Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Autozulieferer Webasto will Milliardengeschäft mit Elektromobilität machen

Die Coronakrise traf den Autozulieferer als erstes deutsches Unternehmen. Trotz Branchenkrise hält der Webasto-Chef an den Plänen für ein neues Geschäftsfeld fest.
21.01.2021 - 19:00 Uhr Kommentieren
Der Shutdown der Autoindustrie im Frühjahr traf das komplett in Familienbesitz befindliche Unternehmen schwer. Quelle: © Webasto Group
Webasto in Stockdorf

Der Shutdown der Autoindustrie im Frühjahr traf das komplett in Familienbesitz befindliche Unternehmen schwer.

(Foto: © Webasto Group )

München Standheizungen, Cabrios, Autodächer: Die Produktpalette des bayerischen Autozulieferers Webasto spiegelt die Vorlieben der Autokäufer – und die verändern sich. Standheizungen und Cabriodächer sind nur noch ein Nischengeschäft. Mittlerweile macht Webasto 85 Prozent seiner Umsätze mit Glaspanoramadächern.

Allein in Asien produziert ein Dutzend Werke das beliebte Feature. „Wir gehen weiter von Wachstum bei Dachsystemen aus“, sagt Webasto-Chef Holger Engelmann im Interview mit dem Handelsblatt. „Aber nur auf eine Produktgruppe zu setzen ist uns langfristig zu riskant.“

Webasto will die gute Position nutzen, um in ein neues Geschäftsfeld vorzustoßen. „Mittelfristig wollen wir mit der Elektromobilität ein starkes zweites Standbein für Webasto aufbauen“, sagt Engelmann. Der Zulieferer setzt dabei vor allem auf die Systemintegration von Batterien und die Entwicklung von Ladestationen, denen vor allem in Asien und Europa ein kräftiges Wachstum vorausgesagt wird.

„Wir wollen bis 2025 mehr als eine Milliarde Euro in der Elektromobilität umsetzen“, gibt Engelmann als Ziel aus. Das wäre dann rund ein Viertel des Gesamtumsatzes. Der lag 2019 noch bei 3,7 Milliarden Euro.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Wie die gesamte Autobranche erlitt Webasto 2020 einen herben Rückschlag. Das Unternehmen machte schon im Januar des vergangenen Jahres Schlagzeilen, weil am Firmensitz in Stockdorf der bundesweit erste Corona-Fall festgestellt wurde. Der Shutdown der Autoindustrie im Frühjahr traf das komplett in Familienbesitz befindliche Unternehmen dann schwer.

    „Die nächsten Jahre werden ungemütlich im Zuliefergeschäft.“ Quelle: © Webasto Group
    Webasto-Chef Holger Engelmann

    „Die nächsten Jahre werden ungemütlich im Zuliefergeschäft.“

    (Foto: © Webasto Group )

    „Wir haben zehn bis elf Prozent Umsatz verloren und haben das Jahr mit Verlust abgeschlossen“, sagt Engelmann. Damit hat sich Webasto aber immer noch besser als der Markt geschlagen. Einer Analyse der Unternehmensberatung Roland Berger und der Investmentbank Lazard zufolge liegt der durchschnittliche Umsatzrückgang in der Zulieferindustrie in der Coronakrise bei 15 bis 20 Prozent.

    Zwar erholt sich die Branche, auch weil der Automarkt in China wieder kräftig wächst und die Politik in Europa die Produktion offen hält. „Allerdings fehlt vielen Zulieferern nach dem Einbruch das Kapital für die notwendige technologische Transformation“, schließen die Analysten.

    Großauftrag aus Korea

    Das sieht man bei Webasto als Chance. „Die Investitionen sind mindestens auf dem Vorjahresniveau geblieben, wir investieren weiter kräftig in die Elektromobilität“, sagt Engelmann. 2019 lagen die Ausgaben für Investitionen und Entwicklung noch bei 8,5 Prozent des Umsatzes – ein hoher Wert für die Zulieferbranche. In den kommenden Jahren soll jährlich ein dreistelliger Millionenbetrag investiert werden, das Geld geht vor allem in den Aufbau der Fertigung von Batteriepaketen für Autohersteller.

    2019 hat Webasto in seiner bislang größten Firmentransaktion das Joint Venture mit Donghee übernommen. Mit dem koreanischen Zulieferer hatte Webasto fünf Fabriken in Asien und der Slowakei geführt.

    In Korea beginnt für das Unternehmen nun auch der Eintritt in die Elektromobilität. Mit Hyundai-Kia ist ein Großauftrag für die Montage und Integration von Batterien vereinbart. Hyundai gibt das Design vor, Webasto übernimmt die Montage und Integration von Batteriesystemen, Zellen und Leistungselektronik werden zugekauft.

    Grafik

    In Europa wird das schwieriger. Die großen Autohersteller wie BMW, Daimler und Volkswagen übernehmen die Montage der Batteriesysteme selbst, auch um den Wegfall von Arbeitsplätzen in der Motorenproduktion zu kompensieren.

    Für Engelmann ist das aber kein Dauerzustand. Aus seiner Sicht werden die Kosten und die Komplexität die Konzerne dazu zwingen, zumindest einen Teil dieser Arbeiten auszulagern. „Mittelfristig gehen wir davon aus, dass 20 bis 30 Prozent der Aufträge an Lieferanten gehen“, sagt der Webasto-Chef.

    Im Geschäft mit Stadtbussen hat sich Webasto bereits einen Großauftrag in Deutschland gesichert. Zudem arbeitet das Unternehmen an einer standardisierten Batterie für Kleinserien und Umrüstungen. Denn auch Straßenkehrmaschinen oder Fuhrparks an Flughäfen werden auf Elektroantrieb umgestellt.

    Ein weiteres Geschäftsfeld umfasst die Entwicklung und den Bau von Ladekabeln und Ladestationen. Auch dank der massiven öffentlichen Förderung von Ladestationen zieht die Nachfrage kräftig an. Mittlerweile drängen branchenfremde Anbieter wie Heidelberger Druckmaschinen in den Markt.

    „Es wird viel Konkurrenz geben, die nächsten Jahre werden ungemütlich im Zuliefergeschäft“, sagt Engelmann. „Es sind noch nicht alle Technologien gesetzt. In drei bis vier Jahren wird man sagen können, wie erfolgreich unsere Strategie war.“

    Kritik an der Corona-Politik

    Fast genau ein Jahr nachdem Webasto den bundesweit ersten Corona-Fall unter seinen Mitarbeitern gemeldet hat, schaut Engelmann mit gemischten Gefühlen zurück. Eine Mitarbeiterin aus China hatte unwissentlich das Virus in die Firmenzentrale gebracht und mehrere Kollegen infiziert. Als erstes Unternehmen in Deutschland schickte Webasto seine Mitarbeiter ins Homeoffice.

    „Wir waren froh, die Infektionskette durchbrochen zu haben“, sagt der Webasto-Chef rückblickend. Immerhin gelang es, den Ausbruch zu isolieren. „Die Krise hat das Zusammengehörigkeitsgefühl in der Firma gestärkt“, sagt Engelmann.

    Mit dem öffentlichen Management der Krise ist der Webasto-Chef aber nicht zufrieden. „Die Politik hat es versäumt, das Gesundheitswesen und die Schulen zu digitalisieren“, sagt er. „Das ärgert mich persönlich schon.“

    Mehr: Der Markt für private Ladesäulen steht vor einem Boom

    Startseite
    Mehr zu: Autozulieferer - Webasto will Milliardengeschäft mit Elektromobilität machen
    0 Kommentare zu "Autozulieferer : Webasto will Milliardengeschäft mit Elektromobilität machen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%