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Techniker bei BASF

Für den Konzern lässt sich die negative Trendwende vor allem an der Sparte Chemikalien ablesen, die schon seit Jahren wichtigster Ertragspfeiler ist.

(Foto: BASF SE)

BASF, Covestro, PPG Chemiebranche muss sich auf schwieriges Geschäftsklima einstellen

Energie- und Rohstoffkosten senken die Margen. Auch die Absatzmärkte Autoindustrie und China schwächeln. Das zeigt sich auch beim Riesen BASF.
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Frankfurt Für die Chemiebranche läuft die Entwicklung auf einen relativ deutlichen Klimaumschwung hinaus. Das Geschäft wird in vielen Bereichen zusehends schwieriger. Was die Börse in den letzten Monaten bereits mit deutlichen Kursverlusten für Chemiewerte vorweg genommen hatte, spiegelt sich inzwischen auch zusehends in den Quartalszahlen und Prognosen aus der Branche wider. So jetzt auch beim Branchenführer BASF.

„Die Herausforderungen im makroökonomischen Umfeld nehmen zu“, sagte Firmenchef Martin Brudermüller am Freitag bei der Präsentation des Quartalsberichts. „Wir sind weder mit unserer Geschäftsentwicklung, noch mit der Entwicklung unserer Aktie zufrieden.“

Bereits Anfang des Monats überraschte der US-Farbenhersteller PPG mit einer Gewinnwarnung für das dritte Quartal und dem Hinweis auf steigende Rohstoffkosten und eine schwächere Nachfrage aus China. Auch Covestro-Chef Markus Steilemann berichtete jüngst von wachsender Unsicherheit und Nervosität bei den Abnehmern. Der Leverkusener Konzern erwartet dank eines sehr starken ersten Halbjahres aber nach wie vor noch ein leichtes Ertragsplus im Gesamtjahr.

Mehrere Faktoren sorgen aktuell für Gegenwind: Zum einen wird die Chemienachfrage durch eine Schwäche in der Automobilindustrie sowie ein langsameres Wirtschaftswachstum in China gebremst. In der Autoindustrie – mit 18 Prozent Anteil wichtigster Kunde der BASF – wirkte sich unter anderem die Einführung neuer Emissionsstandards negativ aus.

In China wiederum wurde die Industrieproduktion durch Handelskonflikte gebremst. BASF hat daher seine Annahmen für das globale Wachstum der Chemie- und Industrieproduktion leicht nach unten korrigiert.

Deutlich getrübt werden die Perspektiven der Branche zum anderen durch steigende Rohstoff- und Energiekosten sowie durch einen Margenverfall im Bereich der Basischemikalien und Grundprodukte, so etwa bei Ethylen und den Kunststoff-Vorprodukten TDI und MDI.

Unter Analysten macht sich Pessimismus breit

In diesen Segmenten verbuchten Hersteller aufgrund von Engpass-Situationen noch bis ins erste Halbjahr 2018 hinein ungewohnte Spitzenrenditen, die sich nun aber zügig normalisieren. Mit der Inbetriebnahme neuer Kapazitäten, darunter auch die lange technischen Problemen belastete TDI-Anlage der BASF in Ludwigshafen, verschiebt sich die Balance von Angebot und Nachfrage wieder zu Ungunsten der Produzenten.

Im Analystenlager hatte sich vor dem Hintergrund dieser Trends bereits in den letzten Monaten Pessimismus breit gemacht. „Es wird schlechter, bevor es wieder besser wird“, warnten etwa jüngst die Experten von HSBC, vor allem mit Blick auf Basisprodukte und die neuen Kapazitäten in dem Bereich. Und in einem Report von JP Morgan heißt es: „Die dunklen Wolken verdichten sich.“

Solche Skepsis sorgte in den letzten Monaten bereits für deutliche Kurseinbußen bei vielen Chemiewerten. BASF und der US-Konkurrent Dow Dupont etwa liegen inzwischen im Vergleich zum Jahresbeginn mit rund 30 Prozent im Minus. Der Kunststoffhersteller Covestro verlor sogar fast 40 Prozent an Wert.

Im Falle BASF lässt sich die negative Trendwende vor allem an der Sparte Chemikalien ablesen, die schon seit Jahren wichtigster Ertragspfeiler für den Konzern ist. Nach einem rasanten Ertragsanstieg in den beiden Vorjahren verbuchte sie im dritten Quartal 2018 nun einen Gewinnrückgang um 23 Prozent auf 851 Millionen Euro. Und in den nächsten Quartalen dürfte es weiter bergab gehen. Analysten gehen daher davon aus, dass die Margen zunächst noch weiter unter Druck geraten könnten.

Sollte die Situation anhalten, könnte das für BASF auf Belastungen in zweistelliger Millionenhöhe im vierten Quartal hinauslaufen. Quelle: dpa
Niedrigwasser am Rhein

Sollte die Situation anhalten, könnte das für BASF auf Belastungen in zweistelliger Millionenhöhe im vierten Quartal hinauslaufen.

(Foto: dpa)

Insgesamt konnte der Ludwigshafener Konzern seinen Umsatz zwar noch um acht Prozent auf 15,6 Milliarden Euro steigern. Der Betriebsgewinn vor Sondereinflüssen ging dagegen um 14 Prozent auf 1,47Milliarden Euro zurück. In den ersten neun Monaten liegt er mit 5,7 Milliarden Euro um sechs Prozent unter Vorjahresniveau.

Entlastet wurde BASF dabei durch geringeren Aufwand für die aktienbasierten Vergütung. Angesichts des rückläufigen Aktienkurses konnte der Konzern seine Rückstellungen für diese Position reduzieren.

Andererseits wurde der Konzern zusätzlich durch das extreme Niedrigwasser auf dem Rhein belastet. Einschränkungen in der Kühlwasserversorgung sowie der inzwischen fast komplett zum Erliegen gekommene Gütertransport auf dem Rhein zwangen den Konzern, seine Produktion im Stammwerk Ludwigshafen teilweise zu drosseln.

Sollte die Situation anhalten, könnte das auf Belastungen in zweistelliger Millionenhöhe im vierten Quartal hinauslaufen. „Wir beten daher täglich zum Gott des Wassers: Bitte gib uns Regen“, sagte Brudermüller im Analysten-Call.

BASF-Prognose könnte in Gefahr geraten

Seine Prognose für das Gesamtjahr hat der Konzern bereits im September angepasst, im Zusammenhang mit der geplanten Ausgliederung der Öl- und Gassparte, die künftig nur noch mit ihrem Reingewinn in den Abschluss der BASF einfließt. Für das Gesamtjahr prognostiziert die BASF seither einen leichten Rückgang des operativen Gewinns um bis zu zehn Prozent.

Aber selbst diese Prognose ist aus Sicht mancher Analysten in Gefahr. Markus Mayer von der Baader Bank etwa verweist auf die weiter rückläufigen Margen und die Tatsache, dass sich das Chemikaliengeschäft des Konzerns im Schlussquartal mit besonders guten Vorjahreswerten vergleichen muss. Zudem könnten die rückläufigen Preise zu einem gewissen Lagerabbau bei den Abnehmern führen, was die Nachfrage zusätzlich dämpfen würde.

Um den operativen Gewinnrückgang auf zehn Prozent zu begrenzen, muss die BASF im Gesamtjahr operativ mindestens 6,8 Milliarden Euro verdienen. Das Ebit im vierten Quartal darf damit gegenüber dem sehr starken Vorjahreswert nur um maximal ein Viertel sinken.

Brudermüller bekräftigte die Erwartung, dass man das trotz der deutlich rückläufigen Margen im Chemikaliengeschäft schaffen kann. Er setzt dabei vor allem darauf, dass sich die Performance der anderen Sparten, so insbesondere im Agrogeschäft und in der Sparte Funktions-Materialien, im Schlussquartal etwas verbessert.

Andererseits signalisiert der Ludwigshafener Konzern aber auch, dass er ebenso wie andere Chemiekonzerne die Struktur- und Portfoliobereinigung weiter mit hoher Intensität vorantreibt. So plant er nun, seine Sparte Bauchemie entweder komplett zu verkaufen oder in einem Joint Venture mit einem starken Partner zu bündeln.

Bereits im vergangenen Jahr hat die BASF nach gleichem Muster Aktivitäten im Bereich Lederchemie und Wasseraufbereitung in neue Gemeinschaftsunternehmen eingebracht. Der Konkurrent Covestro kündigte unterdessen ein Sparprogramm im Volumen von 350 Millionen Euro an.

Sowohl BASF als auch Covestro sehen diese Schritte als Teil ihrer Langfrist-Strategie. Klar ist aber auch, dass solche Initiativen zur Strukturverbesserung angesichts des Klimaumschwungs in der Branche noch wichtiger geworden sind.

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