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Autozulieferer ZF gewinnt Milliardenauftrag von BMW für Hybrid-Technik

Deutschlands drittgrößter Autozulieferer holt sich den größten Einzelauftrag in der Unternehmensgeschichte: ZF wird künftig BMW mit Acht-Gang-Automatikgetrieben ausrüsten.
Update: 04.04.2019 - 14:55 Uhr Kommentieren
ZF gewinnt Milliardenauftrag von BMW für Hybrid-Technik Quelle: dpa
ZF-Schriftzug auf einem Getriebegehäuse

ZF gewinnt Milliardenauftrag von BMW für Hybrid-Technik-Modelle.

(Foto: dpa)

FriedrichshafenZF Friedrichshafen setzt anders als Europas größter Autobauer Volkswagen auf die neue Generation von Hybridfahrzeugen mit Verbrennungs- und Elektromotor. Die von Volkswagen kürzlich vorgestellte reine Elektrostrategie verfängt bei anderen Herstellern weniger: Der drittgrößte deutsche Autozulieferer hat jetzt von BMW einen Auftrag in Höhe eines zweistelligen Milliardenbetrags erhalten.

Dabei geht es um die langjährige Lieferung des weiterentwickelten Acht-Gang-Automatikgetriebes. Das genaue Auftragsvolumen und die Laufzeit hängen letztlich von der Nachfrage ab.

„Der aktuelle Auftrag ist der größte Einzelauftrag in der Unternehmensgeschichte von ZF“, sagt Vorstandschef Wolf-Henning Scheider. „Das ist eine Bestätigung unserer Strategie, bei der Elektrifizierung von Pkw neben dem reinen E-Antrieb auf Plug-in-Hybridantriebe als alltagstaugliche Lösung zu setzen und entsprechend attraktive Produkte zu entwickeln.“

Der Serienstart des neuen Getriebes erfolgt 2022 am ZF-Werk in Saarbrücken, dem Hauptstandort für Pkw-Automatikgetriebe. ZF plant in den folgenden Jahren auch Produktionsanläufe in den USA und in China.

Das neue Acht-Gang-Automatikgetriebe lässt sich in nahezu allen entsprechenden Fahrzeugklassen einbauen. Eine technische Neuerung des weiterentwickelten Getriebes ist die Integration des Elektroantriebes. „Basis für die Auftragserteilung war, dass der Kunde unsere Technologie als zukunftsfähige Antriebslösung für seine Fahrzeuge sieht und wir ihn beim Erreichen seiner CO2-Ziele unterstützen“, sagt ZF-Vorstand Michael Hankel. Auch mit weiteren Kunden sei ZF in vielversprechendem Kontakt.

BMW und auch Daimler setzen auf Hybridtechnologie zumindest bei größeren Fahrzeugen. Denn die erlaubt es Autobesitzern, elektrisch in Innenstädte zu fahren, falls es Fahrverbote für Verbrenner gibt. Volkswagen-Chef Herbert Diess dagegen hält wenig von der Übergangstechnologie und will auf reinen Elektroantrieb setzen.

Aber ZF-Chef Scheider ist überzeugt: „Wir werden noch in Jahrzehnten oder zumindest über das nächste Jahrzehnt hinaus Hybrid-Fahrzeuge haben.“ Der Hybrid sei noch längst nicht am Ende.

Scheider schwebt ein „Volkshybrid“ vor, der für die Kunden noch deutlich erschwinglicher seine müsse als die heutigen Hybrid-Modelle. Der ZF-Chef rechnet Anfang der 2020er Jahre mit kleineren Hybridmodellen mit elektrischer Reichweite von über 80 Kilometern. „Am Ende wird der Kunde entscheiden“, betont Scheider. Anwendungsfälle sieht er vor allem bei Haushalten, die nur ein Fahrzeug haben und bei beruflich viel fahrenden Personen.

Für das Unternehmen verschafft der Auftrag vor allem Luft im rasanten Transformationsprozess der Branche. „Wir wollen vorausschauend schwierige Situationen bei wegbrechenden Märkten vermeiden“, sagte Scheider. „So ein Hybridauftrag gibt uns einige Jahre, um eine solche Situation besser zu planen.“ Aber auf längere Sicht, etwa ab 2030 sei nicht auszuschließen, dass ZF Stellen sozialverträglich streichen müsse.

Von den gut 50.000 Beschäftigten des Stiftungskonzerns in Deutschland hängen etwa 15.000 Jobs direkt vom Verbrennungsmotor ab. Für den Bau der vergleichsweise einfachen Elektroantriebe und deren Komponenten werden in der gesamten deutschen Autoindustrie weniger Teile und Arbeitskraft benötigt.

ZF konzentriert sich auf Nutzfahrzeuge

In den kommenden Jahren will ZF die neuen Geschäftsfelder Elektroantriebe und autonomes Fahren ausbauen. Nach Einschätzung von Scheider wird das autonome Fahren sich zuerst bei Nutzfahrzeugen durchsetzen, weil die Technik für PKWs zu teuer sei.

„Für ein Nutzfahrzeug ist es dagegen ein Geschäftsmodell, das sich sehr schnell amortisiert.“ Der Zulieferer werde sich deshalb auf die Technik für Nutzfahrzeuge, zum Beispiel für Robotaxis ab Transportergröße spezialisieren.

Um sich in der Nutzfahrzeugtechnologie zu stärken, strebt ZF die Übernahme des Bremsenherstellers Wabco für gut acht Milliarden Dollar Schulden an. ZF will damit zu einem führenden Systemanbieter für elektrisch und selbstfahrende Nutzfahrzeuge werden und sich unabhängiger vom Kerngeschäft mit Getrieben machen, die für Verbrennungsmotoren gebraucht werden.

Zusammen mit Wabco wird der Umsatz von ZF deutlich über 40 Milliarden Euro steigen, sodass der Stiftungskonzern nah an den globalen Marktführern Bosch und Continental, heranrückt. Die Aktionäre des in New York börsennotierten Unternehmens müssen der Übernahme allerdings noch zustimmen.

Diese gilt als sehr wahrscheinlich, weil bislang noch kein Bietergefecht mit anderen Interessenten in Sicht ist und die Aktionärsstruktur stark von institutionellen Anlegern geprägt ist. ZF-Finanzchef Konstantin Sauer will die Milliardenübernahme ähnlich strukturiert finanzieren wie den Kauf von TRW vor vier Jahren. Den Kaufpreis habe das Unternehmen bereits vollständig mit Währungsabsicherungsgeschäften gehedgt.

Hohe Ausgaben für Forschung und Entwicklung und die schwächere Pkw-Nachfrage weltweit sowie höhere Materialkosten machten dem Autozulieferer im vergangenen Jahr zu schaffen. Das bereinigte Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) ging 2018 um neun Prozent auf 2,1 Milliarden Euro zurück.

Der Umsatz kletterte nur um anderthalb Prozent auf 36,9 Milliarden Euro, um Wechselkurse und Kosten für Zukäufe bereinigt belief sich das Plus auf rund sechs Prozent.

Für 2019 gab ZF-Chef Scheider einen vorsichtigen Ausblick. Nach dem Rückgang der operativen Rendite um knapp einen Prozentpunkt auf 5,6 Prozent erwartet er für das laufende Jahr eine bereinigte Marge zwischen 5,0 und 5,5 Prozent bei einem Umsatzanstieg auf 37 bis 38 Milliarden Euro. „Es wird kein einfaches Jahr“, sagte Scheider.

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