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Autozulieferer Nach Rückzug von Knorr-Bremse – Wer kauft jetzt Hella?

Anbieter aus der deutschen Zuliefererindustrie werden mit Knorrs Rückzug rar. Im Rennen sind noch französische Konkurrenten und Finanzinvestoren.
08.07.2021 - 17:21 Uhr 1 Kommentar
Die Gesellschafterfamilie hinter dem Lippstädter Unternehmen sucht weiterhin nach einem Käufer. Quelle: Hella
Hella-Fahnen

Die Gesellschafterfamilie hinter dem Lippstädter Unternehmen sucht weiterhin nach einem Käufer.

(Foto: Hella)

Düsseldorf, Frankfurt, Stuttgart Lediglich acht Tage hat das Interesse von Knorr-Bremse angehalten – nun hat der Münchener Autozulieferer sein Angebot für Hella, den Licht- und Elektronikspezialisten aus dem ostwestfälischen Lippstadt, schon wieder zurückgezogen. Zu wenig Synergiemöglichkeiten eröffnet ein Zusammenschluss, heißt es von Knorr-Bremse. Zu teuer, sagen Brancheninsider.

Die Aktionäre von Knorr-Bremse reagierten am Donnerstag erleichtert auf die Rücknahme des Angebots. Zeitweise stieg die Aktie um mehr als acht Prozent. Damit konnte das Papier die Verluste der vergangenen Tage zumindest teilweise kompensieren. Seit die Pläne von Knorr-Bremse bekannt wurden, hat die Aktie zwischenzeitlich ein Viertel ihres Wertes eingebüßt.

Marc-René Tonn von der Investmentbank Warburg Research wundert die Reaktion der Aktionäre nicht. „Es gab berechtigte Zweifel seitens der Investoren, ob die Technologien von Hella und Knorr-Bremse wirklich so komplementär sind, wie man anfangs angenommen hat“, sagt der Analyst.

Bei einem Zusammenschluss hätten beide Firmen nach Bosch, Continental und ZF einen vierten größeren deutschen Zulieferer gebildet. Der Deal wäre „durchaus charmant gewesen“, sagt NordLB-Analyst Frank Schwope. „Es wäre nach Continental ein weiterer börsennotierter Automobil-Zulieferer entstanden, der durchaus Chancen auf den Einzug in den Dax gehabt hätte.“

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    Für die Hella-Gesellschafterfamilien Hueck und Röpke ist die Rückzug von Knorr sicherlich wenig erfreulich. Ein potenter Partner aus der Branche fällt nun weg. Allerdings sieht sich die Hella-Seite nicht unter Druck. Aus dem Umkreis der Familie wurde mehrfach betont, dass sie aus dem Unternehmen nicht Hals über Kopf „fliehen“ würde.

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    In Finanzkreisen ist man hingegen erstaunt über den schnellen Rückzug von Knorr-Bremse. Vor allem die Begründung, dass sich mit dem Transfer von Hellas Schlüsseltechnologien nicht die erwarteten Synergien realisieren lassen würden, verfange nicht. Jeder wisse, was Hella für Produkte anbiete, sagt ein Banker. „Was bitte soll Knorr jetzt erfahren haben, was die nicht schon vor einer Woche wussten?“

    Hella hat drei Kernwachstumsfelder: Das Lichtgeschäft, Komponenten für die Elektromobilität sowie für Fahrerassistenzsysteme. Im vergangenen Geschäftsjahr lag Hellas Umsatz im Autogeschäft bei 4,9 Milliarden Euro, was 84 Prozent des Gesamterlöses entspricht. Sechs Prozent des Umsatzes kommen vom Geschäft mit Licht- und Elektronikprodukten für Land- und Baumaschinen, zehn Prozent vom Geschäft mit Ersatzteilen.

    In Summe könnte sich der Kaufpreis von Hella auf rund sieben Milliarden Euro belaufen. Knorr-Bremse hätte bei der Finanzierung der Übernahme an seine finanziellen Grenzen gehen müssen. „Um die Übernahme zu stemmen, hätte Knorr-Bremse gegebenenfalls eine Kapitalerhöhung vornehmen müssen“, sagt Warburg-Analyst Tonn. „Es ist daher wenig verwunderlich, dass die Aktionäre die Pläne mit Verkäufen quittiert haben.“

    Auf Zehnjahressicht wiederum hat Hella im Schnitt jährlich einen Gewinn von etwa 400 Millionen Euro erwirtschaftet. In Relation zum Kaufpreis würde es nach einer Übernahme mehrere Jahre dauern, bis sich der Milliardenbetrag wieder amortisiert.

    Wer zeigt nun das größte Interesse an Hella?

    Nach dem Rückzug von Knorr-Bremse wird die Anzahl potenzieller Käufer aus dem deutschen Zuliefererumfeld kleiner. Für die großen Zulieferer Bosch, Continental und ZF würde eine Übernahme kaum Sinn machen, da es weder Synergie- noch Komplementäreffekte gäbe. Die Produkte, die Hella anbietet, entwickeln die großen Zulieferer zumindest in weiten Teilen in größerer Stückzahl bereits selbst.

    Ein kleinerer Konkurrent wie Mahle, der mit Hella das Portfolio erweitern könnte, fällt auch raus, da Mahle bereits in das Bieterrennen um den fünf Milliarden Euro schweren südkoreanischen Zulieferer Hanon Systems eingestiegen ist.

    Infrage kommen eigentlich nur Autozulieferer, die noch stark am Verbrennungsmotor hängen und sich mit einer Übernahme von Hella fit für die Zukunft machen würden – etwa der Abgasspezialist Eberspächer, der Filterhersteller Mann+Hummel oder der Dichtungshersteller ElringKlinger. Diese Unternehmen jedoch sind für eine Übernahme von Hella eher zu klein. Im Falle einer Fusion müssten sie ihre Eigenständigkeit aufgeben und eher den Junior-Part übernehmen.

    Es gibt noch französische Interessenten

    Zum Hella-Bieterkreis zählen noch die französischen Zulieferer Faurecia und Plastic Omnium. Allerdings müssten auch sie an ihre finanziellen Reserven gehen. Fraurecia als größter dieser Bieter hat eine Marktkapitalisierung von 5,5 Milliarden Euro. Der Börsenwert von Hella liegt bei über sechs Milliarden Euro. „Eine Übernahme wäre daher auch für Faurecia ein großer finanzieller Kraftakt“, sagt Warburg-Analyst Tonn.

    Bei der mit dem Verkauf beauftragen Investmentbank Rothschild sind zudem Interessensbekundungen von Finanzinvestoren eingegangen. Hier ließe sich eine Übernahme leicht bewerkstelligen. Die Fonds verfügen über ausreichend Kapital und könnten Hella in Gänze übernehmen. „Für Finanzinvestoren ist Hella ein attraktives Asset, da das Unternehmen so gut wie unverschuldet ist“, sagt Tonn.

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    Im Kreise der Familien wird indes eine Veräußerung an einen strategischen Partner bevorzugt. Sie glauben, dass dieser das Geschäft besser in die Zukunft entwickeln könnte, heißt es im Umfeld. Rothschild werde weiter nach einem Käufer suchen, der für Hella und die Arbeitnehmer in Deutschland eine sinnvolle und langfristige Lösung biete. Es gebe keinen Druck einen Käufer zu finden.

    Es sei sogar denkbar, dass die Familie an einem zukünftigen fusionierten Unternehmen beteiligt bleibt. Aber: „Je länger dieser Prozess dauert, desto größer dürfte die Verunsicherung bei den Mitarbeitern werden“, sagt der Manager eines Autozulieferers. Solche Hängepartien seien bei Familienunternehmen eher ungewöhnlich.

    Mehr: Die Antriebswende und die wachsende Macht der Software sorgen für einen Umbruch. Es ist die Stunde der Restrukturierer, Investmentbanker und Konsolidierer.

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    1 Kommentar zu "Autozulieferer: Nach Rückzug von Knorr-Bremse – Wer kauft jetzt Hella?"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Hm, also wenn ich vernehme, dass der Knorr-Bremse-Kurs um 24% abschmiert (!) - und das TROTZ eben doch dank schierer Größe deutlich gefestigterer Zukunftsperspektive für beide - dann ist mir das verdächtig.

      Wissen wir doch, dass in den heutigen Zeiten dank vielseitiger 'innovationen' nahezu jeder Kurs sozusagen x-beliebig modelliert werden kann - sowieso für eine solch kurze Zeit.

      Für mich könnte dahinter ein manipulativer Move eines verdeckten Konkurrenten stecken, der mit einer solchen 'Marktreaktion' die absolut gegebene industrielle wie kulturelle Logik dieser Fusion torpediert.

      Was ist denn die Alternative? Französisches Anhängsel, von dem jeder weiß, dass Entmachtung und Kompetenzverlagerung bereits schon die ganze Präambel durchtränken wird? Ein Spielball werden in den Händen der angelsächsischen Super-Joes, denen die bisherige Eichung als traditoneller Familienkonzern allein schon genetisch diametral gegenüber steht??

      Meine Empfehlung: Rückzug vom Rückzug. Mit schuldenfreien 60% im Rücken hab' ich die Potenz, um derlei Marktverwerferungen auch mal fetzig puffern zu können und unabhängige, eigenständige Lösungen zu gestalten.

      Die Alternative von Hella wäre ein mittelfristiges Zerstauben als angehängter Krümel von Ego-Zockern, die mit einer deutschen Familien-Betriebs-Ethik einfach nur NIX an der Backe haben. Wir haben auch die Verantwortung, unsere gewachsenen Schätze kulturell weitsichtig auszurichten.

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