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Autozulieferer Schaeffler macht sich mit Zukauf fit für das autonome Fahren

Die Zuliefergruppe Schaeffler holt sich neue Software-Kompetenz ins Haus. Zudem soll die Fabrik im britischen Plymouth nicht geschlossen werden.
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Der Zulieferer holt mit Xtronic einen entscheidenden Software-Partner in den Konzern hinein. Quelle: dpa
Schaeffler-Zentrale in Herzogenaurach

Der Zulieferer holt mit Xtronic einen entscheidenden Software-Partner in den Konzern hinein.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDer fränkische Autozulieferer Schaeffler kauft erneut ein Spezialunternehmen, das dem Konzern beim Einstieg in das Autonome Fahren helfen soll. Der börsennotierte Familienkonzern übernimmt den Softwareanbieter Xtronic, ein Unternehmen aus dem schwäbischen Böblingen mit knapp 200 Beschäftigten. Beide Seiten machten am Dienstag keine Angaben zum Kaufpreis.

Schaeffler hatte angekündigt, sich mit kleineren Akquisitionen im Bereich zwischen 100 und 500 Millionen Euro verstärken zu wollen. Der Kauf von Xtronic dürfte sich am unteren Bereich dieser Spanne bewegen, wie aus Branchenkreisen verlautete.

Schaeffler hatte bereits im Sommer vergangenen Jahres das Unternehmen Paravan gekauft. Paravan war vor zehn Jahren eigentlich als ein Unternehmen gegründet worden, um klassische Serienautos behindertengerecht umzurüsten.

Die Schlüsseltechnik dafür ist einfach erklärt: Die Autos von Paravan brauchen weder Lenkrad noch Lenkstange. Sie werden über einen Joystick und elektronische Verbindungen gelenkt und nicht mechanisch über die Lenkstange. Bremse und Gas werden ebenfalls darüber gesteuert. Damit konnten auch Behinderte problemlos mit einem Kraftfahrzeug unterwegs sein. Autonom fahrende Autos werden ebenfalls keine mechanische Lenkung mehr besitzen, sondern werden ausschließlich elektronisch gelenkt.

Die von Paravan entwickelte Technik bekommt noch aus einem anderen Grund zunehmend Bedeutung beim Autonomen Fahren. Die „Space Drive“-Technologie, so ist sie von Paravan getauft worden, bietet ein hohes Maß an Sicherheit. Die Technik ist dreifach redundant ausgelegt, das Grundsystem darf also mehrfach ausfallen und ist dann immer noch steuerbar. Solche Redundanzen sind eine wichtige Voraussetzung dafür, dass autonom fahrende Autos eine Straßenzulassung bekommen.

Mit Paravan hat Schaeffler auch noch etwas anderes erworben: Der Zukauf besitzt für seine Behindertenfahrzeuge weltweite Straßenzulassungen. Der Schaeffler-Zukauf hat etwa 7000 behindertengerechte Fahrzeuge verkauft, die 500 Millionen Straßenkilometer hinter sich haben. „Unfallfrei“, wird bei Schaeffler betont. Der Zulieferkonzern verspricht sich von Paravan einen deutlichen Zeitgewinn. Denn Schaeffler hätte alle diese Techniken erst selbst entwickeln müssen, was wahrscheinlich Jahre gedauert hätte.

Xtronic ist nun wiederum eine Ergänzung zu Paravan. Das schwäbische Unternehmen ist der Software-Entwickler gewesen, der Paravan mit den entscheidenden Computerprogrammen für die „Space Drive“-Technologie versorgt hat. Schaeffler holt mit Xtronic jetzt also auch noch den entscheidenden Software-Partner in den Konzern hinein.

„Mit dem Erwerb von Xtronic sichern wir unser Joint Venture mit Paravan ab und gewinnen zusätzliche Software-Intelligenz“, begründete Schaeffler-Vorstandschef Klaus Rosenfeld im Gespräch mit dem Handelsblatt den Zukauf von Xtronic. Paravan und Xtronic bildeten zusammen eine wichtige Säule, um das Fahrwerksgeschäft bei Schaeffler in Richtung des Autonomen Fahrens zu entwickeln. Mit Xtronic bekomme die Schaeffler-Gruppe zudem zusätzliches Know-how im Bereich der Mechatronic. „Ohne Software-Kompetenz geht es nicht“, ergänzte Rosenfeld.

Britische Fabrik wird verkauft

Schaeffler wolle allerdings nicht zum Komplettanbieter in Sachen Autonomes Fahren werden, ergänzte Rosenfeld. Radar und Kamerasysteme werde es auch in Zukunft nicht bei der fränkischen Zuliefergruppe geben. Der Schaeffler-CEO grenzte sich damit vom Continental-Konzern ab, bei dem Sensoren und Kameras zum Standardprogramm gehören. Schaeffler ist der wichtigste Anteilseigner von Conti: Der Familie gehören etwa 46 Prozent der Aktien.

Zugleich wurde am Dienstag bekannt, dass Schaeffler auf die geplante Schließung einer Fabrik im britischen Plymouth verzichtet. In dem Werk mit 350 Beschäftigten werden vor allem Hochpräzisionslager etwa für den Flugzeugbau produziert. Statt das Werk zu schließen, verkauft Schaeffler die Fabrik jetzt.

Käufer ist die HQW Precision GmbH, ein Unternehmen aus dem fränkischen Kürnach, ebenfalls ein Hersteller von Hochpräzisionskugellagern. Nach Angaben von Schaeffler sorge der Verkauf an HQW dafür, dass die Produktion der Kugellager in Plymouth auch in Zukunft fortgesetzt werden könne.

Der Brexit war nach Unternehmensangaben nicht der Grund für die Schließungspläne in Plymouth, sondern grundsätzliche strategische Überlegungen der Schaeffler-Gruppe. Zu Jahresbeginn hatte Schaeffler das konzerninterne Programm „Race“ gestartet, mit dem der Fortbestand von insgesamt fünf europäischen Werken in Frage gestellt worden war. Dazu zählte auch die Fabrik in Plymouth.

Schaeffler-Vorstandschef Rosenfeld sagte dazu, dass das Management auch zu kreativen Lösungen in der Lage sei. Ein Werk auf den Prüfstand zu stellen, bedeute nicht automatisch dessen Schließung. Möglicherweise gebe es auch für andere Fabriken eine solche Verkaufslösung.

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