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Autozulieferer Schaeffler erhöht Umbau-Tempo und will 900 Stellen streichen

Der Autozulieferer will sich auf Geschäfte konzentrieren, die im Elektrozeitalter eine Zukunft haben. Kleinere Standorte könnten verkauft oder zusammengelegt werden.
Update: 06.03.2019 - 17:17 Uhr 2 Kommentare
Die europäischen Werke sollen neu geordnet, kleine Teile des Geschäfts verkauft werden. Quelle: dpa
Lkw-Kupplung von Schaeffler

Die europäischen Werke sollen neu geordnet, kleine Teile des Geschäfts verkauft werden.

(Foto: dpa)

MünchenDer Druck auf den Schaeffler-Konzern kommt von zwei Seiten: Zum einen leidet der Autozulieferer wie viele Konkurrenten unter der schwachen Konjunktur in der Automobilbranche. Im vergangenen Jahr hat das Familienunternehmen die ursprünglichen Ziele verfehlt und kassierte auch seine Ziele für 2020. Zum anderen ist der Mechanikspezialist stark vom Wandel zur Elektromobilität betroffen.

Die aktuellen Zahlen zeigen den akuten Handlungsbedarf: 2018 stieg der Umsatz schwächer als ursprünglich erwartet um währungsbereinigt 3,9 Prozent auf 14,2 Milliarden Euro, wie das Unternehmen an diesem Mittwoch mitteilte. Im Jahr zuvor hatten die Erlöse bei 14 Milliarden Euro gelegen. Ohne Berücksichtigung der Währungseffekte ist Schaeffler also kaum gewachsen. Das operative Ergebnis vor Sondereffekten sank von 1,6 auf 1,4 Milliarden Euro. Damit fiel die Umsatzrendite vor Sondereffekten von 11,3 auf 9,7 Prozent.

So haben Vorstand Matthias Zink und Vorstandschef Klaus Rosenfeld weitere Einschnitte angekündigt. Die Autosparte soll für höhere Margen und eine bessere Kapitaleffizienz umgebaut werden. Daher hat Rosenfeld das Umbauprogramm „Race“ genannt, kurz für „Regroup Automotive for higher Margin and Capital Efficiency“.

Die Autosparte soll für höhere Margen und eine bessere Kapitaleffizienz umgebaut werden. Daher hat Rosenfeld das Umbauprogramm „Race“ genannt, kurz für „Regroup Automotive for higher Margin and Capital Efficiency“. „Wir wollen die Abhängigkeit vom Verbrennungsmotor weiter reduzieren“, sagte Zink.

Besonderes auf den Prüfstand stellte Rosenfeld erneut das Netz der Werke in Europa. In diesem Bereich soll es eine weitere Konsolidierung des Werke-Verbunds geben, kündigte er an. Davon betroffen seien voraussichtlich fünf Standorte.

Schaeffler ließ offen, was genau mit diesen Werken passieren soll. Es gehe „vor allem um Verkäufe und Zusammenführungen von Aktivitäten“. In den Gesprächen mit den Arbeitnehmervertretern strebe man „Lösungen ohne betriebsbedingte Kündigungen und Standortschließungen“ an. Von den insgesamt 55.000 Stellen will sich Schaeffler von 900 trennen, rund 700 davon in Deutschland. Nach Einschätzung in Industriekreisen dürfte es sich damit um kleinere Standorte handeln.

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Ziel von „Race“ sei es, „in den nächsten drei bis vier Jahren das Margenniveau nachhaltig zu verbessern und zukünftig eine Ergebnismarge im hohen einstelligen Prozentbereich zu erwirtschaften“, teilte das Unternehmen mit. Dabei wolle man auch den Anteil von Produkten mit niedriger Marge reduzieren und verstärkt in renditestarke Aktivitäten investieren.

Damit müssen die Anleger neben dem Abstieg aus dem MDax nun auch noch die Abkehr von den Zielen für 2020 hinnehmen: Die Aktien des Auto- und Industriezulieferers fielen am Mittwochmorgen um mehr als neun Prozent.

Im Herbst hatte Schaeffler bereits die Erwartungen nach unten korrigiert. Ursprünglich hatte der Konzern ein Umsatzwachstum von fünf bis sechs Prozent und eine operative Umsatzrendite (Ebit) vor Sondereffekten von 10,5 bis 11,5 Prozent in Aussicht gestellt. Immerhin konnten die im Herbst gesenkten Erwartungen – ein Umsatzwachstum von vier bis fünf Prozent und eine Ebit-Marge von 9,5 bis 10,5 Prozent – nun erreicht werden.

Durch Race will Rosenfeld die Kosten bis 2022 um weitere 90 Millionen Euro drücken – zusätzlich zu den 60 Millionen Euro, die der im vergangenen Jahr beschlossene Abbau von weltweit 950 Arbeitsplätzen – die Hälfte davon in Deutschland – bringen sollte.

Nun sollen mit Race weitere Einspareffekte erzielt werden.

Suche nach der richtigen Strategie für das Elektrozeitalter

Schaeffler ist Spezialist für Wälzlager und muss die Transformation ins Elektrozeitalter schaffen. Bislang ist das Unternehmen noch zu mehr als 50 Prozent vom Verbrennungsmotor abhängig – und damit auch vom Diesel. Zuletzt schuf Rosenfeld eigene Geschäftsbereiche für E-Mobilität und für Industrie-4.0-Aktivitäten. Klar ist, dass der Elektronikanteil in Zukunft steigen dürfte. Rosenfeld ist aber überzeugt, dass auch Mechanik in der Zukunft weiter eine bedeutende Rolle spielen wird.

Alle großen Autozulieferer suchen derzeit die richtige Aufstellung. So kündigte Continental, an dem ebenfalls die Familie Schaeffler beteiligt ist, im vergangenen Jahr „einen der größten Umbauten in der Unternehmensgeschichte“ an und beschloss die Aufspaltung: Die „Continental Rubber“ steht künftig für das Traditionsgeschäft mit Reifen und Gummiprodukten und der Geschäftsbereich „Automotive“ für das klassische Zuliefergeschäft mit Fahrwerken und Komponenten mit dem Zukunftsfeld des autonomen Fahrens.

Die dritte Säule „Powertrain“ verantwortet das Geschäft mit Einspritzsystemen, Motorsteuerungen, Hybrid- und Elektromotoren. Sie soll an die Börse kommen. „In der kommenden Dekade und danach durchläuft die Automobilindustrie weltweit den größten und tiefgreifendsten Wandel ihrer über 130 Jahre alten Geschichte“, sagte Vorstandschef Elmar Degenhart bei Verkündung der Pläne.

Der drittgrößte deutsche Autozulieferer ZF Friedrichshafen wiederum spricht mit dem Bremsenhersteller Wabco über eine Übernahme. Ein Kauf des Herstellers von Lkw-Bremsen würde ZF auf dem Weg zu einem Systemlieferanten für Elektromobilität voranbringen. 2015 kaufte ZF bereits für rund zehn Milliarden Euro TRW Automotive, um in den Wachstumsmarkt für selbstfahrende Autos zu expandieren.

ZF will mehr als zwölf Milliarden Euro in die Elektromobilität und das autonome Fahren investieren. Mit der Übernahme von Wabco, deren Volumen Experten auf bis zu acht Milliarden Euro schätzen, würde ZF knapp 40 Milliarden Euro umsetzen und dann nahezu Augenhöhe mit den Marktführern Bosch und Continental erreichen.

Schaeffler hatte sich einst mit der Übernahme des größeren Konkurrenten Continental fast übernommen. Mitten in die Transaktion platzte die Finanzkrise. In der Folge wurden Schaeffler mehr Conti-Aktien als geplant angedient und das Unternehmen stand vor einem immensen Schuldenberg. Doch die gute Konjunktur, eine Erholung der Conti-Aktie und geschicktes Schuldenmanagement brachten Schaeffler wieder auf Kurs.

Operativ war Schaeffler ohnehin immer einer der profitabelsten Autozulieferer weltweit. Auch die Zahlen des vergangenen Jahres können sich im Branchenvergleich durchaus noch sehen lassen. Allerdings fiel Schaeffler im vergangenen Jahr bei der operativen Umsatzrendite unter die Zehn-Prozent-Marke. In der Sparte Automotive OEM lag sie sogar nur bei 7,7 Prozent und damit deutlich unter dem Vorjahreswert von 10,8 Prozent.

„Nach einem für die Schaeffler-Gruppe guten ersten Halbjahr haben sich die Marktbedingungen im globalen Automobilgeschäft in der zweiten Jahreshälfte deutlich verschlechtert“, sagte Rosenfeld. Es gebe aber auch „eine Reihe von hausgemachten Faktoren“. Diese sollen nun mit verschärftem Tempo angegangen werden.

Für das laufende Jahr ist Rosenfeld vorsichtig. Er kündigte für die Gruppe ein währungsbereinigtes Umsatzwachstum von ein bis drei Prozent an. Die operative Umsatzrendite vor Sondereffekten solle acht bis neun Prozent erreichen.

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2 Kommentare zu "Autozulieferer: Schaeffler erhöht Umbau-Tempo und will 900 Stellen streichen"

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  • ... nun: wenn die Regierung und viele andere sinnloser Weise eAutos fordern, die bei einer Reichweite von 600 km zudem Umwelt schädlicher sind als Benziner, dann muss man eben den Weg gehen: Arbeitsplätze reduzieren und im Ausland produzieren, sonst wird es mit dem Überleben schwer - gerade für Zulieferer.
    Sollten allerdings die Konsumenten einigermaßen klar denken können, werden sie sich für einen Hybrid mit ca. 70 km Reichweite entscheiden: Dann erhält man ein ökologisch sinnvolles Fahrzeug, weil die Batterie ca. ein Zehntel der Ressourcen verbraucht (im Vergleich zu 700 km Reichweite) und die täglichen Fahrten, wie Pendlerverkehr, Einkäufe, Fahrt ins Grüne - rein elektrisch stattfinden können.
    Das Gute wäre dabei, die Autos würden nicht so teuer (Preis der Batterie) und es würden weiterhin genügend Arbeitsplätze auch in der Zulieferindustrie bestehen bleiben.

    Mich dünkt - der eAuto - Hype wurde von der Rohstoffindustrie angezettelt! Da wurde und wird richtig gute Lobbyarbeit geleistet! Nicht zum Nutzen der Verbraucher!

  • Noch Ende September 2018 schrieb Analyst Sascha Gommel, Analyst der Credit Suisse, etwas von "TOP-Pick", Kursziel 17 EUR und "outperform". So viel zum Thema Analysten und Experten.