Bahntechnik Siemens und Alstom stehen vor Bündnis

Zwischen Siemens und Alstom bahnt sich ein Bündnis an. Die Unternehmen wollen ihr Bahntechnik-Geschäft zusammenlegen. Siemens würde Anteile im Wert von sieben Milliarden Euro beisteuern. Alstom bestätigte die Gespräche.
Update: 22.09.2017 - 19:02 Uhr Kommentieren
Der französische TGV-Bauer und der Lieferant des ICE planen, ihre Bahnsparten zusammen zu legen. Quelle: dpa
Siemens und Alstom

Der französische TGV-Bauer und der Lieferant des ICE planen, ihre Bahnsparten zusammen zu legen.

(Foto: dpa)

Paris/MünchenSiemens und der französische Zughersteller Alstom ringen um die Macht bei ihrem möglichen Bahntechnik-Bündnis. Eine mit den Gesprächen vertraute Person sagte der Nachrichtenagentur Reuters, Siemens solle nach der Einbringung seiner Bahntechnik-Aktivitäten eine knappe Mehrheit an Alstom halten, geleitet werde das Unternehmen aber weiter von Henri Poupart-Lafarge. Es sei aber weiterhin offen, ob Siemens sich für ein solches Bündnis mit Alstom entscheide oder zwei Gemeinschaftsunternehmen mit Bombardier gründe. Ein zweiter Insider sagte, die Tendenz gehe zu einem Zusammengehen mit Alstom, es gebe aber viel Bewegung. Die französische Zeitung „Le Monde“ berichtete hingegen unter Berufung auf Insider, Siemens solle eine 45- bis 50-prozentige Beteiligung an Alstom erhalten und werde eigene Unternehmensteile im Wert von sieben Milliarden Euro beisteuern. Ein Zusammenschluss unter der Führung von Siemens könnte am Dienstag bekanntgegeben werden. Die beiden Unternehmen bestätigten in knappen Stellungnahmen die Gespräche, machten aber darüber hinaus keine näheren Angaben.

Den Platzhirschen Siemens, Bombardier und Alstom war zuletzt neue Konkurrenz aus China erwachsen, wo mit der staatlichen CRRC ein Weltmarktführer entstanden ist, der massiv auch auf den westlichen Markt drängt. Siemens-Chef Joe Kaeser hat sich auf die Fahnen geschrieben, den Chinesen Paroli zu bieten. „Natürlich wird man eine starke Nummer zwei bauen müssen“, hatte er im August gesagt.

Siemens hat Insidern zufolge auch ein Bündnis mit dem kanadischen Zughersteller Bombardier ausgelotet. Mit Bombardier ginge es um die Gründung zweier Gemeinschaftsunternehmen für Züge und Signaltechnik, von denen das erstere von den Kanadiern und letzteres von Siemens geführt würde. Damit wollten die Partner die erwarteten Bedenken der Kartellwächter ausräumen. Inzwischen sei man bei Siemens aber skeptisch, wie stabil das Konstrukt mit den Joint Ventures sei, sagten die Insider. Alstom sei in einer besseren finanziellen Verfassung. Zudem beanspruche Bombardier die Macht bei den Gemeinschaftsunternehmen, das sei für Siemens nicht akzeptabel, sagte einer der Insider. Die Eisenbahn-Sparte von Bombardier, die aus der ehemaligen deutschen Adtranz hervorgegangen war, ist der wichtigste Pfeiler der Finanzierung des kanadischen Konzerns, dessen Flugzeug-Sparte angeschlagen ist.

Alstom ist dagegen nur im Zug-Geschäft aktiv. Bei einer Zusammenlegung könnte Siemens damit dem Modell folgen, das die Münchener bei ihrer Windkraft-Sparte erprobt hatten. Diese war im spanischen Rivalen Gamesa aufgegangen, der weiterhin börsennotiert ist, aber mehrheitlich Siemens gehört. Die Wettbewerbshürden seien in beiden Fällen - mit Alstom und Bombardier - etwa gleich hoch.

Das sind die innovativsten Unternehmen Europas
Platz 10: Technicolor
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Gerade noch in die Top-10 der fleißigsten europäischen Ideengeber hat es das Unternehmen Technicolor geschafft (745 Anträge). Die Franzosen sind vor allem im Elektronikbereich sowie im Bereich Mediendienstleistungen tätig.

Platz 9: Alcatel-Lucent
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Der Telekommunikationskonzern Alcatel-Lucent ist Frankreichs innovativster Konzern, zumindest wenn man nach den Patentanmeldungen in Europa geht. Demnach stellte Alcatel-Lucent im vergangenen Jahr 769 Anträge. In seiner jetzigen Form ist der Telekommunikationskonzern 2006 nach der Fusion von Alcatel und Lucent Technologies entstanden. Ex-Vodafone Geschäftsführer Michel Combes steht seit Februar 2013 an der Spitze des Unternehmens.

Platz 9: Bayer
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Deutschlandweit der viertfleißigste Ideengeber ist der Pharma- und Chemiekonzern Bayer. Europaweit schafft es das Unternehmen auf Platz Neun. 809 Patente reichten die Leverkusener 2014 beim europäischen Patentamt ein. Weltweit erwirtschafteten 115.000 Mitarbeiter 2014 40,2 Milliarden Euro Umsatz.

Platz 7: DSM
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Die niederländische Firma DSM (Abkürzung für "De Stats Mijnen") schickte im vergangenen Jahr 854 Anträge an das Europäische Patentamt. DSM produziert neben Arznei- und Nahrungsergänzungsmitteln auch Methoden zur Entspiegelung von Solarzellen, um sie so effizienter zu machen.

Platz 6: Nokia
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Mit 1.040 Patentanträgen in Europa gehört Nokia zu den innovativsten Unternehmen des Kontinents. 2014 war das erste Jahr, in dem die Finnen auf Eingebungen ihrer Handysparte verzichten mussten. Ab 25. April übernahm Microsoft endgültig die Mobilfunk-Sparte der Finnen.

Platz 5: Ericsson
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Auf Platz fünf der fleißigsten europäischen Ideengeber hat es der schwedische Telekommunikationsspezialist Ericsson geschafft (1.347 Patentanmeldungen). In einem Patentstreit bezichtigen die Schweden den Branchenriesen Apple derzeit, 41 seiner Patente verletzt zu haben. Unter anderem geht es um Chipdesign, Ortungsdienste und Elemente des Mobilfunkstandards LTE.

Platz 4: Bosch
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Mit Bosch schafft es gleich das dritte deutsche Unternehmen in die Top-10 der europäischen Patentanmelder. 2014 wollten sich die Baden-Württemberger 1.438 Ideen schützen lassen. 2013 fuhr Bosch knapp 1,3 Milliarden Euro Gewinn ein, bei 46 Milliarden Euro Umsatz.

Für die Konsolidierung im Zuggeschäft brauchen Siemens und sein möglicher Partner die Unterstützung der deutschen Politik und der Arbeitnehmervertreter. Denn in jedem Fall drohen dabei Stellenstreichungen. Alstom beschäftigt in Deutschland 3000 Menschen, Bombardier sogar 8500. Die Kanadier hatten im Juni eine Neuordnung ihrer deutschen Standorte - die im Osten konzentriert sind - beschlossen. Im Zuge dessen sollen bis 2020 bis zu 2200 Arbeitsplätze wegfallen. Der Siemens-Zugsparte geht es deutlich besser.

Mitarbeiter des Kanzleramtes von Angela Merkel und des französischen Präsidenten Emmanuel Macron seien in entsprechende Gespräche eingebunden, berichtete „Le Monde“. Die französische Regierung erklärte, sie sei wegen des Zusammenschlusses mit Siemens nicht beunruhigt, solange die Jobs gesichert seien. „Es ist wichtig, dass wir unseren Industriesektor in Partnerschaft mit Deutschland stärken“, sagte Regierungssprecher Christophe Castaner. „Es gibt keine Bedenken auf der französischen Seite wenn große Konzerne zusammenarbeiten, solange die Synergien nicht zu Arbeitsplatzverlusten führen.“

Die französische Regierung muss bis zum 17. Oktober entscheiden, ob sie einen 20-Prozent-Anteil an Alstom von dessen Großaktionär Bouygues erwirbt. Wenn nicht, hat Bouygues das Recht, seine komplette Alstom-Beteiligung von 28,3 Prozent zu verkaufen.

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