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Continental-Produktion

Wegen der Rückstellungen für das Sparprogramm und wegen externer Effekte musste Continental eine Wertminderung in Höhe von 2,5 Milliarden Euro hinnehmen.

(Foto: dpa)

Autozulieferer Nach Milliardenverlust: Continental warnt vor langer Stagnation auf dem Automarkt

Update: 12.11.2019 - 10:20 Uhr Kommentieren

Düsseldorf Der einzige im Dax notierte Autozulieferer hat am Dienstagmorgen seine Zahlen für das dritte Quartal veröffentlicht. Die Continental-Bilanz gilt als Gradmesser für die Stimmung in der Branche. Die wichtigsten Fakten:

  • Der Umsatz im dritten Quartal steigt im Vorjahresvergleich um 2,9 Prozent von 10,8 auf 11,1 Milliarden Euro. Analysten hatten einen Umsatz von über elf Milliarden Euro erwartet.
  • Die Ebit-Marge des Gesamtkonzerns hingegen sinkt von 7,1 auf 5,6 Prozent.
  • In der Automotive-Sparte rutschte die operative Ebit-Marge im dritten Quartal von vier auf 1,6 Prozent ab. Das Reifengeschäft konnte seine Marge mit 12,3 Prozent nahezu stabil halten.

Das fällt positiv auf

In einem herausforderndem Umfeld mit rückläufiger Fahrzeugproduktion ist es Continental gelungen, einen Umsatzeinbruch zu verhindern. „Dank unserer weltweit nachgefragten Systeme und Lösungen konnten wir unseren Umsatz im dritten Quartal stabil halten“, sagte Continental-Chef Elmar Degenhart.

Der Konzern hält an seinen angepassten Zielen für das Jahr 2019 fest. Demnach erreicht das Unternehmen einen Umsatz zwischen 44 und 45 Milliarden Euro und eine Ebit-Marge zwischen sieben und 7,5 Prozent.

Das bereinigte operative Ebit hingegen sinkt zwar um fast 21 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro, dennoch bleibt die bereinigte Investitionsquote in etwa gleich hoch. Für Forschung und Entwicklung gibt Continental mehr Geld aus. Waren es im Vorjahr etwa 2,5 Milliarden Euro, stiegen die Ausgaben in diesem Jahr auf knapp 2,7 Milliarden Euro.

Das fällt negativ auf

Continental musste eine Wertminderung in Höhe von 2,5 Milliarden Euro hinnehmen. Gründe dafür sind Rückstellungen für das im Spätsommer angekündigte Sparprogramm und externe Effekte wie der Handelskrieg zwischen den USA und China und die Nachfrageschwäche in China, die zu einer Korrektur der Firmenzukäufe der vergangenen Jahre geführt hat. Die Folge: Im dritten Quartal ist ein Buchungsverlust entstanden und der Konzern in die roten Zahlen gerutscht.

Ein Blick auf die Zahlen der einzelnen Sparten zeigt zudem, dass Continental nach wie vor stark von seinem Traditionsgeschäft mit Reifen abhängig ist. Hier lag die Ebit-Marge bei rund 12,3 Prozent, während die Automotive-Sparte im dritten Quartal bei leicht gestiegenem Umsatz einen Rückgang des operativen Ebit von rund 60 Prozent auf 101,6 Millionen Euro hinnehmen musste. Die Marge liegt bei mickrigen 1,6 Prozent. Im Vorjahreszeitraum betrug sie noch vier Prozent.

Was jetzt passiert

Im dritten Quartal schwächelte der chinesische Automarkt, der europäische und der US-amerikanische hielten sich stabil. Im vierten Quartal jedoch rechnet Continental auch in diesen beiden Regionen mit einem Rückgang der Automobilproduktion. Im Gesamtjahr werden laut Conti weltweit voraussichtlich 90 Millionen Fahrzeuge produziert und damit rund zehn Millionen weniger als noch vor zwei Jahren angenommen.

Außerdem geht Finanzchef Wolfgang Schäfer davon aus, dass es bei der weltweiten Automobilproduktion 2020 bestenfalls eine Seitwärtsbewegung geben wird, für die kommenden fünf Jahre rechnet er mit einem stagnierenden Markt.

Auf Continental wartet daher nicht nur ein herausfordernder Jahresendspurt, sondern mittelfristig auch ein sich kaum verändernder Fahrzeugmarkt. Continental versucht diesen Rückgang gepaart mit den technologischen Herausforderungen, die aus dem vernetzten, elektrischen und automatisierten Fahren bestehen, mithilfe des auf zehn Jahre angelegten Sparprogramms zu kompensieren. Das Strukturprogramm „Transformation 2019 – 2029“ sei herausfordernder, aber notwendiger Prozess zur Sicherung der Zukunftsfähigkeit, sagt Conti-Chef Elmar Degenhart.

Weitere Einsparungen möglich

Womöglich muss das Sparprogramm sogar nachgeschärft werden. „Wir haben gesagt, dass das ein Programm ist, das wir jetzt gestartet haben, dass das aber noch nicht das Ende sein muss und wir möglicherweise weitere Maßnahmen erarbeiten werden“, sagte Schäfer der Nachrichtenagentur Reuters.

Bei den Gesprächen mit den Betriebsräten über den geplanten Stellenabbau, Werksschließungen sowie Umbesetzungen von Personal rechnet der Finanzvorstand in diesem Jahr mit ersten Abschlüssen. In einigen Fällen würden sich die Verhandlungen voraussichtlich bis ins kommende Jahr hinziehen.

Grafik

Conti hatte Ende September einen tiefgreifenden Umbau angekündigt, von dem bis Ende 2023 weltweit rund 15.000 Stellen betroffen sein werden, davon etwa 5000 in Deutschland. Dabei schließt der nach Bosch und Denso im Autogeschäft weltweit drittgrößte Zulieferer auch betriebsbedingte Kündigungen nicht aus.

Mit dem Umbau stemmt sich Conti gegen die Autokrise und richtet sich zugleich stärker auf die Digitalisierung und die Elektromobilität aus. Weltweit pumpen die Autobauer zurzeit Milliarden in neue saubere Antriebe. Die strengeren Klimaschutz-Auflagen gerade in Europa setzen sie immer stärker unter Druck. Dadurch geraten auch die Zulieferer in Zugzwang.

Mehr: Conti hat Pläne für einen Teilbörsengang der Sparte aufgegeben. Nach Abschreibungen rechnet der Konzern mit roten Zahlen und gibt einen düsteren Ausblick.

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