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Bahntechnik Chinesische Konzerne rollen Europas Bahnindustrie auf

Der Schienenhersteller British Steel ist jetzt in chinesischer Hand. Die von der Branche befürchtete Europa-Offensive aus dem Reich der Mitte kommt damit anders als erwartet.
04.09.2020 - 11:47 Uhr 4 Kommentare
Stahlarbeiter beim Walzen von Eisenbahnschienen. Chinas Bahnindustrie steigt über British Steel in Europa ein. Quelle: Imago
Produktion von Eisenbahnschienen

Stahlarbeiter beim Walzen von Eisenbahnschienen. Chinas Bahnindustrie steigt über British Steel in Europa ein.

(Foto: Imago)

Düsseldorf Gerade mal ein Jahr ist es her, da lehnte EU-Kommissarin Margrethe Vestager die Fusion der Zughersteller Alstom und Siemens ab. Das Argument der beiden Konzerne, sie müssten sich mit dem Zusammenschluss gegen das Vordringen des chinesischen Konkurrenten CRRC wappnen, überzeugte nicht. Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager konnte keine Gefahr erkennen.

Tatsächlich sind die Verkaufserfolge chinesischer Unternehmen in Europa noch bescheiden. Allenfalls die Bestellung der Deutschen Bahn zur Lieferung von 20 Hybrid-Rangierlokomotiven erregte etwas Aufmerksamkeit.

Doch der Vormarsch der chinesischen Bahnindustrie sollte nicht an Aufträgen staatlicher und privater Eisenbahngesellschaften gemessen werden. Spätestens seit diesem Frühjahr müsste der EU-Kommission klar sein, dass Chinas Bahnindustrie nicht nur made in China verkaufen will, sondern sich gezielt in europäische Unternehmen einkauft.

Ein wichtiger Deal fand wohl wegen der Coronakrise bislang kaum Beachtung. Die chinesische Jingye Group übernahm im März Teile des insolventen Stahlkonzerns British Steel. British Steel ist neben Voestalpine und Arcelor Mittal einer der führenden Hersteller von Eisenbahnschienen in Europa. Das Walzwerk in Großbritannien hat eine Kapazität von 250.000 Tonnen jährlich.

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    Jingye bekommt mit British Steel laut einer Marktanalyse von SCI mit zehn Prozent Marktanteil einen großen Einfluss auf den europäischen Schienenmarkt.

    Zukäufe in Deutschland

    Viel wichtiger aber: „Während Medien und Politik besorgt auf den europäischen Markt für Schienenfahrzeuge schauen und chinesische Wettbewerber fürchten, hat dies beim Fahrwegebau nahezu unbemerkt stattgefunden“, sagt Maria Leenen, Geschäftsführerin der Beratungsfirma SCI Verkehr. Jetzt müsse sich zeigen, ob die europäischen Schienenhersteller ihre technologische Marktführerschaft behaupten können.

    Auch in Deutschland haben zwei renommierte Bahntechnikfirmen inzwischen chinesische Eigentümer. Seit Juni gehört die ehemalige Lokfabrik von Vossloh in Kiel einer CRRC-Tochtergesellschaft. Weder Kartellbehörden noch Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hatten Einwände.

    Bereits 2017 übernahm der bis dahin unbekannte chinesische Investor Full Hill Enterprises den Bochumer Verein von der Georgsmarienhütte. Der traditionsreiche Bochumer Verein zählt zu den wichtigsten Radsatzherstellern für Eisenbahnfahrzeuge auf dem Kontinent.

    Als Lieferanten von Fahrzeugen fielen chinesische Firmen in Europa bislang allerdings nicht sonderlich auf. Das riesige CRRC-Konglomerat mit seinen 40 Tochtergesellschaften tastet sich nur vorsichtig an den Markt. Vor einem Jahr beispielsweise gewannen die Chinesen eine Ausschreibung über 18 Light-Rail-Fahrzeuge (Nahverkehrszüge) für Porto und setzten sich damit gegen konkurrierende Angebote von Siemens und Skoda durch. Auftragswert 56 Millionen Euro.

    Lokparade bei Vossloh: Das Kieler Werk wurde von CRRC übernommen. Quelle: Vossloh
    Vossloh Locomotives

    Lokparade bei Vossloh: Das Kieler Werk wurde von CRRC übernommen.

    (Foto: Vossloh)

    Etwas umfangreicher war da schon der Vertrag des tschechischen privaten Bahnbetreibers Leo Express über 33 Elektrozüge. Die ersten Fahrzeuge wurden bereits zu Testzwecken im Spätsommer 2019 geliefert. Doch jetzt steckt Leo Express in finanziellen Schwierigkeiten wegen der Corona-Pandemie. Es gibt sogar eine Art Patronatserklärung der tschechischen Staatsbahnen.

    Rail Cargo Hungaria (RCH), eine Tochter der Österreichischen Bundesbahn (ÖBB), hatte Ende letzten Jahres Hybridlokomotiven bei CRRC in Auftrag gegeben. Und aus Bukarest kam vor wenigen Tagen die Order zum Bau von Nahverkehrszügen im Wert von 175 Millionen Euro. Auch in Großbritannien konnte CRRC einen Achtungserfolg erzielen. London Underground hat 71 Bauzugwagen bestellt.

    Gemessen am CRRC-Weltumsatz mit Bahntechnik von umgerechnet etwa 18 Milliarden Euro spielen solche Aufträge eine untergeordnete Rolle. Doch die Chinesen sondieren unermüdlich den Markt nach interessanten Geschäften.

    Sie scheiterten zum Beispiel in Österreich, wo der ÖBB-Konkurrent Westbahn neue Fernverkehrszüge bestellen wollte. Jetzt liefert Stadler aus der Schweiz. Auch in Barcelona klappte es nicht. Alstom wird die 24 neuen Metros bauen.

    CRRC war in der spanischen Metropole gescheitert, weil die Zuschlagskriterien nicht eingehalten wurden. Solche Pannen werden den Chinesen künftig wohl nicht mehr passieren. Vossloh Locomotive baut zwar nur Dieselloks, beherrscht aber die komplizierten Zulassungsverfahren der europäischen Eisenbahnen. Das, so vermuten Branchenexperten, sei auch der Hauptgrund dafür gewesen, sich in Kiel einzukaufen.

    Mehr: Kartellamt genehmigt Verkauf von Vossloh-Loks an Chinesen

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    4 Kommentare zu "Bahntechnik: Chinesische Konzerne rollen Europas Bahnindustrie auf"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • @Adre Peter
      Das wäre mit Merz nicht passiert, dass sich Vestager so entscheidet. Er hätte starken Gegenwind aufgebaut.

    • @Herr Hans Schönenberg:
      Bei den amerikanischen Kartellthemen wie Facebook u.s.w. zeigt sich Verstager zahm. Innereuropäisch ersehnt sie sich Achtungserfolge, die extrem schädlich für Europa sind - wie das Beispiel Alstom - Siemens zeigt.

    • Was verkauft denn die europäische "Bahn-Industrie" in China? Vergleiche wären von Interesse.

    • Ja, ja, Frau Vestager hat es absolut nicht drauf! Richtig zu erkennen, wo Zusammenschlüsse sinnvoll sind und wo nicht, scheint nicht ihr Ding zu sein. Meine Ansicht: Herr Altmaier sollte im Einzelfall viel massiver auftreten!

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