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Bosch-Chef Volkmar Denner

„Wir wollen als Innovationsführer KI selbst beherrschen und zur Weltspitze gehören.“

(Foto: AFP/Getty Images)

Autozulieferer Milliarden fürs autonome Fahren – Bosch wagt sich ins KI-Duell mit Google

Der Autozulieferer will in den kommenden Jahren 3000 Experten für Künstliche Intelligenz einstellen. Bosch-Chef Denner hat sich die Weltspitze zum Ziel gesetzt.
Update: 30.01.2019 - 17:42 Uhr 2 Kommentare

Stuttgart Im neuen Imagefilm rappt ein junger Mann durch den Alltag, singt den neuen Slogan „Like A Bosch“ und den Refrain „I-O-T“. Alles in Englisch, zugeschnitten auf die junge Generation in den sozialen Medien. Den Rasen mäht ein Roboter, das Smartphone schickt beim Einkaufen ein Bild vom leeren Kühlschrank, das Auto parkt selbstständig ein.

„Dank unserer vernetzten Lösungen ist der Mann jederzeit Herr der Lage, hat alles im Griff“, schwärmt Bosch-Chef Volkmar Denner. In der Realität steht jede Menge Künstliche Intelligenz hinter dem Internet der Dinge (IoT) und vor allem hinter dem Roboterauto, das eines Tages ohne den Fahrer auskommt.

Beim ambitioniertesten Projekt der gesamten Branche will Denner auch Herr der Dinge sein. Das bedarf gewaltiger Anstrengungen und einer Kampfansage: „Bis 2021 werden wir die Zahl der 1.000 KI-Experten im Unternehmen vervierfachen“, kündigt Denner die große Offensive des Technologiekonzerns an.

Aus Sicht des Bosch-Chefs ist Künstliche Intelligenz der Schlüssel für die Zukunft. KI ermöglicht selbstlernende Systeme, die mit riesigen Datenmengen umgehen können. Nur mit solchen Verfahren ist das autonome Fahren wirklich beherrschbar. Nur mit hochkomplexen Algorithmen können Autos in Zukunft die Daten aus Kameras, Lasern und Radaranlagen erkennen, bewerten und am Ende Entscheidungen treffen.

Schon heute hat kein Autozulieferer und wohl auch kein Hersteller der Autoindustrie mehr der begehrten KI-Experten an Bord als Bosch. Der größte Rivale Continental zählt nach eigenen Angaben erst 400 KI-Experten im Haus und möchte die Anzahl bis 2021 auf 700 ausbauen. ZF hat noch gar keine größere eigenständige KI-Einheit.

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Bosch kann damit als einziger deutscher Zulieferkonzern Waymo die Stirn bieten. Die Google-Schwester ist der Pionier beim Thema Roboterauto und hat bereits Hunderttausende Kilometer mit einer Armada fahrerloser Autos zurückgelegt. Die Kalifornier sammeln massenhaft Daten, damit ihre Fahrzeuge möglichst alle Situationen erleben und erlernen.

Denner sieht durchaus Chancen, diesen Vorsprung bis zur endgültigen Freigabe von Roboterautos aufholen zu können. „Wir wollen zu den Ersten zählen“, sagt der Bosch-Chef und verweist auf die jahrzehntelange Erfahrung des Konzerns bei der Validierung von Assistenzsystemen und auf das Gesamtverständnis für Fahrzeuge. Bosch will den Fahrzeugen die meisten Extremsituationen mit Simulation beibringen und so die aufwendigen Testfahrten einsparen.

Die Schwaben begannen bereits vor zehn Jahren, Kompetenz aufzubauen. „Wir sind uns sicher, die 3.000 KI-Experten weltweit rekrutieren zu können, sonst hätten wir die Zahl nicht gesagt“, sagt Bosch-Personalchef Christoph Kübel. Bosch habe bereits gute Leute, und die würden gute Leute nachziehen. Denn die Schwaben arbeiten an einem ganzen Kosmos von KI-Anwendungen.

An intelligenten Kameras beispielsweise, die am Gesicht eines Passanten erkennen, ob er über die Straße will. Oder am Sensorsystem SoundSee, dessen Algorithmus mithilfe von Sensorik und maschinellem Lernen hören und vorhersagen kann, wann Maschinen ausfallen. Das System wird auf der Raumstation ISS eingesetzt.

Die Dynamik ist enorm. Bis Mitte der kommenden Dekade sollen alle Produkte von Bosch über KI verfügen, mit ihr entwickelt oder produziert worden sein. „Zwar dominieren amerikanische und chinesische Unternehmen bei KI für die Konsumindustrie“, weiß auch Bosch-Chef Denner. „Aber ohne Domänenwissen zu Verkehr, Industrie oder Gebäude bleibt ihr Potenzial hinter dem der industriellen KI zurück.“

Denners Ziele könnte höher kaum sein: „Wir wollen als Innovationsführer KI selbst beherrschen und zur Weltspitze gehören.“

Bosch hatte vor einem Jahr den milliardenschweren möglichen Einstieg in die Produktion von Batteriezellen abgesagt. Klar war schon damals, dass Denner das Geld lieber ins autonome Fahren investiert. Jetzt konkretisiert er die Pläne: „Allein bis 2022 rechnen wir mit Vorleistungen in Höhe von vier Milliarden Euro.“

„Das fahrerlose Fahren wird zum Game Changer für die individuelle Mobilität. Es wird disruptive Geschäftsmodelle wie Robotaxis und Shuttle-Mobilität ermöglichen“, sagte Bosch-Chef Denner. Quelle: dpa
Shuttle-Konzept von Bosch auf der CES 2019

„Das fahrerlose Fahren wird zum Game Changer für die individuelle Mobilität. Es wird disruptive Geschäftsmodelle wie Robotaxis und Shuttle-Mobilität ermöglichen“, sagte Bosch-Chef Denner.

(Foto: dpa)

Bosch verfolgt zwei Entwicklungspfade: Fahrerassistenzsysteme werden das teilautomatisierte Fahren für Privatfahrzeuge ermöglichen (Autonomiestufen 2 und 3). Bereits in diesem Jahr will das Unternehmen zwei Milliarden Euro Umsatz mit Systemen für Fahrerassistenz erzielen. Nur Continental kann da noch einigermaßen mithalten und hat sich bis 2020 rund 2,5 Milliarden Euro vorgenommen. Das Marktpotenzial schätzen Berater von Roland Berger auf 60 Milliarden Dollar in den kommenden zehn Jahren.

Bosch sucht Kooperationen

Noch spannender wird es, wenn es um das vollautomatisierte fahrerlose Fahren (Autonomiestufen 4 und 5) geht. „Das fahrerlose Fahren wird zum Game-Changer für die individuelle Mobilität. Es wird disruptive Geschäftsmodelle wie Robotaxis und Shuttle-Mobilität ermöglichen“, sagt Denner. Bis 2025 erwarten Experten 2,5 Millionen Shuttle-Busse auf den Straßen.

Zuletzt wurde über eine Allianz aller deutschen Hersteller beim Thema autonomes Fahren spekuliert. Bosch arbeitet hier bereits eng mit Daimler zusammen. Daimler wiederum lotet eine Kooperation mit dem Erzrivalen BMW aus. „Wir sind offen für Kooperationen. Es laufen solche Gespräche“, sagt Denner, ohne Namen zu nennen, ergänzt aber: „Wir sprechen mit mehreren im Moment.“ Das würde dann auch heißen, mit dem Volkswagen-Konzern, dessen Positionierung noch unklar ist.

Die Wolfsburger haben Anfang Januar eine umfassende Kooperation mit Ford geschlossen. Beim Thema digitale Karten sitzen die deutschen Hersteller und Zulieferer ohnehin schon als Gesellschafter des Berliner Kartendienstleisters Here in einem Boot. Denner bezeichnete es als „Gebot der Wirtschaftlichkeit, die immensen Entwicklungskosten auf mehrere Schultern zu verteilen“.

 „Beim Thema autonomes Fahren kommen die Hersteller nicht an Bosch vorbei“, bestätigt Autoexperte Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach. „Bei KI hat Bosch in der deutschen Autozulieferindustrie die größte Power.“ Aber man müsse nicht nur das Silicon Valley bei dem Thema im Auge haben, sondern auch die chinesischen Tech-Unternehmen.

Das Unternehmen kann sich den Kraftakt bei einer Liquidität von 16,5 Milliarden Euro leisten. Aber das Geschäft läuft wegen Konjunkturschwankungen, Handelskonflikten und nicht zuletzt der sinkenden Nachfrage nach Dieseltechnologie nicht mehr ganz so gut. Der Umsatz des Konzerns, der neben Autoteilen auch Hausgeräte, Elektrowerkzeuge sowie Gebäude- und Industrietechnik herstellt, stieg 2018 nur noch um 1,5 Prozent auf 77,9 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis stagnierte bei 5,3 Milliarden Euro.

Dieses Jahr sollen es nur noch fünf Milliarden sein. Die hohen Investitionen in die Zukunftstechnologien sind bislang ein Wechsel auf die Zukunft, den Denner mit seiner Offensive jetzt noch schneller einlösen will und muss.

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2 Kommentare zu "Autozulieferer: Milliarden fürs autonome Fahren – Bosch wagt sich ins KI-Duell mit Google"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Das ist wohl auch bitter nötig, auch wenn Bosch im das Duell mit Google natürlich chancenlos ist.

    Wer wissen möchte wie es um die KI Kompetenz bei Bosch bestellt ist, soll sich den brandneuen Saugroboter Bosch Roxxter ansehen. Zu allem Überfluss wird sowas sogar seitens Bosch in den Läden zum Verkauf angeboten.

  • Ich persönlich träume von einem Gemeinschaftsunternehmen der deutschen Automobilbauer zusammen mit den Zulieferern zur Entwicklung der BASISTECHNOLOGIE:
    Künstliche Intelligenz interessiert als Technik den Verbraucher nicht all zu sehr ! Was wichtig ist, ist die FUNKTIONALITÄT, die sich daraus ergibt. Diese Funktionalität gemeinschaftlich auf einander abgestimmt zu entwickeln muss das Ziel sein. Damit würde sich auch ein enormer Sicherheitsvorteil im Vergleich zur menschlichen, teilweise in der Funktion eingeschränkten, natürlichen Intelligenz ergeben.

    .... Der Mensch ist eben natürlichen Schwankungen in seiner Leistungsfähigkeit ausgesetzt: Migräne, schlecht geschlafen, Partner/-in macht Stress, Alkohol, Medikamente, Drogen.... Von guten, ausgereiften KI Systemen erwarte ich mir ein hohes Mass an Sicherheit und Komfort!

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