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Autozulieferer ZF Friedrichshafen rutscht in die Verlustzone

Die Absatzkrise der Autoindustrie sorgt auch bei Deutschlands drittgrößtem Zulieferer für Verluste. Eine schnelle Erholung ist nicht in Sicht.
07.08.2020 Update: 07.08.2020 - 12:57 Uhr Kommentieren
Der Autozulieferer leidet unter der Coronakrise. Quelle: dpa
ZF Friedrichshafen

Der Autozulieferer leidet unter der Coronakrise.

(Foto: dpa)

Frankfurt Die größte Krise seit Ende des Zweiten Weltkriegs trifft auch den drittgrößten deutschen Automobilzulieferer. Im ersten Halbjahr 2020 sank der Umsatz von ZF Friedrichshafen um mehr als ein Viertel auf 13,5 Milliarden Euro. Das bereinigte Ebit sackte auf minus 177 Millionen Euro nach einem Gewinn von 650 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Das erste Quartal 2020 fiel ebenfalls noch positiv aus.

Wie hoch der Verlust im zweiten Quartal und damit in der ersten Hochphase der Pandemie war, wollte Finanzchef Konstantin Sauer nicht sagen. Konkurrent Continental hatte vor wenigen Tagen einen bereinigten Quartalsverlust von 634 Millionen Euro ausgewiesen.

Bei ZF steht unter dem Strich nach sechs Monaten ein Minus von 911 Millionen Euro. Finanzchef Sauer begründete diesen mit Abschreibungen auf den Firmenwert sowie Restrukturierungskosten.

ZF gilt als solides Unternehmen, hat aber mit der Ende Mai abgeschlossenen strategischen Übernahme des Bremsenherstellers Wabco eine zusätzliche Belastung zu schultern. Dadurch stieg die Nettoverschuldung von 4,7 Milliarden Euro zu Jahresende auf mehr als zwölf Milliarden Euro.

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    Im ersten Halbjahr hat ZF davon 900 Millionen Euro abbezahlt. „In diesem Jahr ist keine Rückzahlung mehr fällig“, sagte Sauer. ZF habe alle Kreditbedingungen deutlich erfüllt. Werden diese nicht erfüllt, können Banken die Kredite fällig stellen, was in Krisenzeiten Unternehmen in starke Bedrängnis bringen kann.

    Grafik

    Der Autozulieferer hatte kürzlich sein Investmentgrade-Rating verloren. Wenn die Ratingagenturen Anlegern kein Investment mehr empfehlen, muss das Unternehmen bei neuen Krediten oder Anleihen höhere Zinsen zahlen. Der Verlust des Investmentgrade habe keinen Einfluss auf die Finanzierung der Wabco-Übernahme, da diese schon vorher festgezurrt wurde, erklärte Finanzchef Sauer.

    Kaum Dividende für Friedrichshafen

    Allerdings hat auch ZF sich wie andere Zulieferer finanzielle Puffer mit einer zusätzlichen Kreditlinie in Höhe von 1,35 Milliarden Euro verschafft. Zusammen mit einer nicht ausgenutzten bestehenden Kreditlinie verfügt das Stiftungsunternehmen über 4,7 Milliarden Euro Liquiditätsreserven. Die Zinslast liegt nach Angaben des Finanzchefs bei 188 Millionen Euro.

    Das wirft aber auch ein Schlaglicht darauf, wie wichtig für ZF eine Einigung mit den Arbeitnehmern ist, die eine Reduktion der Arbeitszeit um 20 Prozent ohne Lohnausgleich bis 2023 ermöglicht. Das Unternehmen hat die Kosten im ersten Halbjahr bereits um eine Milliarde Euro gesenkt. Ein Großteil davon kommt ohnehin vom Personal. Bis 2025 sollen weltweit 15.000 Stellen eingespart werden. Vor allem in Nord- und Südamerika wurden bisher mehr als 5000 Stellen gestrichen.

    Nach vorübergehenden Werksschließungen während des Shutdowns im Frühjahr werde die Produktion kontinuierlich überall hochgefahren, erklärte ZF-Chef Wolf-Henning Scheider. Er zeigte sich vor allem wegen der Erholung in China optimistisch, dass der Stiftungskonzern am Jahresende ein positives Ergebnis vor Zinsen und Steuern erreichen werde.

    Unter dem Strich werde aber ein Verlust stehen. „Der Spielraum für eine Dividende ist sehr eng“, sagte Scheider. Das Unternehmen gehört zu über 90 Prozent der Zeppelin-Stiftung, über die die Stadt Friedrichshafen die Kontrolle hat. Damit scheinen die Zeiten von Ausschüttungen in dreistelliger Millionen-Euro-Höhe für die Stadt vorbei.

    Ähnlich wie die anderen großen Zulieferer Bosch und Continental erwartet ZF eine nur langsame Erholung der Autoindustrie. Die Lage der Weltwirtschaft bleibe angespannt, erklärte Scheider. „ZF erwartet keine Erholung des Marktes auf das Niveau von 2019 in den nächsten drei Jahren.“ Durch die Coronakrise beschleunige sich die schon länger laufende Transformation in der Autoindustrie. „Wir erwarten, dass die Elektrifizierung jetzt noch schneller kommt“, sagte Scheider.

    Mehr:  „Die Talsohle ist durchschritten“, sagt Schaeffler-Chef Rosenfeld

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