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Autozulieferer Schaeffler schließt zwei Werke in Großbritannien

Der Brexit hat die Entscheidung des Autozulieferers beschleunigt. Die Nachrichten von Schaeffler sorgen auf der Insel für Aufregung.
Update: 06.11.2018 - 18:25 Uhr 1 Kommentar
Brexit: Schaeffler schließt zwei Werke in Großbritannien Quelle: dpa
Schaeffler-Zentrale in Herzogenaurach

Insgesamt beschäftigt der Autozulieferer von rund 92.000 Mitarbeitern weltweit etwas mehr als 1000 in Großbritannien.

(Foto: dpa)

München, London Schaeffler-Europachef Jürgen Ziegler überbrachte die schlechte Nachricht persönlich. Bei einem Townhall-Treffen im walisischen Llanelli kündigte er vor 100 Beschäftigten die mittelfristige Schließung des Werks an. Auch die Fertigungsstätte in Plymouth will der Autozulieferer dichtmachen.

„Es gab natürlich viel Betroffenheit“, sagte Ziegler nach dem Treffen dem Handelsblatt. Doch es habe auch ein relativ großes Verständnis gegeben, dass ein globaler Konzern wie Schaeffler den Märkten folgen müsse.

Die Beschäftigten wollten vor allem eins wissen: wie stark der Schritt mit der Entscheidung Großbritanniens zusammenhängt, die Europäische Union zu verlassen. „Der Brexit hat die Entscheidung etwas beschleunigt“, sagte Ziegler, „er war aber nicht die Ursache.“ Schaeffler analysiere im Rahmen seiner „Global Footprint“-Initiative alle Standorte. „Wir haben weltweit Konsolidierungsbedarf.“ Einige Werke seien nicht ausgelastet.

Zudem gebe es einen Trend, dort zu produzieren, wo die Kunden sitzen. Die Nachfrage kommt derzeit insbesondere aus Asien und China, ein Großteil der Schaeffler-Produktion ist aber noch in Europa.

Arbeitnehmer befürchten, dass sich die Situation noch verschärfen wird. Denn Schaeffler ist stärker als andere Zulieferer noch vom Verbrennungsmotor abhängig. „Die Nachfrage nach mechanischen Produkten in Motoren wird aber eher nach unten als nach oben gehen“, sagte Ziegler.

Zwar hat der Herzogenauracher Familienkonzern Initiativen gestartet, um auch im Zeitalter der Elektromobilität eine tragende Rolle zu spielen. Doch zeichnet sich auch hier ‧eine starke Nachfrage vor allem in China ab. „Auf längere Sicht hat Schaeffler ein Problem mit seinen Werken in Europa“, heißt es daher in Arbeitnehmerkreisen.

Derzeit beschäftigt Schaeffler hier etwa 1 100 seiner 92.000 Mitarbeiter. Mit der Umstrukturierung dürfte sich diese Zahl halbieren. Nur 15 Prozent der von Schaeffler im Land produzierten Güter verbleiben in Großbritannien, der Großteil wird nach Kontinentaleuropa exportiert. Mit dem Brexit wird dies noch problematischer.

Den Werken in Llanelli und Plymouth steht innerhalb der nächsten zwei Jahre die Schließung bevor. Die Produktion von Spindellagern, mechanischen Tassen und Speziallagern soll in Werke in Deutschland, China, Südkorea und den USA verlagert werden. Die Auslastung an deutschen Standorten wird sich also erst einmal verbessern.

Die Nachricht sorgt für Aufregung

Mit dem Teilabschied aus Großbritannien steht Schaeffler nicht allein da. So erwägt BMW, seine Mini-Produktion in England – 2017 liefen dort 230 000 Autos vom Band – zurückzufahren, sollte das Königreich die Zollunion verlassen.
Die Nachrichten von Schaeffler sorgten auf der Insel aber für Aufregung – schließlich hat bisher noch kein anderes Unternehmen den Briten so deutlich die Konsequenzen des Brexits vor Augen geführt. Das seien „fürchterliche Nachrichten“ für all die Schaeffler-Angestellten, die nun um ihren Arbeitsplatz in den Produktionsstätten fürchten müssen, zeigte sich die Abgeordnete Jo Stevens bestürzt. Sie vertritt die Region Wales, in der neben Schaeffler noch andere Automobilhersteller und -zulieferer produzieren.

In dem EU-Referendum hatten die walisischen Wähler sogar mit einer überdurchschnittlich hohen Mehrheit für den Austritt aus der EU gestimmt. Mittlerweile, sagen lokale Politiker wie Stevens, habe sich dort die Stimmung gedreht. Unternehmen wie Ford und Jaguar Land Rover (JLR), die in der Region für Tausende Arbeitsplätze sorgen, hatten vor den Folgen des Brexits gewarnt.

Die Automobilbranche zählt zu den wichtigsten Industriezweigen Großbritanniens. Fast 78 Milliarden Pfund (89 Milliarden Euro) Umsatz machen die Unternehmen pro Jahr und sind Arbeitgeber für rund 800 000 Menschen.

Acht von zehn Autos, die auf der Insel hergestellt werden, gehen über die Grenze – mehr als die Hälfte davon an Käufer in der EU. Die Unternehmen befürchten, dass nach dem EU-Austritt Zölle und neue Regulierungsvorschriften eingeführt werden könnten, die die Produktion vor Ort zu teuer machen.

JLR, Großbritanniens größter Autohersteller, hat bereits seine Produktion heruntergefahren und Mitarbeitern kürzere Schichten verordnet. BMW hat eine Produktionsunterbrechung im Mini-Werk in Großbritannien bereits von August auf April vorgezogen. So drastisch wie Schaeffler waren diese Maßnahmen jedoch nicht.

Schaeffler leidet unter der unsicheren Branchenlage

Bei Schaeffler blicken sie insbesondere nach Asien. Auf der Asien-Pazifik-Konferenz der Deutschen Wirtschaft in Jakarta hat Schaeffler-Chef Klaus Rosenfeld das gerade erst wieder betont. „In der Region Asien-Pazifik erzielen wir 30 Prozent des globalen Umsatzes.“ Mehr als 18.500 Mitarbeiter seien dort bereits an 17 Produktionsstandorten und sieben Entwicklungszentren beschäftigt.

In den vergangenen zwei Jahren habe Schaeffler strategische Investitionen von mehr als 350 Millionen Euro getätigt, um die Produktions- und Ingenieurs-Kompetenzen in der Region auszubauen.

Schaeffler leidet derzeit wie viele Autozulieferer unter der unsicheren Branchenlage wegen Dieselkrise und Handelsstreitigkeiten. Ende Oktober senkte der fränkische Konzern seine Jahresprognose. Im Gesamtjahr erwartet das Unternehmen nun nur noch ein währungsbereinigtes Umsatzwachstum von vier bis fünf Prozent, statt bis zu sechs Prozent zuvor.

Bei der operativen Umsatzrendite vor Zinsen und Steuern prognostiziert Schaeffler nur noch eine Marge vor Sondereffekten von 9,5 bis 10,5 Prozent. Zuvor waren bis zu 11,5 Prozent erwartet worden.

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