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Autozulieferer Leoni weiter in Problemen: „Covid-19 hat unsere Ergebnisse dramatisch beeinflusst“

Der Umsatz des mit Staatshilfe geretteten Bordnetzspezialisten halbiert sich, die Verluste steigen. Die Kabelsparte könnte in Einzelteilen verkauft werden.
12.08.2020 Update: 12.08.2020 - 10:54 Uhr Kommentieren
Der Autozulieferer steckt seit Jahren in der Krise. Quelle: dpa
Leoni-Zentrale in Nürnberg

Der Autozulieferer steckt seit Jahren in der Krise.

(Foto: dpa)

München Der Autozulieferer Leoni hatte infolge der Coronapandemie als eines der ersten großen Unternehmen in Deutschland Staatshilfe beantragen müssen. Das Überleben war damit zwar fürs Erste gesichert, doch hat der Bordnetzspezialist noch einen steinigen Weg vor sich. Im zweiten Quartal rutschte der Konzern wegen der Coronakrise noch tiefer in die roten Zahlen. „Die Covid-19-Pandemie hat die weltweite Automobilindustrie und damit auch deren Zulieferer hart getroffen“, sagte Vorstandschef Aldo Kamper.

Immerhin sieht Leoni aber wie andere Autozulieferer auch etwas Licht am Ende des Tunnels. Der Tiefpunkt sei im April erreicht worden, seither verzeichne man eine „schrittweise Erholung der Produktion unserer Kunden“. Auch im Juli, also zum Start ins dritte Quartal, setzte sich der insgesamt positive Trend laut Kamper fort.

Im zweiten Quartal aber schlug die Pandemie mit voller Wucht durch. „Covid-19 hat unsere Ergebnisse dramatisch beeinflusst“, sagte Finanzvorständin Ingrid Jägering. Der Umsatz brach um 46 Prozent auf 673 Millionen Euro ein. Unter dem Strich stand ein Verlust von 123 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum hatte das Minus 44 Millionen Euro betragen, im ersten Quartal 67 Millionen Euro. Die Eigenkapitalquote halbierte sich binnen Jahresfrist auf zwölf Prozent.

Im zweiten Quartal schrieben auch viele andere Zulieferer rote Zahlen. So verbuchte Schaeffler unter dem Strich einen Quartalsverlust von 168 Millionen Euro. Auch ZF Friedrichshafen rutschte in die Verlustzone.

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    Der Chip-Spezialist Kamper war 2018 eigentlich zu Leoni geholt worden, um den Wachstumskurs weiter voranzutreiben. Doch schnell zeigte sich, dass er vor allem als Sanierer gefragt ist. „Das Hauptproblem war ein zu schnelles Wachstum“, sagte Restrukturierungsvorstand Hans-Joachim Ziems dem Handelsblatt. So geriet der Anlauf eines neuen Werks in Mexiko zum kostspieligen Desaster.

    Immerhin konnte sich Kamper rechtzeitig vor der Krise mit den Banken auf ein Sanierungskonzept einigen. Dadurch gelangte Leoni leichter an Staatshilfe – weil es einfacher nachweisen konnte, dass die neuen Probleme tatsächlich an Corona lagen. Der Konzern sicherte sich neue Kredite in Höhe von 330 Millionen Euro, für die Bund und Länder zu 90 Prozent bürgen.

    Damit sei der Konzern bis Ende 2022 durchfinanziert, bekräftigte Kamper nun. Ob das Unternehmen auch einen zweiten Lockdown durchstehen würde? Die Situation habe sich deutlich verbessert, antwortete Kamper. Ein zweiter weltweiter Lockdown wie im April sei unwahrscheinlicher geworden, das Virus könne regional bekämpft werden.

    Konzentration auf das Kerngeschäft

    Kamper hatte schon vor der Coronakrise angekündigt, die Kabelsparte abzuspalten. Künftiges Kerngeschäft sollen dann die Bordnetze sein. Offenbar gelingt es aber nicht, die Einheit, die unter anderem Kabel für die Autobranche und die Industrie produziert, als Ganzes zu verkaufen. Investoren hätten Interesse für Teilbereiche bekundet, hieß es am Mittwoch. Man schaffe deshalb die Voraussetzung für Teilverkäufe. Leoni werde die Trennung von den Einheiten aber „nur vollziehen, sofern ein fairer Wert erzielt werden kann und zukunftsfähige Konzepte für die jeweiligen Teilbereiche vorliegen“.

    Die Coronakrise hat viele schwach kapitalisierte Autozulieferer in Schwierigkeiten gebracht. „Der ganze Zulieferersektor in Europa hat ein zunehmendes Verschuldungsproblem“, sagt Arno Fuchs, CEO der auf mittelständische Firmen spezialisierten Investmentbank FCF Fox Corporate Finance, dem Handelsblatt. Vor allem kleine und mittelgroße Autozulieferer hatten in den vergangenen Jahren große Schuldenberge angehäuft, um den Strukturwandel zu finanzieren.

    Leoni verzeichnete im zweiten Quartal einen negativen Free Cashflow von 244 Millionen Euro. Die Nettofinanzschulden stiegen vor allem deshalb seit Jahresbeginn von 1,2 auf knapp 1,6 Milliarden Euro. Die Auswirkungen von Corona hätten die Bilanz „weiter strapaziert“, drückte es CFO Jägering aus.

    Schon das vergangene Jahr war für Leoni nicht gut gelaufen. Der Umsatz sank 2019 um fünf Prozent auf 4,8 Milliarden Euro, unter dem Strich stand ein Verlust von 435 Millionen Euro.

    Aktie steigt nach Vorlage der Quartalszahlen

    Entsprechend leidgeplagt sind die Aktionäre von Leoni. Anfang 2018 stand der Aktienkurs noch bei rund 65 Euro. Seither ging es fast kontinuierlich auf zuletzt gut sieben Euro bergab. Nach Vorlage der Quartalszahlen stieg sie immerhin um zeitweise mehr als sieben Prozent auf 7,70 Euro.

    Das zweite Quartal sei auf den ersten Blick etwas besser ausgefallen als erwartet, urteilte Jose Asumendi von JP Morgan. Analyst Tim Schuldt vom Analysehaus Pareto erklärte, Leoni habe eine gute Kostendisziplin gezeigt. Der große Mittelabfluss bleibe aber ein Problem.

    Leoni-Chef Kamper ist trotz aller Probleme vorsichtig zuversichtlich. Bei der Restrukturierung komme der Konzern voran. „Wir bewegen uns weiterhin in die richtige Richtung.“

    Mehr: Insolvenzverwalter warnen vor Zombie-Unternehmen.

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