigte seinen Job verloren. So etwas hat es zuvor bei dem Stiftungsunternehmen noch nie gegeben.

Im Corona-Jahr brach der Umsatz um 16 Prozent auf unter zehn Milliarden Euro ein. Unter dem Strich wird es einen Verlust geben. Mahle steht nicht gut da, aber eben auch nicht substanziell schlechter als Konkurrenten wie etwa Continental oder auch ZF. Die tatsächlichen Gründe, warum Stratmann gehen musste, sind derzeit noch unklar. Dass Arbeitnehmer bei dem massiven Personalabbau Stratmann kritisch gegenüberstanden, ist nicht überraschend.

Deshalb hätte Junker Stratmann aber wohl sicher nicht fallen lassen. Im Unternehmen waren am Montag alle überrascht – zumindest über den Zeitpunkt des Wechsels. Als Wolf-Henning Scheider vor drei Jahren spektakulär zum Konkurrenten ZF wechseln wollte, ließ Junker ihn ungehindert ziehen.

Auch weil er in Stratmann schnell einen Nachfolger gefunden hatte. Es wird spannend, wie Junkers dritter Versuch aussehen wird: „Bei Mahle gibt es schon eine fachlich sehr dominierende Person“, heißt es derweil von der Konkurrenz.

Mehr: Die Stiftung bietet doppelten Schutz“ - Wie der Mahle-Aufsichtsratschef den Umbruch meistern will

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