BASF-Bilanz Die Ludwigshafener brauchen mehr Hightech

BASF schrumpft – doch der Konzern ist solide genug aufgestellt, um die Ölpreiskrise abzufedern. Trotzdem muss Konzernchef Kurt Bock stärker ins Risiko gehen, um den Konzern zukunftsfest zu machen. Eine Analyse.
Der Konzern muss sein Gewicht noch stärker in die Hightech-Chemie verlagern. Quelle: obs
BASF-Produkte für die Halbleiterindustrie

Der Konzern muss sein Gewicht noch stärker in die Hightech-Chemie verlagern.

(Foto: obs)

LudwigshafenDer Chemieriese BASF rechnet auch für 2016 mit einem leichten Rückgang des Betriebsgewinns vor Sondereinflüssen. Gemessen an dem Umfeld, in dem sich der Konzern bewegt, erscheint das noch als relativ optimistische Prognose. Auch mit seiner weiteren Dividendenerhöhung um einen Cent auf 2,90 Euro je Aktie demonstriert der Chemieriese einiges an Zuversicht.

Denn vor allem im Geschäft mit Öl und Gas zeichnen sich weitere Einbußen ab. Firmenchef Kurt Bock weist in seinem Ausblick daher nicht umsonst darauf hin, dass man das Ertragsziel wohl nicht erreichen wird, wenn der Ölpreis über das ganze Jahr dauerhaft unter 40 Dollar liegen sollte.

Immerhin zeigt die Prognose, dass sich der Konzern im Chemiegeschäft insgesamt offenbar in solider Verfassung befindet, auch wenn hier die Bäume zurzeit keineswegs in den Himmel wachsen. Alles in allem unterstellt der Ludwigshafener Konzern, dass die Erträge im Chemiegeschäft die Einbußen bei Öl und Gas zumindest teilweise kompensieren.

Das ist insofern bemerkenswert, da die Margen, vor allem im Petrochemiegeschäft, nach einem sehr starken Jahr 2015 inzwischen deutlich unter Druck geraten sind. Das zeigte sich bereits im vierten Quartal beim Einbruch in der Sparte Chemicals, die das Grundproduktegeschäft der BASF umfasst. Nachdem man bis Ende September die Erträge hier noch steigern konnte, haben sie sich im Schlussquartal mehr als halbiert.

Insbesondere in China spürt auch BASF inzwischen die konjunkturelle Abkühlung und den wachsenden Preisdruck in Teilen des Chemiegeschäfts deutlich. Das operative Ergebnis in der Region Asien sank im Gesamtjahr 2015 um rund ein Drittel, während man in Europa und Asien nur moderate Einbußen verzeichnete.

Für 2016 zeichnet sich im Bereich Chemikalien ein weiterer kräftiger Ergebnisrückgang ab, ebenso wie in der Öl- und Gassparte. Demgegenüber traut es sich der Konzern zu, in seinen anderen drei Chemiesegmenten – Performanceprodukte, Funktionslösungen und Agrarchemie – die Betriebsgewinne leicht zu steigern. Diese Bereiche mit zusammen knapp 60 Prozent Anteil am BASF-Konzernumsatz von 70 Milliarden Euro repräsentieren das breite Spektrum an höher veredelten Chemieprodukten, von Lacken und Katalysatoren über Bauchemikalien und Pigmenten bis hin zu Pflanzenschutzmitteln und Vitaminen.

Der nach wie vor positive Trend in diesem Bereich spricht dafür, dass sich der Konzern in den letzten beiden Jahrzehnten tatsächlich ein sehr tragfähiges, robustes und weniger schwankungsanfälliges Chemiegeschäft aufgebaut hat und in diesem Bereich auch seine Effizienz nach und nach verbessern kann. Aber dieser Teil der BASF ist letztlich immer noch nicht groß genug, um die heftigen zyklischen Schwankungen bei den so genannten Commodities, das heißt Standardprodukten wie Öl- und Gas sowie Basischemikalien, völlig aufzufangen.

Öl aus Libyen, Styropor und die Kompaktkassette
Firmengründer Friedrich Engelhorn
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Der Leuchtgasfabrikant Friedrich Engelhorn gründet im April 1865 in Mannheim mit Partnern die Aktiengesellschaft „Badische Anilin- & Soda-Fabrik“ (BASF). Sie soll aus Steinkohlenteer synthetische Farbstoffe gewinnen. Doch Mannheim bleibt Engelhein nur sehr kurz treu.

Konzession
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Denn Subventionen locken ihn schon unmittelbar nach Gründung nach Ludwigshafen. Datiert auf den 8. Mai 1865 ist eine Konzession für die Badische Anilin- und Soda-Fabrik.

BASF-Stammwerk 1866
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In den Anfangstagen reichte das Werk in Ludwigshafen noch nicht bis ans Rhein-Ufer. Doch die Schlote qualmten auch damals schon.

Auslandsexpansion
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Auch die Auslandsexpansion gehört schon früh zur Geschäftsstrategie von BASF. Das Bild zeigt eine Fabrik in Moskau im Jahr 1877.

Stammwerk Ludwigshafen, 1881
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Schon wenige Jahre nach der Gründung folgen die ersten Zukäufe. Sehr schnell übernehmen neben den Kaufleuten die Chemiker und Ingenieure eine tonangebende Rolle im Unternehmen – und treiben die Expansion mit bahnbrechenden Neuerungen voran, mit Herstellverfahren etwa für Farbstoffe, Schwefelsäure oder später dem Haber-Bosch-Verfahren, das die Düngemittelproduktion revolutionierte.

Werk in Ludwigshafen, 1901
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Das rasante Wachstum der Firma lässt sich am Wachstum des Werksgeländes in Ludwigshafen ablesen.

Forschung wird zum Erfolgsfaktor
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Aufbau einer Produktionsanlage im Jahr 1913 in Oppau, nahe Ludwigshafen. Ab 1908 beginnt die BASF nach grundlegenden Arbeiten des Karlsruher Professors Fritz Haber unter Leitung von Carl Bosch mit der Realisierung der Ammoniaksynthese im industriellen Maßstab.

Der Ludwigshafener Konzern muss daher sein Gewicht noch stärker in Richtung Hightech-Chemie verlagern. Er wird dafür sowohl mehr Geld in die Hand nehmen müssen als auch weitere Risiken wagen müssen. Denn auch eine innovationsorientierte Strategie ist kein Selbstläufer, wie etwa die bisher eher enttäuschenden Resultate der BASF-Forschung in der Pflanzenbiotechnologie zeigen – ein Arbeitsgebiet, in das man in den letzten eineinhalb Jahrzehnten immerhin fast zwei Milliarden Euro investiert hat.

Die Entscheidung, dort auf die Bremse zu gehen und die Ausgaben zu halbieren, war vermutlich überfällig. Aber die eingesparten Ressourcen wird Bock letztlich wohl an anderer Stelle in die Forschung reinvestieren müssen.

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